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Sie bringt die Schiebocker an einen Tisch

In Bischofswerda gibt es erstmals ein gemeinsames Frühstück auf dem  Markt. Organisiert von einer jungen Frau mit Visionen.

Sally Proft absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr im Offenen Treff des Vereins Regenbogen an der Belmsdorfer Straße.
Das Altmarkt-Frühstück ist ihre Idee – und ihr großes Projekt.
Sally Proft absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr im Offenen Treff des Vereins Regenbogen an der Belmsdorfer Straße. Das Altmarkt-Frühstück ist ihre Idee – und ihr großes Projekt. © Steffen Unger

Bischofswerda. Sally Proft hätte mit Kindern auch einen Kuchen backen können. Das wäre genau so als erlebnispädagogisches Projekt anerkannt worden. Doch der Rammenauerin, die in wenigen Wochen ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Offenen Treff B 28 des Bischofswerdaer Vereins Regenbogen beendet, wäre so eine 0-8-15-Nummer zu einfach gewesen. Sie suchte die Herausforderung – und eine Aufgabe, an der sie wächst.

Sally Proft hat sich etwas Großes vorgenommen: Sie organisiert an diesem Sonnabend Bischofswerdas erstes Gemeinschaftsfrühstück auf dem Altmarkt. „Essen verbindet“, ist die 20-Jährige überzeugt. „Wir wollen Menschen zusammenführen, gemeinsam Zeit verbringen, einander kennenlernen und einfach zusammen frühstücken“, sagt sie zu ihrer Idee, die auf Zukunft angelegt ist. Gemeinsame kulinarische Erlebnisse soll es auch in den nächsten Jahren in Bischofswerda geben – in welcher Form auch immer. Vielleicht als Eltern-Café oder Grillabend, sagt Sally Proft. Sie wird dann beim Studium sein.

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Eine große Tafel auf dem Markt

Seit April bereitet sie das Frühstück vor. Sie schrieb ein Konzept, beriet es mit der Leiterin des Offenen Treffs Franziska Koch, sprach mit dem Kreisgesundheitsamt wegen Fragen der Hygiene und holte bei der Stadt die erforderlichen Genehmigungen ein – von der Ausschankerlaubnis bis zum Wasser- und Stromanschluss. Der eine Anschluss wird fürs Händewaschen, der andere für die vorgeschriebene durchgehende Kühlkette für leicht verderbliche Lebensmittel gebraucht. 

Zusammen mit dem anderen FSJler im Regenbogenverein entwarf sie die Flyer, die stadtweit verteilt wurden und auf denen man nachlesen kann, welche „Zutaten“ für ein Open-Air-Gemeinschaftsfrühstück geeignet sind und welche nicht. Biertischgarnituren, die das Diakonische Altenpflegeheim „Zur Heimat“ bereit stellt, werden am Sonnabend auf dem Markt zu einer großen Tafel zusammengestellt. Fürs Frühstücksbüffet wird ein Zelt aufgebaut. „Meine Chefin Franziska Koch hat mir den Rücken gestärkt und beim Organisieren viel geholfen“, sagt Sally Proft. Auch die fürs Marktwesen, Ordnung und Sicherheit zuständigen Frauen der Stadtverwaltung gaben Unterstützung.

Dass Menschen frühstücken, ist nicht mehr selbstverständlich, weiß Sally noch aus ihrer Schulzeit. Manch einer verzichtet aufs Frühstück und schläft dafür lieber eine halbe Stunde länger. Fatal, wie die Rammenauerin findet. „Das Frühstück liefert uns die Energie für den Tag.“ Auch dieses Gefühl will das Gemeinschaftsfrühstück vermitteln.

Das durch den Freistaat Sachsen im Rahmen des Landesprogramms „Integrative Maßnahmen“ geförderte Projekt soll aber auch beitragen, Respekt und Verständnis füreinander zu entwickeln und Vorurteile abzubauen – in diesem Fall vor allem gegenüber dem Stadtteil Süd, wo der Offene Treff und die vom Regenbogen-Verein getragene Freizeit- und Begegnungsstätte ihren Sitz haben. Die angehende Studentin sieht darüber hinaus in der Aktion auch eine Möglichkeit, etwas zurückzugeben für das vergangene Jahr. Als FSJlerin wurde sie vom Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit Bischofswerda betreut. Der Offene Treff an der Belmsdorfer Straße ist ihre Einsatzstelle. „Ich wurde hier offen aufgenommen, und ich nehme aus diesem Jahr sehr viel mit“, sagt sie.

Sich selbst treu bleiben

Im vergangenen Jahr hatte Sally ihr Abi am Goethe-Gymnasium in Bischofswerda gemacht. Fürs Freiwillige Soziale Jahr entschied sie sich relativ spät, nämlich erst im vergangenen August, nachdem es mit dem erhofften Studienplatz als Gymnasiallehrerin in Halle nicht geklappt hatte. Im Rückblick für Sally Proft ein Glücksfall. Motiviert durch das Freiwilligenjahr wird sie nun in Dresden oder Chemnitz Soziale Arbeit studieren. „Es war immer mein Wunsch, beruflich mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten“, sagt sie.

Nach den sechs Semestern und mit dem Bachelor-Abschluss stehen ihr viele Wege offen. Sie kann dann zum Beispiel als Schulsozialarbeiterin, in der ambulanten Jugendhilfe, in einer Wohngruppe für Kinder und Jugendliche, aber auch in einer Behörde arbeiten. Nach dem Freiwilligenjahr sieht sie sich darauf gut vorbereitet. „Ich bin in diesem Jahr offener geworden, selbstbewusster, sicherer im Auftreten. Ich bin jetzt viel organisierter und arbeite strukturierter“, sagt sie. Und nicht zuletzt: Das FSJ habe ihr natürlich auch sehr viel Spaß gemacht.

Zu dem, was sie von diesem Jahr mitnimmt, gehört auch die Erkenntnis, dass man Menschen akzeptieren muss, so wie sie sind. Werte wie die Gleichwertigkeit aller Menschen, Respekt füreinander und Ehrlichkeit sind nicht für alle selbstverständlich, sagt sie. Man muss andere Menschen verstehen, über Probleme offen reden und dabei authentisch bleiben. „Wer sich verstellt, wird nie glücklich. Denn er steht immer unter Druck“, sagt Sally Proft. Wenn man so will, kann man auch das als Einladung zu einem zwanglosen Frühstück in großer Runde nehmen. Wie viele Leute am Sonnabend kommen werden, weiß Sally Proft natürlich noch nicht. Vielleicht 50, sagt sie. Vielleicht auch mehr. Der Aktion wäre es zu wünschen.

Wissenswertes zur Frühstücksrunde

Am Sonnabend, dem 3. August, von 9 bis 13 Uhr kann jeder, der es möchte, auf dem Bischofswerdaer Altmarkt in großer Runde frühstücken.

Fürs Büffet sollte jeder etwas mitbringen, was ihm wichtig ist, zum Beispiel ein Glas Konfitüre, Wurst, Käse, Obst und Gemüse, einen Salat oder Kuchen. Nicht geeignet sind leicht verderbliche Lebensmittel.

Mit dabei haben sollte man außerdem Teller, Tasse und Besteck. Für Leute, die am Sonnabend spontan vorbei kommen, hält der Verein Regenbogen eine gewisse Grundausstattung an Geschirr bereit.

Bei Regen wird das Frühstück in den Offenen Treff an der Belmsdorfer Straße 28 verlegt.

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