merken
PLUS

Sicherheitspaket gegen Fußballgewalt

Die Landtagsmehrheit schlägt vor: Fans sollen gemeinsam im Zug fahren und Sozialprojekte besser finanziert werden.

© dpa/Symbol- & Archivbild

Von Thilo Alexe

Sachsens Politik müht sich weiter um Strategien gegen Gewalt im Fußball. Die Koalitionsfraktionen von CDU und SPD wollen Fanprojekte finanziell stärken. Zudem drängen sie darauf, dass Anhänger ihre Vereine möglichst per Zug begleiten, „um eine Kanalisierung des Fan-Reiseverkehrs“ zu erreichen.

Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien

Bietet Ihnen das komplette Rundum-sorglos-Paket für Ihr Immobilieneigentum.

Ferner verlangen Union und Sozialdemokraten von der Regierung einen „Sächsischen Jahresbericht Fußball“. Polizisten sollen bei Weiterbildungen in Deeskalationstaktik geschult werden.

Mit dem Mittel eines sogenannten Prioritätenantrags bringen die Fraktionen ihre Forderungen ins Parlament. Die Zustimmung bei der Landtagssitzung am Donnerstag gilt aufgrund der Koalitionsmehrheit als sicher.

Das nur zweiseitige Papier gleicht einem Mix aus weitreichenden Überlegungen und vorsichtigen Bitten. Prävention soll letztlich dazu führen, die Polizeistärke rund um Fußballspiele zu drosseln. Der Ansatz: Wer sich um jugendliche Fans mit Hausaufgabenhilfe, Feriencamps oder betreuten Auswärtsfahrten kümmert, verhindert deren Abdriften in eine gewaltbereite Szene. Der Zulauf für Hooligans wird gebremst. In Sachsen waren bereits deutlich mehr als 30 000 Beamte pro Spielzeit rund um Stadien im Einsatz. Wie groß dieser Aufwand ist, verdeutlicht der Blick auf eine zweite Zahl. Das Land hat derzeit nur etwa rund 13 000 Polizisten.

Angebote für Fans sollen verbessert, wenn möglich sogar ausgebaut werden. CDU und SPD wollen, dass die Regierung prüft, wie sie Vereine dabei unterstützen kann. Konkreter ist jedoch ein zweiter Punkt. Bereits vor dem Beginn der Verhandlungen für den kommenden Doppelhaushalt 2017/18 soll die Finanzierung für Fanprojekte stabilisiert werden. Die Regierung erhält den Prüfauftrag, wie das Land mit den Kommunen sicherstellen kann, dass die Projekte auch Geld von den Fußballverbänden erhalten.

Angespielt wird dabei auf die sogenannte Drittelfinanzierung. Demnach kommt das Geld für Fanprojekte in der Regel vom Land, den Kommunen sowie den Verbänden. Dabei geht es um vergleichsweise geringe Beträge. Sachsen setzt bislang 300 000 Euro pro Jahr für insgesamt sechs Fanprojekte unter anderem in Dresden, Leipzig und Chemnitz ein. Zuzüglich der anderen Mittel geht es um rund eine Million Euro pro Jahr.

Ungleich größer sind die Sicherheitskosten. Anfang 2014 bezifferte die Deutsche Polizeigewerkschaft die Aufwendungen für Einsätze bei Spielen von Dynamo Dresden auf 6,8 Millionen Euro pro Saison, was das Innenministerium aber damals zurückwies. Bundesweit geht es, auch das ist eine Gewerkschaftsschätzung, um rund 150 Millionen Euro pro Jahr.

Die Landtagsmehrheit ist also daran interessiert, Sozialarbeiter für Fanprojekte statt deutlich teurere Polizeieinsätze zu finanzieren. Doch fallen Mittel der Kommunen etwa wegen geringerer Gewerbesteuereinnahmen weg, droht das Finanzkonstrukt der Fanprojekte zu zerbrechen. Max Duroldt vom Zwickauer Projekt veranschaulicht den Zusammenhang. „Der DFB verdoppelt die Mittel für Fanprojekte bis zu einer Höhe von 150 000 Euro.“ Voraussetzung für eine Förderung durch den Fußballverband ist eine Unterstützung durch Kommune und Land von mindestens 60 000 Euro. Sachsen soll nach dem Willen der Koalition sicherstellen, dass die Kommunen ihren Teil aufbringen können. Wie, sagt der Antrag jedoch nicht. Allerdings nennt er dabei die Fanprojekte in Aue, Plauen, Zwickau und Chemnitz.

Offen ist im Detail auch, wie das Land Fan-Züge unterstützen kann. Eine möglichst geregelte und einheitliche Anreise von Vereinsanhängern zu den Spielen soll ebenfalls zu einer Reduzierung der Gewaltgefahr beitragen.

Bei der Polizistenfortbildung soll künftig verstärkt das Thema Fußball aufgegriffen werden. „Ein Aspekt ist die Kommunikation zwischen Polizei, Fanprojekten und Fans vor Ort, aber auch die Aufklärung über die einzelnen Fangruppierungen“, heißt es. Ein sächsischer Fußballjahresbericht „würde die Chance beinhalten, auch präventive Maßnahmen in den Fokus zu nehmen und vorfallsunabhängig die Diskussion zur Sicherheit im Fußball zu führen“, urteilen die Koalitionspartner.