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Bautzen

Corona-Krise: Sie sind für andere da

Viele Engagierte wollen im Landkreis Bautzen ihren Mitmenschen durch die schwierige Zeit helfen. Das sind ihre Geschichten.

Der Bautzener Gemeindepädagoge Robert Marschall, Jens-Henry Dils aus Bautzen und Hanna Scheudeck aus Neukirch (v.l.) gehören zu den unzähligen Menschen, die anderen während der Corona-Krise helfen.
Der Bautzener Gemeindepädagoge Robert Marschall, Jens-Henry Dils aus Bautzen und Hanna Scheudeck aus Neukirch (v.l.) gehören zu den unzähligen Menschen, die anderen während der Corona-Krise helfen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen/Bischofswerda/Kamenz.  Sie verteilen Zettel mit Telefonnummern, tragen Einkaufstüten, führen fremde Hunde aus oder stehen mit Rezepten in der Apotheke Schlange. Viele Leute aus dem Landkreis Bautzen engagieren sich jetzt, angesichts der Corona-Krise, für diejenigen, die aus Sicherheitsgründen das Haus nicht verlassen können. Oder sie helfen denen, die nicht von Zuhause aus arbeiten können – und denen nun durch die unterrichtsfreie Zeit die Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder weggebrochen ist.

Da ist zum Beispiel eine junge Frau aus Neukirch, die eine Facebook-Gruppe ins Leben gerufen hat, um Nachbarschaftshilfe zu organisieren. Viele Leute aus dem Landkreis haben schon ihren Einsatz angeboten: Sie geben per Telefon Mathe-Nachhilfe in der unterrichtsfreien Zeit oder veröffentlichen kreative Ideen, wie Familien jetzt zu Hause ihre Kinder beschäftigen können. Andere bieten an, diese zu betreuen, da doch ihre Aufträge sowieso weggebrochen sind.

Rundum versorgt im ELBEPARK Dresden

Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken und Tierfachgeschäfte haben für Sie weiterhin geöffnet. Hier stehen Ihnen 5.000 Parkplätze zur Verfügung.

Da ist aber auch der DJ, der nun auf keiner Feier mehr auflegen kann. Statt Trübsal zu blasen, schwingt er sich aber lieber aufs Rad und erledigt Botengänge. Ganz viele Kirchgemeinden werden aktiv. Und auch ein Bautzener Taxiunternehmen bietet an,  Lebensmittel, Hygieneartikel und Medikamente für ältere Menschen zu besorgen.

Und da sind auch die Jugendlichen aus Bautzen, die wegen der Ausbreitung des Virus ihre Freizeit jetzt nicht mehr im Jugendclub Kurti verbringen dürfen. Auch sie wollen der Risikogruppe helfen – und sich so bei der Nachbarschaft auch dafür bedanken, dass diese an manchen Abenden einen höheren Lärmpegel akzeptiert. „Wir wollen zeigen, dass der Jugend nicht alles egal ist“, sagt Lea Krause vom Orga-Team des Clubs, „viele von uns wollen jetzt helfen.“ Extra Flyer haben die Jugendlichen entworfen.

Eigentlich sollte an dieser Stelle die Geschichte über nur eine Hilfsaktion entstehen, nämlich die neue Facebook-Gruppe. Aber im Laufe der Recherche meldeten sich immer mehr Leute, immer mehr Projekte wurden an sächsische.de herangetragen. An so vielen Orten im Landkreis werden die Leute jetzt aktiv. Ihre Botschaft: Wir stehen zusammen, wir schieben nicht nur Frust – sondern helfen einander. Das sind ihre Geschichten. 

Kontakt zum Jugendclub Kurti: [email protected] und 0152/05687879

Jens-Henry Dils schwingt sich für Botentouren aufs Rad. Als DJ Thorodo kann er jetzt nicht hinter dem Pult stehen.
Jens-Henry Dils schwingt sich für Botentouren aufs Rad. Als DJ Thorodo kann er jetzt nicht hinter dem Pult stehen. © SZ/Uwe Soeder

Botengänge statt Platten auflegen

50 Kilometer am Tag mit dem Rad sind für ihn kein Problem, sagt Jens-Henry Dils, in der Region besser bekannt als DJ Thorodo. „Ich bin vom Tätigkeitsverbot betroffen“, sagt er, „Hochzeiten wurden abgesagt, Kneipen haben geschlossen.“ Das Geld bleibt aus – und auch die Aufgaben für den Tag. Eine Sorge nahm ihm sein Vermieter; die Miete könne er später zahlen. Was Dils nun bleibt, ist viel freie Zeit. „Das Helfen lässt sich gut mit meinem Hobby, dem Radsport, verknüpfen“, sagt der 55-Jährige. Erste Botengänge hat er schon erledigt. Für ein angehendes Ehepaar wollte er eigentlich zur Hochzeit auflegen – stattdessen fuhr er jetzt für sie zur Apotheke.

Kontakt: 0171 9027774 

Stefan Lehmann koordiniert im Steinhaus Bautzen Hilfsmaßnahmen, ist aber auch selbst auf der Straße unterwegs.
Stefan Lehmann koordiniert im Steinhaus Bautzen Hilfsmaßnahmen, ist aber auch selbst auf der Straße unterwegs. © SZ/Uwe Soeder

Tür-Anhänger für Hilfesuchende

Schilder, wie es sie sonst für Hotelzimmertüren gibt, hat jetzt das Soziale Netzwerk Lausitz gebastelt. Das Bautzener Steinhaus will die nun gemeinsam mit dem Netzwerk unter die Leute bringen. Auf den Schildern der Hinweis „Ich brauche Hilfe“ oder „Ich kann helfen“. „Wir wollen die Schilder im ländlichen Raum verteilen“, erzählt Stefan Lehmann vom Steinhaus. Vor allem im nördlichen und nordwestlichen Kreisgebiet wollen die Steinhaus-Mitarbeiter aktiv werden, weil es dort in der sozialen Arbeit mobile Angebote gibt und sich die Mitarbeiter auskennen. Damit Leute auch Vertrauen haben, hat das Steinhaus seinen Mitarbeitern extra Ausweise angefertigt. Das Steinhaus koordiniert zudem freiwillige Helfer.

Kontakt: 03591 5319966 und über [email protected]

Der Bautzener Gemeindepädagoge Robert Marschall koordiniert Hilfsmaßnahmen, wie Einkäufe oder Medikamenten-Besorgungen. 
Der Bautzener Gemeindepädagoge Robert Marschall koordiniert Hilfsmaßnahmen, wie Einkäufe oder Medikamenten-Besorgungen.  © SZ/Uwe Soeder

Kirchgemeinde hilft Risikogruppe

Seine Frau studiert Soziale Arbeit in Görlitz – und brachte ihn auf die Idee, weil Kommilitonen ein Nachbarschaftshilfeprojekt gestartet hatten. Als sich die Lage zuspitzte, fragte Gemeindepädagoge Robert Marschall seine Kollegen der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Petri Bautzen: Warum machen wir das nicht auch? „Viele trauen sich nicht, in der Nachbarschaft um Hilfe zu bitten“, vermutet Marschall. Die Zielgruppe der kirchlichen Hilfsaktion ist die sogenannte Risikogruppe. Viele Ehrenamtliche aus der Kirchgemeinde haben sich bereiterklärt, bei Einkäufen oder dem Besorgen von Medikamenten zu helfen.

Kontakt: 03591 369721

Jeanette Putzke von der  Interessengemeinschaft Kirchlehn aus Ohorn unterstützt Menschen in der Region mit Nachbarschaftshilfe und Telefonaten.
Jeanette Putzke von der  Interessengemeinschaft Kirchlehn aus Ohorn unterstützt Menschen in der Region mit Nachbarschaftshilfe und Telefonaten. © René Plaul

Seelsorge an Telefon und Türen

Die Interessengemeinschaft Kirchlehn aus Ohorn will nicht tatenlos zusehen und „sich dem Stubenhocker-Blues hingeben“, so zumindest nennt es Jeanette Putzke. Auch sie  hat jetzt eine Hilfsaktion für Einkäufe und Besorgungen gestartet – und noch mehr. Auch um Gespräche, ums Erklären bei Fragen und ums Zuhören geht es der Gruppe, die unter dem Motto „Wir sind da“ handelt. Die Nachbarschaftshilfe in der Gemeinde funktioniere zwar schon recht gut, aber Lücken gebe es immer. „Die Kirche war der Ort, wo sich alles fand, wo auch beschwichtigt wurde“, sagt Putzke, „das ist jetzt abhanden gekommen.“ Dem will die Gruppe mit der Aktion entgegenwirken.

Kontakt: 035955 72356

Hanna Scheudeck aus Neukirch hat auf Facebook eine Corona-Hilfsaktion ins Leben gerufen. Dort bieten Leute aus der Region Hilfe bei Mathe-Fragen oder Gassi-Gänge an.
Hanna Scheudeck aus Neukirch hat auf Facebook eine Corona-Hilfsaktion ins Leben gerufen. Dort bieten Leute aus der Region Hilfe bei Mathe-Fragen oder Gassi-Gänge an. © SZ/Uwe Soeder

Hilfe per Facebookgruppe

Es waren ihre Großeltern, um die sie sich sorgte. Die wohnen zwar in Brandenburg und werden dort von Familienmitgliedern versorgt. Was aber mit denjenigen, die dieses Glück nicht haben?,  fragte sich die 20-jährige Hanna Scheudeck aus Neukirch und gründete auf Facebook eine Gruppe, in der sich die Hilfsbereiten aus dem Landkreis mit Hilfsbedürftigen aus der Region vernetzen können. „Es sind natürlich nicht nur ältere Menschen gemeint“, sagt Scheudeck, „auch um die Betreuung von Kindern von Pflegepersonal geht es zum Beispiel.“ Ob Gassigehen, Lebensmitteleinkauf oder Apothekengänge – hier kann jeder anbieten, was er möchte.

Zu finden ist die Gruppe hier.

Katrin Jordan organisiert eine Nachbarschaftshilfsaktion in den Kirchgemeinden Burkau, Demitz-Thumitz, Pohla und Uhyst am Taucher.
Katrin Jordan organisiert eine Nachbarschaftshilfsaktion in den Kirchgemeinden Burkau, Demitz-Thumitz, Pohla und Uhyst am Taucher. © SZ/Uwe Soeder

Nächstenliebe per Knopfdruck

Wenigstens mal klingeln – das bedeute vielen Menschen etwas, sagt Katrin Jordan, Gemeindepädagogin der Kirchgemeinde Burkau. „Wir wollen auf diese Weise auch Nächstenliebe vermitteln“, sagt sie. Auch in den Kirchgemeinden Burkau, Demitz-Thumitz, Pohla und Uhyst am Taucher wollen Kirchenmitarbeiter und Ehrenamtliche insbesondere alleinstehenden älteren Menschen oder Leuten in Quarantäne helfen. Es geht um Botengänge, das Gießen von Gräbern der Angehörigen und das Zuhören im Falle einer Ausgangssperre. Auch hier gibt es Ausweise für die Helfenden, damit Umsorgte keine Angst vor Trickbetrug haben müssen.

Kontakt: [email protected] und 035953 8310

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