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Sie haben’s erfunden: Radebeul hilft Radebeul

Zwei vom Radebeuler Ballspiel-Club hatten eine Super-Idee, die den Gewerbetreibenden der Stadt heute noch hilft.

Rico Körnig (links) und Uwe Kunzak – der Kassenwart und der Trainer – hatten die Idee für „Radebeul hilft Radebeul“. Wovon viele in der Stadt einen Nutzen haben.
Rico Körnig (links) und Uwe Kunzak – der Kassenwart und der Trainer – hatten die Idee für „Radebeul hilft Radebeul“. Wovon viele in der Stadt einen Nutzen haben. © Norbert Millauer

Radebeul. Die hätten einen Orden verdient. So und ähnlich sprechen Händler zum Beispiel in Radebeul-Ost an der Hauptstraße. Sie meinen die Männer vom Radebeuler Ballspiel-Club, kurz RBC. Orden hin oder her, daran dachte damals Ende März keiner. Es begann alles, als Corona bereits zwei Wochen wütete und das Leben in der Kleinstadt westlich von Dresden nahezu lahmgelegt hatte.

Rico Körnig ist Kassenwart beim RBC. Er muss sich drum kümmern, dass Geld für neue Bälle, Trikots, aber auch für Desinfektionsmittel da ist. „Ende März hatte ich gerade ein Gespräch mit einem unserer Sponsoren, der mir mitteilen musste, dass er vorerst kein Geld mehr zahlen kann“, spricht der RBC-Finanzer über den Ausgangspunkt einer ungewöhnlichen Aktion. „Mir kam der Gedanke, wie wäre es denn, wenn wir jetzt mal unseren Unterstützern helfen könnten, weil sie gerade ihre Läden nicht öffnen dürfen und keine Kunden haben.“ Die nächste Nacht wälzte Rico Körnig Ideen und kam schließlich auf lokal einkaufen und wie er das ganz privat zu dieser Zeit bewerkstelligen könnte. Durch die Straßen gehen und suchen, wer denn noch was anbietet? Viel zu aufwendig. Genauso wie rumtelefonieren, wo denn noch was verschickt wird. Aber gebündelt alles an einer Stelle erfahren, das wäre die Lösung.

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Gebündelt heißt Internetseite. So kam Uwe Kunzak, Trainer bei den Kindern und der Website-Manager des RBC, ins Spiel. Wenige Stunden später stand eine Internetseite mit dem Titel „Radebeul hilft Radebeul“, auf der Händler und Gewerbetreibende selbst erklärend sich eintragen konnten.

Rico Körnig: „Ich habe dann noch per Google-Maps die Internetadressen von Händlern rausgesucht und diese angeschrieben, ob sie auf der Seite dabei sein wollen.“ Von da ab machte die Sache wie ein Lauffeuer die Runde. Die Facebook-Seite des Fußballvereins verkündete die Aktion. Der Aufruf wurde x-mal geteilt. Und: Die Akteure verbündeten sich sehr schnell mit den Wirtschaftsförderern in der Stadt. Gabriele Bäßler aus dem Rathaus und Astrid Hadan von der Werbegilde und der Bahnhofstraße in West machten Reklame und nahmen den Link auf die jeweiligen Seiten.

Immer mehr Händler kamen dazu. Die Seite wurde nach Branchen gegliedert Uwe Kunzak registrierte in Spitzenzeiten bis zu 300 Zugriffe in einer Stunde. Vor allem aber: Als alles geschlossen war, kaum einer auf der Straße anzutreffen ist, bestellen die Leute wirklich Waren vor Ort und entdecken ihre Geschäfte um die Ecke neu. Die Händler wiederum lassen sich schnell etwas einfallen, wie vom Fenster aus oder per Lieferdienst das Gewünschte in die Haushalte kommt.

Eine Plakataktion der Stadt Radebeul greift die Initiative der Fußballer und der Wirtschaftsförderung auf, andere Hilfsaktionen tragen sich auf der Seite ein. Modegeschäfte, Weingüter, Blumenläden, Bäcker – nahezu der gesamte Handel Radebeuls findet sich letztlich auf „Radebeul hilft Radebeul“ wieder.

Mittlerweile sind es etwa 100 Einträge mit Datum, Öffnungszeit und Angebot sowie Foto, so Uwe Kunzak. 26.000 Seitenaufrufe stehen zu Buche. Das ist beinahe die gesamte Bevölkerung der Stadt. Einer der Spieler in der Altherrenmannschaft erzählt von seiner Blumenhändlerin, die extra zu ihm gekommen ist, um sich für die RBC-Aktion zu bedanken.

„So muss es sein“, sagt Rico Körnig, der Ideengeber. „Wir leben in einer Kleinstadt. Bisher hat man uns als Verein geholfen. Jetzt konnten wir mal was tun und zurückgeben.“

Dank gab es auch vom für den Sport in der Stadt zuständigen Zweiten Bürgermeister Winfried Lehmann (CDU). Die RBCler sind zudem mit der guten Idee für den sächsischen Ehrenamtspreis vorgeschlagen. Ob es was damit wird, ist Rico Körnig und Uwe Kunzak nicht ganz so wichtig. „Die Hauptsache, wir haben was Gutes und Nützliches auf die Beine gestellt.“

Die Seite soll bleiben. Es gibt Gespräche mit den Wirtschaftsfördern im Rathaus und der Werbegilde, wie sie weiter genutzt werden oder gar ausgebaut werden könnte. Und vielleicht kommen - wenn es wieder möglich ist - alle, die von der Seite was hatten, auch mal ins Stadion. „Das würde uns sehr freuen, sagen der Trainer und der Kassenwart vom RBC.

www.radebeul-hilft-radebeul.rbc08.de

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