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Sie hält das Büro der Kirche am Laufen

Wir stellen in einer neuen Serie Menschen vor, die oft im Hintergrund stehen. Heute: Annegret Holder.

Annegret Holder liebt ihre abwechslungsreiche Tätigkeit, zu der auch die Gestaltung des Schaukastens vor der Johanneskirche gehört. Leider sind die hier noch beworbenen Veranstaltungen zum Opfer gefallen.
Annegret Holder liebt ihre abwechslungsreiche Tätigkeit, zu der auch die Gestaltung des Schaukastens vor der Johanneskirche gehört. Leider sind die hier noch beworbenen Veranstaltungen zum Opfer gefallen. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Ein früher Montagmorgen vor nicht allzu ferner Zeit, an dem das Thema Coronavirus in Hoyerswerda noch keine große Rolle spielt: Das Kirchenbüro der Hoyerswerdaer Johanneskirche am Kirchplatz 1 hat normal geöffnet. Hier werden Besucher von Annegret Holder empfangen. Ein sehr angenehmes Gefühl des Willkommenseins scheint mich förmlich zu ummanteln, gepaart mit herzlicher Aufmerksamkeit, die mir schnell den Eindruck vermittelt, dass ich und mein Anliegen in diesem Moment für Annegret Holder das Wichtigste sind.

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Es sind genau jene Empfindungen, von denen Diakon Torsten Vogel später berichten wird und die er an der 61-Jährigen so zu schätzen weiß. „Es ist ihre stetige Präsenz im Hintergrund. Sie hat immer ein offenes Ohr und vermittelt das Gefühl, dass sie auf die unterschiedlichen Anliegen der Besucher förmlich nur gewartet hat, um sie zu lösen.“ Kaum etwas werde von Annegret Holder vergessen. Auch bei schwierigen Dingen behalte sie immer den notwendigen Überblick. Dabei verliere sie auch in angespannten Situationen nie ihren Humor, sei stets freundlich und fröhlich. Sie habe das Herz am rechten Fleck, transportiere die unterschiedlichsten Anliegen verständlich an die Adressaten und vermittle im besten Sinne auch in brenzligen Situationen mit einer unverwechselbar mütterlichen und sehr verständnisvollen Art.

Kompetent, herzlich und hilfsbereit

„Wenn sie eine Woche Urlaub macht, hat man förmlich das Gefühl einer «Lähmung» im Kirchenbüro. Sie ist einfach der gute Geist im Hintergrund, den man nie missen möchte“, postuliert Torsten Vogel und dürfte damit nicht allein stehen.

Das Telefon klingelt. Annegret Holder entschuldigt sich für die spontane Unterbrechung und gibt dem ratsuchenden Mann am Ende der anderen Leitung die erwünschte Hilfestellung. Kompetent, herzlich und hilfsbereit vermittelt sie ungefragt auch gleich noch den so wichtigen Kontakt zur jeweils für das Anliegen zuständigen Verwaltung. Sie weiß aus dem Stegreif, welche bürokratischen Hürden heute des Öfteren genommen werden müssen, um zum Ziel gelangen zu können. Ein liebes Wort zum Abschied – und der Mann scheint sehr zufrieden zu sein.

Freud und Leid liegen bei der 61-Jährigen im Berufsalltag eng beieinander. Ist sie doch neben der bürokratischen Arbeit auch erste Ansprechpartnerin bei Geburten, Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten – aber eben auch bei Trauerfeiern und Beerdigungen. Alles Geschichten, die das normale Leben schreibt und die Annegret Holder auch schon mal zu Tränen der Freude oder des Mitleids rühren.

Im November dieses Jahres kann die 61-Jährige aus Seidewinkel auf ihr 25-jähriges Berufsjubiläum bei der evangelischen Kirchgemeinde der Hoyerswerdaer Altstadt zurückblicken.

Die gelernte Großhandelskauffrau war zu DDR-Zeiten in einem Landwirtschaftsbetrieb tätig. Nach der Wende kam ihr als junger Mutter die damals ausgeschriebene Stelle bei der Kirche sehr gelegen. Sie hat in ihrem Berufsalltag schon einige Pfarrer kommen und gehen sehen. Mit jedem einzelnen veränderte sich auch ein bisschen ihr Arbeitsalltag. Waren dem einem Geistlichen Stift und Papier heilig, sind dem anderen Pfarrer Computer und moderne Dateisysteme sehr wichtig.

„Heutzutage muss man viel Zeit und Aufwand für gesetzliche Bestimmungen wie Datenschutz oder in den elektronischen Postverkehr investieren. So ändern sich die Zeiten“, weiß Annegret Holder, die ihren Job trotz aller bürokratischen Veränderungen wie am ersten Tag liebt. Ihre Tätigkeit, zu der auch das Erstellen von Statistiken und Kassenabrechnungen gehört, sei schon immer sehr vielfältig gewesen. Aber eines habe sich im Laufe der Jahre nie verändert: der Stellenwert des ihr so wichtigen Kontaktes und des Umganges mit Menschen. Angefangen von Mitgliedern der Kirchgemeinde bis hin zu Touristen und Besuchern aus der Region, Konzertbesuchern sowie Schülern – Annegret Holder ist im Kirchenbüro an drei Tagen in der Woche Ansprechpartnerin für jede Generation und nahezu (fast) jedes Anliegen. Gleichzeitig kümmert sie sich um all die so wichtigen Details, die Pfarrer Heinrich Koch den Rücken im Alltagsgeschäft frei halten.

Aber das sei doch alles gar nicht so nennenswert – weil es doch einfach ihr Job sei, wiegelt Annegret Holder ein bisschen ab. Im selben Atemzug kommt die 61-Jährige auf die vielen ehrenamtlichen Helfer zu sprechen, die ihre freie Zeit für das Gemeinwohl opfern. Sie nennt Namen wie den von Gisela Tielsch, die große Unterstützung in Postbelangen leistet.

Oder den von Frank Handschag: Der Senior war vor der Corona-Krise der einzige ehrenamtliche Mitarbeiter, der an einigen Tagen das Angebot der offenen Kirche im Gotteshaus an der Kirchstraße ermöglichte. Und wieder ist es das große Ganze, das bei Annegret Holder im Mittelpunkt steht. Torsten Vogel formuliert es abschließend so: „Mehr solche Menschen – das würde unsere Welt noch schöner und das Miteinander einfacher machen.“

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