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Kamenz

Sie kämpfen zur Landtagswahl um Stimmen

Wer steht auf der Liste für die Landtagswahl im Wahlkreis 54? SZ stellt die Kandidaten vor.

Die Landtagskandidaten im Wahlkreis 54.
Die Landtagskandidaten im Wahlkreis 54. © Montage: SZ

Wer macht künftig in Sachsen Politik? Am 1. September werden die Wähler darüber entscheiden. Wer in Lauta, Wittichenau, Bernsdorf, Oßling, Königsbrück, Schwepnitz, Neukirch, Laußnitz, Ottendorf-Okrilla, Wachau und Radeberg wohnt, entscheidet sich mit seiner Erststimme für einen der sieben Direktkandidaten des Wahlkreises 54 (Bautzen 3). Zur Wahl stehen altbekannte, aber auch einige neue Gesichter. Die Sächsische Zeitung stellt die Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Wahlkreis hier näher vor.

Die Sorgen der Menschen ernst nehmen

Mathias Kockert tritt für die CDU an. Er will den ländlichen Raum stärken und besser anbinden.
Mathias Kockert tritt für die CDU an. Er will den ländlichen Raum stärken und besser anbinden. © CDU

Der 43-jährige Wittichenauer ist ein echter Quereinsteiger in die Politik. Als gelernter Bankbetriebswirt arbeitet er in einem Sparkassen-Vorstandsstab. Im Dresdner Landtag will er sich für eine Politik einsetzen, die die Sorgen der Menschen wirklich ernst nimmt, die den Dialog sucht und sich für einen stärkeren Zusammenhalt in der Gesellschaft einsetzt. „Dabei sind mir gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land wichtig. Insbesondere liegt mir die Verbesserung der Infrastruktur im ländlichen Raum am Herzen.“ Dazu gehören, eine höhere Landarztquote zur Verbesserung der medizinischen Versorgung, ein flächendeckendes Mobilfunknetz „auch abseits der Großstädte“ und insgesamt eine bessere Verkehrsanbindung per Straße und Schiene an den Ballungsraum Dresden.

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Weitere Ziele des Kandidaten, der auf der CDU-Landesliste auf Platz 40 steht, sind ein „intelligenter Energiemix“, der eine bezahlbare Versorgung sichert, eine gestärkte Polizei mit klaren Befugnissen, eine konsequente Strafverfolgung insbesondere mit klarer Kante gegen Extremismus und Radikalisierung. Die Oberschulen „als Bildungsweg der zukünftigen Praxiselite“ müssten gestärkt werden. Außerdem liegt dem Lausitzer auch die Regulierung der Wolfspopulation zum Schutz von Mensch und Nutztieren am Herzen, wie er sagt.

In seiner Freizeit schlägt sein Herz für die Familie und für das Ehrenamt. Dabei spielen die Traditionen und Bräuche seiner Heimatstadt, zum Beispiel der Wittichenauer Fasching aber auch Sport und Natur oder das Motorradfahren eine ausgleichende Rolle. (SZ)

Die Abgehängten wieder ankoppeln

Silvio Lang tritt für die Linke an. Er ist für den Kohleausstieg und für erneuerbare Energien.
Silvio Lang tritt für die Linke an. Er ist für den Kohleausstieg und für erneuerbare Energien. © privat

Der 35-jährige Dresdner arbeitet als Wahlkreismitarbeiter für die Partei Die Linke und ist damit trotz seiner jugendlichen Ausstrahlung schon sehr politikerfahren. Auch für ihn hat der Strukturwandel in der Lausitz große Priorität. Er ist für den Kohleausstieg „so schnell wie möglich“. Dafür sollte auf erneuerbare Energien gesetzt werden, insbesondere auf den Ausbau der Speichermöglichkeiten. Der Strukturwandel müsse gleichwohl die Beschäftigung der Menschen sichern. Diese sollten aber vor Ort mit entscheiden können, wohin die Fördermilliarden fließen sollen.

Der ländliche Raum brauche insgesamt viel mehr Gewicht im Land. „Die Abgehängten müssen wieder angekoppelt werden.“ Zum Beispiel durch eine bessere ÖPNV-Vernetzung mit den Metropolregionen, was „sinnvolle Pendelbeziehungen“ einschließe. „Arzt, Laden und Schule gehören in jedes Dorf, in jede kleine Stadt.“

Wichtig ist dem Kandidaten auch, etwas gegen den Mietenwahnsinn zu tun – über einen „Mietendeckel“. Er will den Lehrermangel im Freistaat bekämpfen und tritt strikt für längeres gemeinsames Lernen ein. Kitas müssten kostenlos sein. Die unmenschliche Abschiebepraxis müsse aufhören stattdessen bräuchte es eine echte Chance für die Integration. Lang möchte die antifaschistische Politik im Freistaat stärken und hier vor allem eine „kritische Erinnerungskultur“ etablieren.

Seine Freizeit ist Familienzeit, sagt er. Insbesondere interessiert er sich für Fußball. „Ich bin selbst Mitglied des Dresdner SC 1898 und spiele dort aktiv in der Mannschaft der über 35-Jährigen.“ (SZ)

Die Familien stärken

André Dubiel-Umlauft tritt für die SPD an. Bildung und Pflege sind seine Schwerpunkte.
André Dubiel-Umlauft tritt für die SPD an. Bildung und Pflege sind seine Schwerpunkte. © SPD

Der 33-jährige Großröhrsdorfer will sich vor allem für eine bessere und gerechtere Familienpolitik im Interesse der nachfolgenden Generationen einsetzen. Dazu gehört für ihn, dass Bildung nicht einkommensabhängig sein darf. „Sie beginnt im Kleinkindalter, und deshalb trete ich für die schrittweise Einführung der kostenlosen Kita-Betreuung im Freistaat ein.“ Er ist für die Gemeinschaftsschule. Hier sei man einen guten Schritt vorangekommen. Insgesamt, so der Sicherheitsmitarbeiter, gehe es um eine bessere Absicherung von Familien und Alleinerziehenden. „Denn genau diese Menschen sind täglich oft am Limit durch Arbeit und Kindererziehung, da dies ja zwei Full-Time-Jobs entspricht.“ Im Interesse der Familien tritt er auch für eine Mietpreisbremse ein.

Eine weitere Forderung des SPD-Direktkandidaten, der ansonsten auf Platz 56 der Landesliste chancenlos sein dürfte, ist die Besserstellung von Pflegekräften. „Denn gerade diese Menschen müssen endlich jene Anerkennung erhalten, die sie verdienen.“

Beim Thema Klimaschutz ist er für den Kohleausstieg, wenn die Alternativen der Energiegewinnung, also „Wasser, Wind und Sonne“ greifen. Er wünsche sich beim Thema Sicherheit ein strikteres Vorgehen gegen Hass-, Gewalt- und Drogenkriminalität. Und der ländliche Raum brauche mehr Aufmerksamkeit, insbesondere bei der ÖPNV-Anbindung.

In seiner Freizeit schlage sein Herz „ganz klar für meine Frau und meine drei wundervollen Töchter“. Aber auch für den „zauberhaften Freistaat“ mit all seinen Facetten in Sport und Kultur. (SZ)

Die Grenzen besser schützen

Timo Schreyer tritt für die AfD an. Er ist gegen den Kohleausstieg und für ein
sächsisches Pflegegeld.
Timo Schreyer tritt für die AfD an. Er ist gegen den Kohleausstieg und für ein sächsisches Pflegegeld. © AfD

Für den 54-jährigen Königsbrücker ist die innere Sicherheit in Sachsen das Hauptthema im Wahlkampf. Er setzt sich für einen besseren Grenzschutz auf der Basis der Dublin II-Regelungen und die konsequente Abschiebungen von Menschen ohne Bleiberecht ein. Dabei bleibe die schwierige Identitätsfeststellung der Migranten ein Problem, das gelöst werden müsse.

Der Dachdeckermeister will sich in der Bildungspolitik dafür einsetzen, dass in Sachsen ausgebildete Lehrer im Land bleiben und das Pädagogikstudium bis zum 2. Staatsexamen auf fünf Jahre gekürzt wird. Lehrer müssten ebenso wie Ärzte Anreize bekommen, sich im ländlichen Raum niederzulassen. Hier wäre auch der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs wichtig. „Wir brauchen schnellere Verkehrswege und insbesondere eine bessere Anbindung an die Landeshauptstadt, zum Beispiel durch den weiteren Ausbau der B 97.“

Für eine Mietpreisbremse ist der Kandidat nicht, sie schaffe keinen Wohnraum und sei lediglich ein „bürokratisches Monster“. Der aktuellen „Klimahysterie“ schließt sich Schreyer nicht an. Er sei gegen den Kohleausstieg, weil er nicht ausreichend wissenschaftlich begründet sei. Stattdessen plädiere er für einen Energiemix aus Gas, Kohle und regenerativen Trägern. Beim Thema Pflege ist er für ein sächsisches Pflegegeld, mit dem die häusliche Betreuung Bedürftiger abgesichert werden könnte.

In seiner Freizeit unternimmt er gern Gemeinsames mit seinen Kindern und Enkeln. Er interessiert sich für Architektur, Theater, Kino und Kabarett. Er hat einen Garten und ist Hobbyimker. (SZ)

Die Braunkohle-Sanierung vorantreiben

Jens Bitzka tritt für die Partei Bündnis 90/Grüne an. Der Strukturwandel in der Lausitz ist ihm wichtig.
Jens Bitzka tritt für die Partei Bündnis 90/Grüne an. Der Strukturwandel in der Lausitz ist ihm wichtig. © privat

Der 48-jährige Lautaer Jens Bitzka ist ein bekanntes Gesicht in Wahlkämpfen der Grünen. Und er will es erneut wissen. Zum wiederholten Mal tritt der Kreisvorsitzende der Grünen zur Landtagswahl an. Vor fünf Jahren hatte er als Direktkandidat zwar nur 3,4 Prozent der Stimmen geholt, aber jetzt darf auch er darauf hoffen, vom bundesweiten Aufschwung der Umweltpartei profitieren zu können. Der Abgeordnetenbüroleiter in Bautzen hat allerdings keinen Listenplatz inne, was es schwierig macht, in den Landtag einzuziehen.

Er tritt vor allem für eine nachhaltige Politik ein, wie er sagt. „Bei all unseren Aktivitäten und Entscheidungen müssen wir die fernen Auswirkungen beachten und dürfen dabei nicht die Chancen zukünftiger Generationen verbauen.“ Der Kohleausstieg ist dabei eine zentrale Forderung der Grünen seit Jahrzehnten. Man wolle auf Bundes- und Landesebene dafür kämpfen, dass der Strukturwandel noch eher erfolgreich ist. Erneuerbare Energien sollten soweit erschlossen werden, dass der nationale Kohleausstieg bis spätestens 2030 Realität werden könnte. Die Sanierung der Kohlegebiete müsse forciert werden – zum Beispiel in seiner Heimatregion Lauta, wo z.B. die Grube Erika, seit 1962 nicht mehr genutzt wird, aber immer noch Sperrgebiet ist. „Hier muss die Landesregierung endlich handeln.“

Für den ländlichen Raum ist der Ausbau der Infrastruktur im Interesse des öffentlichen Personen-nahverkehrs unumgänglich. Insbesondere wolle er sich weiterhin für mehr und bessere Radwege in der Region einsetzen.

In seiner Freizeit beschäftige er sich mit vielem – zum Beispiel Rad fahren, Gartenarbeit und Aktivitäten in Vereinen. (SZ)

Die Gängelung muss aufhören

Holger Zastrow tritt für die FDP an. Er will Menschen unterstützen, die nicht nur reden, sondern handeln.
Holger Zastrow tritt für die FDP an. Er will Menschen unterstützen, die nicht nur reden, sondern handeln. © FDP

Der 50-jährige Dresdner, Spitzenkandidat seiner Partei, will wieder in den Landtag. Allerdings müsste die FDP am 1. September die Fünf-Prozent-Hürde nehmen – die letzten Umfragen waren knapp. Der Inhaber einer PR-Agentur ist das mit Abstand bekannteste Gesicht der Direktkandidaten im WK 54, was ihm sogar Chancen auch bei der Erststimme einräumen könnte.

Zastrow ist Vollblut-Liberaler: „Ich trete für ein Land an, in dem nicht mehr so viel geredet, sondern gehandelt wird. Für Freiheit, Tatendrang und Vertrauen in Menschen, die selbst etwas unternehmen – und damit gegen Bürokratie, Bevormundung und Gängelung.“ Der Dresdner Stadtrat plädiert für ein enges Zusammengehen zwischen Stadt und Land. „Der Gegensatz ist nicht zu ertragen.“ Es reize ihn, jetzt auch nördlich von Radeberg aktiv zu werden. Dabei wolle er sich für beschleunigte Planungsprozesse einsetzen – insbesondere auch im Straßenbau. „Der Ausbau zum Beispiel der A4 zwischen Dresden und Bautzen dauert viel zu lange.“ Das allgemeine Misstrauen zwischen Investoren und Entscheidern in den Behörden müsse aufhören. Er warnt davor, am stabilen sächsischen Bildungssystem herumzudoktern. Die Aufstockung der Studienplätze sei richtig, wenn man gegen den Lehrermangel etwas tun wolle. Die Polizeipräsenz im Freistaat müsse verstärkt werden, kriminelle Asylbewerber seien konsequenter abzuschieben.

In der Freizeit schlage sein Herz für die Hofewiese in der Dresdner Heide und zuallererst für die Wirtin, seine Frau. Das seit 20 Jahren leerstehende Ausflugsziel werde wiederbelebt. „Ich fahre Mountainbike und Motorrad, bin gern in der Natur meiner Heimat und habe zuweilen etwas Fernweh.“ (SZ)

Den Strukturwandel als Chance sehen

Marcel Linack tritt für die Freien Wähler an. Er will mehr Einflussnahme der Bürger vor Ort.
Marcel Linack tritt für die Freien Wähler an. Er will mehr Einflussnahme der Bürger vor Ort. © privat

Der 40-jährige Eventmanager im Bergbaumuseum in Knappenrode ist in der Region geboren, aufgewachsen und in diese wieder zurückgekehrt. 2011 war er zum Beispiel in die Organisation des 20. Tages der Sachsen in Kamenz direkt involviert. „Der ländliche Raum liegt mir besonders am Herzen.“ Die Verbesserung der medizinischen Versorgung mit Ärzten und Pflegekräften sei hier besonders dringend. Dabei sieht er den aktuell geforderten Strukturwandel nicht nur als „große Herausforderung“, sondern auch als „riesige Chance für unsere Zukunft“. Mit den Zusagen des Bundes für die (ehemaligen) Kohleregionen böten sich einmalige Möglichkeiten. Dazu gehöre der Ausbau der Infrastruktur, insbesondere die bessere Anbindung an die Ballungszentren für den ÖPNV, aber auch der Ausbau des Bundesstraßennetzes. Landes- und Bundesbehörden „auf dem Land“ sowie Niederlassungen von großen Service-Unternehmen könnten wegfallende Arbeitsplätze auffangen, junges Wissen in der Region binden und die gesamte Wirtschaft nachhaltig stärken.

Als freier Wähler ist ihm die „direktere Einflussnahme der Bürger auf politische Entscheidungen“ besonders wichtig. Das dürfe nicht nur bei Wahlen gelten, sondern zum Beispiel auch bei Volksabstimmungen. „Eine ausgewogenere Mischung aus parlamentarischer, also repräsentativer, und direkter Demokratie ist umzusetzen.“

Marcel Linack ist verheiratet und hat drei Kinder. In seiner Freizeit schlägt sein Herz für die Familie und die Region. „Für die nachfolgenden Generationen brauchen wir eine gesunde Umwelt.“ (SZ)

Diese Gemeinden (grün) gehören zum Wahlkreis 54.
Diese Gemeinden (grün) gehören zum Wahlkreis 54. © SZ-Grafik/Romy Thiel

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