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Tharandts neuer Regionalmarkt startet

Bei „Frau Müller“ gibt’s Lebensmittel von nebenan. Die Chefin wagt damit Neues.

Allmählich füllen sich die Regale auf der Roßmäßlerstraße 16 in Tharandt. „Frau Müller“ ist ab Freitag geöffnet.
Allmählich füllen sich die Regale auf der Roßmäßlerstraße 16 in Tharandt. „Frau Müller“ ist ab Freitag geöffnet. © Karl-Ludwig Oberthür

Die ersten Regale sind gefüllt. In der Sitzecke am großen Panoramafenster stehen Tische und Stühle schon bereit für Gäste. Noch aber gehen hauptsächlich Handwerker und Lieferanten durch die Ladentür an der Roßmäßlerstraße. Nachdem Tharandts einziger Bioladen vor rund zwei Jahren dichtmachte, steht die Verkaufsfläche leer. Ab Freitag, 10 Uhr, laden die Räume im Herzen der Forststadt wieder zum Einkaufsbummel ein – bei Frau Müller.

„Frau Müller“ steht künftig nicht nur über der Ladentür an der Hauptverkehrsstraße. Hier steht auch Frau Müller drin. „Ein bisschen musste man mich überreden zu dem Geschäftsnamen“, lacht Nadja Müller. Ihre Idee sei es nicht gewesen. Mittlerweile finde sie es witzig – vor allem aber passend. Die 43-Jährige freut sich auf den neuen Job in Tharandts Mitte und darauf, hier bald ihre ersten Kunden begrüßen zu können. In die Fußstapfen ihres Vorgängers wolle sie jedoch nicht treten. Nadja Müller hat ihre eigenen Vorstellungen.

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Auch wenn das Bio-Siegel nicht am Geschäft hängt, sind viele Produkte ihres Naturkostladens aber genauso biologische Erzeugnisse. Viel wichtiger noch ist Nadja Müller aber die Regionalität der Waren. So weit wie es möglich ist, bietet das Vollsortiment Lebensmittel aus der Region, aber auch einige Drogerieprodukte made in Sachsen. Welche das sind, wählte Müller selbst aus. Neben beispielsweise Nudeln aus Freital, Honig aus Tharandt und Dresden gibt es Berg- und Ziegenkäse aus der Sächsischen Schweiz und Gemüse vom Hof Mahlitzsch in Nossen oder dem Auenhof in Ostrau. Bei „Frau Müller“ sollen vor allem die Kunden, die auf Frische und Regionalität bei Lebensmitteln wert legen, fündig werden. Ein solches Angebot fehlte zuletzt in der Stadt der Nachhaltigkeit. Die Tomaten und Kürbisse, die demnächst im Verkaufsraum liegen, kommen sogar aus dem eigenen Garten in Großopitz, wohin die dreifache Mutter vor einiger Zeit mit ihrer Familie zog.

Zehn Jahre lang leitete die studierte Agraringenieurin zuvor gemeinsam mit ihrem Mann den Hof der Helene-Maier-Stiftung in Kreischa, später kümmerte sie sich um das Marketing eines Öko-Hofes. Mit ihrem neuen Laden in Tharandts Stadtzentrum schlägt Nadja Müller nicht nur selbst einen neuen beruflichen Weg ein. Die gebürtige Brandenburgerin will mit ihrem Lebensmittelgeschäft vor allem diese spezielle Form der Nahversorgung für Tharandt und die umliegenden Orte sichern und auch Händler der Region dabei unterstützen, ihre Produkte zu verkaufen.

Die Idee zum eigenen Laden entstand für Nadja Müller eher zufällig. In einer kleinen Gruppe in Tharandt wurde der Gedanke diskutiert, wieder eine Art Bio-Laden in die Stadt zu holen. Die Vorstellung, es selbst in die Hand zu nehmen, sei in ihr gewachsen, erzählt die 43-Jährige. Für ihr Vorhaben, den ländlichen Raum mit einem Naturkostladen zu bereichern, ist Nadja Müller in diesem Frühjahr vom sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Ladenwirtschaft mit einer Prämie von 5 000 Euro ausgezeichnet worden. Das Geld investierte Müller in die Umbauten und die neue Einrichtung ihres Geschäftes.

Was letztlich in den Regalen und hinter der Theke liegt, würden die Kunden aber in Zukunft mitentscheiden. „Ich richte mich nach den Bedürfnissen, ist ja klar“, sagt Nadja Müller. Wer will, kann künftig seinen Warenkorb schon von Zuhause aus bei Frau Müller bestellen und fertig zurecht gepackt abholen. Außerdem will Nadja Müller mit einer Gemüsekiste, die saisonal zusammengestellt wird, ein neues Angebot in Tharandt schaffen. Auf den selbst getrödelten Stühlen sollen Gästen künftig selbst gebackener Kuchen und Kaffee serviert werden sowie die tägliche hausgemachte Suppe. „Ich würde mich freuen, wenn sich hier bald jeder wohlfühlt und Seins findet“, sagt Nadja Müller.

Dass sie mit ihrem Angebot auf 70 Quadratmetern nicht mit dem Netto-Markt im Ort konkurrieren kann, sei völlig klar, winkt die Großopitzerin lächelnd ab. Ihr gehe es um anderes. Müller will ein Bewusstsein für Regionalität schaffen und mit dem drögen Öko-Klischee aufräumen.

www.fraumueller.net

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