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Sicherheitsvorkehrungen für Merkel-Besuch

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird in Dresden ausgezeichnet. Die Veranstalter wissen, dass es hier schon mal Anfeindungen gegen sie gab und reagieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt nach Dresden und erhält einen Preis
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt nach Dresden und erhält einen Preis © Bernd von Jutrczenka/dpa

Dresden. Die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) veranstalten jedes Jahr eine Woche der Brüderlichkeit. Bei der Gelegenheit wird auch ein besonderer Preis verliehen.

Die Buber-Rosenzweig-Medaille geht in diesem Jahr an Angela Merkel. "Wir wissen, dass es schon mal Probleme gab, als Frau Merkel in Dresden war", sagt Ilona Klemens, Pfarrerin und Generalsekretärin der Deutschen Koordinierungsstelle der GCJZ. "Es wird erhöhte Sicherheitsvorkehrungen geben."

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Die Medaille wird im Rahmen eines Festprogramms am 8. März  im Kulturpalast verliehen. Dort spricht Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FPD) gibt ein Interview auf der Bühne, die Laudatio hält der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland Josef Schuster und auch Merkel selbst hält eine Rede.

"Wir hoffen, dass es störungsfrei bleibt", so Ilona Klemens mit Blick auf die Vorfälle bei der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit 2016 in Dresden. Damals gab es Pöbeleien, es wurde gepfiffen und gebuht. Auch bei Merkels Besuch im vergangenen Jahr gab es heftige Szenen. Bei Protesten gegen den Besuch wurde der Hitlergruß gezeigt. "Der Vorplatz vor dem Kulturpalast wird großräumiger abgesperrt", erklärt Klemens. 

Los geht es mit der Woche der Brüderlichkeit in Dresden am 6. März. Um 18 Uhr findet in der Neuen Synagoge ein Schabbattgottesdienst statt. Am Samstag geht es mit einer Christlich-Jüdischen Gemeinschaftsfeier um 19.30 Uhr in der Dreikönigskirche weiter. Die Zentrale Eröffnungsfeier ist dann am Sonntag um 11.30 Uhr im Kulturpalast. 

Bei dieser Eröffnungsfeier bekommt Merkel die Medaille verliehen. Insgesamt gibt es mehr als 80 Veranstaltungen. Bei der Woche der Brüderlichkeit geht es um gesellschaftlichen Zusammenhalt, nicht nur zwischen Christen und Juden. "Ein Appell ist dringend notwendig, es läuft etwas nicht gut in Deutschland", sagt Friedhelm Pieper, der Evangelische Präsident im Koordinierungsrat. "Menschen werden verachtet, ganze Gruppen ausgegrenzt."

Deshalb lautet das Motto der Woche auch "Tu deinen Mund auf für die Anderen". "In sozialen Netzwerken geht es eher gegen Andere und aus Worten werden Taten." Er verweist auf die rassistischen Morde in Hanau, den Anschlag auf Juden in Halle, den Mord an Walter Lübcke (CDU) und einige Fälle mehr.

"Wir brauchen ein Stoppschild für Rassismus und Strategien zum Einfangen von Gewaltfantasien", so Pieper." Antisemitisches Denken, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit steigen laut Pieper. "Wir alle sind gefordert, energisch dagegen einzutreten." 

Der Koordinierungsrat wähle immer Städte für die Woche der Brüderlichkeit aus, in denen es ein breites bürgerschaftliches Engagement in diesem Sinne gibt, erklärt Generalsekretärin Klemens. "Wir freuen uns sehr, dass sich der Rat für Dresden entschieden hat", so OB Hilbert. "Anliegen und Motto sind aktueller den je."

Dresden engagiere sich schon lange für den interreligiösen und interkulturellen Dialog. Hilbert nennt diverse gemeinsame Konzerte und das islamisch-jüdische Neujahrsfest als Beispiele. "Alltagsrassismus gibt es fast täglich, da sind alle aufgefordert, Zivilcourage zu zeigen", so der OB. "Wir haben es rund um den 13. Februar erlebt und bei dem unsäglichen Auftritt von Höcke bei Pegida. Da hat die Stadtgesellschaft dagegen Gesicht gezeigt."

Mit der Buber-Rosenzweig-Medaille werden Persönlichkeiten,  Initiativen oder Einrichtungen ausgezeichnet, die sich um die Verständigung zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben. Zu den Ausgezeichneten zählen unter anderen Richard von Weizsäcker, Johannes Rau, die Initiative „Schule ohne Rassismus“, Joschka Fischer, der Verein „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“, Daniel Libeskind, der Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Peter Maffay, die "Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus" und das "Netzwerk für Demokratie und Courage".

Weshalb für 2020 Kanzlerin Merkel ausgewählt wurde, erklärt der Jüdische Präsident des Rates, Andreas Nachama: "Wir sitzen immer im Januar des Vorjahres dazu zusammen. Das war also noch vor Hanau, Halle und Lübcke. Aber wir wussten, die Situation ist prekär." Da sei man schnell bei Merkel gewesen. "Sie findet in vielen Situationen die richtigen Worte, gibt der Debatte einen Drive." 

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So habe Merkel bei der Debatte um ein Beschneidungsverbot für Juden in Deutschland im Jahr 2012 den Diskurs in eine andere Richtung gelenkt, als sie sagte, Deutschland mache sich zur "Komikernation", wenn Juden ihre Rituale verboten werden. Zudem appellierte Merkel 2009 an den damaligen Papst Benedikt XVI., sich zu der Affäre um den Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson zu äußern. Und bereits 2008 erklärte die Kanzlerin die Sicherheit Israels zur "Staatsräson".

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