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Sie kämpfen zur Landtagswahl um Stimmen

Zur Landtagswahl im Wahlkreis 52/Bautzen 1 treten sieben Direktkandidaten an. SZ stellt sie vor.

Diese Kandidaten aus dem Wahlkreis 52/Bautzen 1 wollen in den Landtag.
Diese Kandidaten aus dem Wahlkreis 52/Bautzen 1 wollen in den Landtag. © Montag: SZ

Wer macht künftig in Sachsen Politik? Darüber entscheiden die Wähler am 1. September. Wer in Bischofswerda, Burkau, Großharthau, Frankenthal, Rammenau, Demitz-Thumitz, Göda, Schmölln-Putzkau, Neukirch, Steinigtwolmsdorf, Wilthen, Obergurig, Großpostwitz, Schirgiswalde-Kirschau, Sohland oder Cunewalde wohnt, entscheidet sich mit seiner Erststimme für einen der sieben Direktkandidaten des Wahlkreises 52/Bautzen 1. Zur Wahl stehen altbekannte, aber auch einige neue Gesichter. Die SZ stellt sie vor.

Für einen starken ländlichen Raum

Patricia Wissel tritt
für die CDU an. Sie setzt sich besonders für den ländlichen Raum ein.
Patricia Wissel tritt für die CDU an. Sie setzt sich besonders für den ländlichen Raum ein. © SZ/Uwe Soeder

Bereits seit 2009 vertritt Patricia Wissel als direkt gewählte Abgeordnete die Oberlausitz im sächsischen Landtag. Sie versteht sich vor allem als Streiterin für die ländliche Region. Bis heute lebe sie gern in ihrem Heimatort Neukirch, sagt die 43-Jährige.

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Zur Politik kam die gelernte Bürokauffrau als Quereinsteigerin. Ihr beruflicher Weg begann beim Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit in Bischofswerda, später war sie in der Öffentlichkeitsarbeit und in Abgeordnetenbüros in Land- und Bundestag tätig. Nun tritt sie zum dritten Mal zur Landtagswahl an. Auch künftig wolle sie sich vor allem für die Sicherung von Standortfaktoren im ländlichen Raum einsetzen. Sie nennt unter anderem Schule und Kita, Unterstützung von Wirtschaft und Handwerk, Verbesserung des Schienen- und Busverkehrs, Hochwasserschutz, medizinische Versorgung, Pflege sowie Kultur- und Vereinsleben. Zu diesen Themen hat sie in den vergangenen beiden Legislaturperioden in ihrem Wahlkreis oft das Gespräch mit Bürgermeistern, Unternehmern, Handwerkern, Vertretern von Schulen und Kitas, der Freiwilligen Feuerwehren, Pflegeeinrichtungen, Trägern der Kinder- und Jugendarbeit und Vereinen gesucht.

Ehrenamtlich engagiert sich Patricia Wissel als Vorsitzende des Vereins „Landurlaub in Sachsen“ für die Förderung des Tourismus im ländlichen Raum. Sie ist Schirmherrin der Regionalliga-Frauenmannschaft des Bischofswerdaer Fußballvereins BFV 08 und Mitglied im Förderverein der Feuerwehr Wilthen. In der Freizeit kocht und wandert sie gern. (SZ/MSM)

Für kostenloses Essen in Kitas und Schulen

Felix Muster tritt für die Linke an. Er will sich dafür einsetzen, dass die Region nicht ausstirbt.
Felix Muster tritt für die Linke an. Er will sich dafür einsetzen, dass die Region nicht ausstirbt. © Die Linke Sachsen

Junge Menschen und Familien zu bewegen, in der Region zu bleiben oder hierher zu ziehen, nennt Felix Muster als sein wichtigstes politisches Ziel. Der 38-Jährige aus Sohland tritt zur Landtagswahl im Wahlkreis 52 für Die Linke an – wie schon vor fünf Jahren. Damals kam er hinter CDU-Frau Patricia Wissel auf 20 Prozent der Erststimmen.

Felix Muster hat in Tharandt Forstwissenschaften studiert. Seit 2010 arbeitet er für verschiedene Landtags- und Bundestagsabgeordnete der Linken in der Region, zuletzt im Bautzener Wahlkreisbüro von Heiko Kosel. Zudem ist er ehrenamtlicher Geschäftsführer des Linken-Kreisverbandes Bautzen. Seiner Partei hält er schon seit 2001 die Treue. Der völkerrechtswidrige Krieg im Nahen Osten und die Beteiligung Deutschlands seien für ihn Anlass gewesen, in die damalige PDS einzutreten, erklärt er. Diese Entscheidung habe er nicht bereut, da Die Linke bis heute die einzige Partei sei, „die sich klar gegen Kriegshandlungen stellt“.

Auf landespolitischer Ebene will sich der Vater dreier Töchter im Alter von drei, sieben und elf Jahren unter anderem für kostenloses Mittagessen an Krippen, Kitas und Schulen und die Abschaffung der Kita-Elternbeiträge einsetzen. Ebenfalls wichtig seien ihm die gute Finanzierung von Schulsozialarbeit und Jugendzentren, eine bürgernahe Polizei mit kurzen Einsatzzeiten sowie die Förderung von Ärztehäusern und ergänzender Telemedizin. Zudem setzt er auf eine stärkere Ausrichtung auf ökologischen Landbau. In der Freizeit fährt er gern Rad, unternimmt Ausflüge mit der Familie und werkelt am Haus und im Garten. (SZ/MSM)

Für zukunftsorientierte Ideen

Anja Hennersdorf tritt für die SPD an. Die größte Herausforderung unserer Zeit sieht sie als Chance.
Anja Hennersdorf tritt für die SPD an. Die größte Herausforderung unserer Zeit sieht sie als Chance. © SZ/Uwe Soeder

Mitgestalten und sich einbringen, das habe sie schon immer gewollt, sagt Anja Hennersdorf. Seit ihrer Jugend engagiere sie sich in Vereinen. Aktiv in die Politik zu gehen, dafür gab aber erst eine Erfahrung von 2015 den Anstoß. Damals half sie einer syrischen Familie, in Bautzen anzukommen. Vom heftigen Widerstand in der Gesellschaft sei sie überrascht gewesen, sagt die 42-Jährige, die aus Görlitz stammt, große Teile der Kindheit im Ausland verbracht und im Saarland studiert hat. Sie habe sich „hier klar und sichtbar positionieren“ wollen – zunächst als Patin einer „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ und im Vorstand des Bautzener Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt. 2016 trat sie in die SPD ein, seit März 2018 leitet sie den Ortsverein Bischofswerda und Umgebung. Anja Hennersdorf ist in Bautzen als Rechtsanwältin tätig. Sie hat einen 14-jährigen Sohn, ist verheiratet und in der Oberlandstadt Schirgiswalde-Kirschau zu Hause. In der Freizeit beschäftige sie sich „gern mit Menschen und Dingen, die meinen Horizont erweitern“.

Als größte Herausforderung sieht sie den Wandel mit Veränderungen in der Arbeitswelt, der Bildung und Ausbildung und der Energiewirtschaft. „Mein politisches Ziel ist es, dies als Chance zu begreifen.“ Dabei liege ihr besonders der ländliche Raum am Herzen. „Ich möchte nicht, dass Ängste unsere Zukunft bestimmen.“ Vielmehr wolle sie gemeinsam mit engagierten Menschen mutige zukunftsorientierte Ideen voranbringen. Dafür müsse die Politik die Voraussetzungen, vor allem aber mehr Transparenz und Mitbestimmungsmöglichkeiten schaffen. (SZ/MSM)

Für die weitere Nutzung der Braunkohle

Frank Peschel tritt für die AfD an. Er ist gegen den Kohleausstieg und für ein Baby-Begrüßungsgeld.
Frank Peschel tritt für die AfD an. Er ist gegen den Kohleausstieg und für ein Baby-Begrüßungsgeld. © SZ/Uwe Soeder

Für die AfD möchte Frank Peschel das Direktmandat im Wahlkreis 52 erringen. Sollte ihm das nicht gelingen, hat er trotz des Debakels um die AfD-Landesliste gute Chancen, in den sächsischen Landtag einzuziehen. Denn er steht, auf Listenplatz 12. Bei der Wahl zum Bautzener Kreistag war er im Mai hingegen gescheitert.

Der 44-Jährige stammt aus Pirna, ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Er hat in Dresden Wirtschaftswissenschaften und -geschichte studiert. Peschel ist Inhaber der Lausitzer Verlagsanstalt in Bautzen und als Pressereferent der AfD-Landtagsfraktion unter anderem für deren Blaue Post zuständig. Frank Peschel war von 2007 bis 2011 Mitglied der CDU, aus Unzufriedenheit mit deren Bundespolitik sei er 2016 in die AfD eingetreten. Er spricht sich unter anderem dafür aus, dass in Sachsen ein Baby-Begrüßungsgeld in Höhe von 5 000 Euro eingeführt wird, und für ein kostenloses ÖPNV-Ticket für Schüler, Lehrlinge und Rentner. Als weitere Forderungen nennt er unter anderem Bürokratieabbau und „ideologiefreie Förderung von Jugendangeboten“. Bereits im Kreistagswahlkampf hatte er vorgeschlagen, die Förderung für das Bautzener Steinhaus zu streichen und zur Finanzierung eines kostenlosen Bustickets für Grund- und Oberschüler einzusetzen. Allerdings fällt der städtische Zuschuss für das Steinhaus überhaupt nicht in die Zuständigkeit des Kreistages.

Beim Wahlforum im Juli in Cunewalde plädierte Peschel für ein längeres Festhalten an der Braunkohle. Zudem forderte er, alle ausreisepflichtigen Ausländer sofort abzuschieben. (SZ/MSM)

Für den Erhalt der Heimat

Walter Senft tritt für die Freien Wähler an. Er will vor allem die Generation 65+ vertreten.
Walter Senft tritt für die Freien Wähler an. Er will vor allem die Generation 65+ vertreten. © privat

Für Politik ist man nie zu alt – das will Walter Senft aus Neukirch beweisen. Als mit Abstand ältester Kandidat im gesamten Landkreis Bautzen tritt der 89-Jährige als Direktkandidat im Wahlkreis 52 für die Freien Wähler an. Er habe sich bisher für keine Partei politisch betätigt, betont Senft. Aber nun wolle er der älteren Generation, die keine Lobby habe, eine Stimme geben. Immerhin sei eine halbe Million Sachsen über 65 Jahre alt.

Senft stammt aus Heidelberg, nach der Wende hat es ihn in die Oberlausitz verschlagen. Der Witwer hat drei Ehefrauen überlebt, er hat sechs Kinder und 14 Enkel, die fast alle im Ausland leben. Als Hobbys nennt der gelernte Fernmeldetechniker Bücher, Filme, Musik – und unter Menschen zu sein. Er komme eigentlich mit allen Menschen gut klar und wolle auch seinen Altersgenossen zeigen: „Das Leben liegt immer vor uns.“ Er gehöre noch zu denen, die Krieg erlebten, kommenden Generationen „möge diese Erfahrung erspart bleiben“.

Einsetzen wolle er sich für einen besseren Umgang der politischen Verantwortungsträger untereinander. Sie sollten nicht immer die Fehler bei anderen suchen, sondern prüfen, was sie gemeinsam im Sinne des Landes und seiner Bürger richtig machen können. Vor allem sollten sie Sorge dafür tragen, dass Menschen ab einem gewissen Alter ein gewisses Grundeinkommen ohne bürokratische Hürden haben und von Papierkrieg weitgehend verschont bleiben. Damit so sichergestellt werde, dass gemäß Grundgesetz ihre Würde nicht verloren geht. Der Energiewende und neuen Technologien wie dem Mobilfunkstandard 5 G steht er mit Verweis auf Gesundheitsgefahren kritisch gegenüber. (SZ/MSM)

Für einen starken Mittelstand

Sirko Rosenberg tritt für die FDP an. Er will mehr Freiräume für die Wirtschaft.
Sirko Rosenberg tritt für die FDP an. Er will mehr Freiräume für die Wirtschaft. © SZ/Uwe Soeder

Mehr Freiheit, weniger Bürokratie. Das ist die Devise von Sirko Rosenberg, der im Wahlkreis 52 als Direktkandidat für die FDP antritt. Und die verfolgt der 44-Jährige vor allem mit Blick auf die Wirtschaft, insbesondere den Mittelstand. Den zu stärken, ist sein Hauptanliegen. Wenig verwunderlich, schließlich arbeitet er zusammen mit seinem Vater für den Kreisverband Oberlausitz des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW).

Sirko Rosenberg stammt aus Weißwasser, hat dort Einzelhandelskaufmann gelernt und sich 1994 mit einer Veranstaltungsagentur selbstständig gemacht. Seit 1999 kümmert er sich in Bautzen um die Interessen von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die wollte er auch im Bautzener Stadtrat vertreten, für den er zur Kommunalwahl im Mai kandidierte, er schaffte den Einzug aber nicht. Warum er sich politisch engagiert, erklärt Sirko Rosenberg so: „Nach der Bundestagswahl 2013 bin ich Mitglied der FDP geworden, um dem Zurückdrängen der Freiheit in Deutschland entgegenzuwirken und dem Mittelstand besser Gehör zu verschaffen.“ Rosenberg ist Mitglied im FDP-Kreisvorstand Bautzen, stellvertretender Vorsitzender im Regionalverband sowie Vorsitzender des Landesfachausschusses Wirtschaft, Gründergeist und Finanzen. Außerdem gehört er dem Vorstand der Vereinigung Liberaler Mittelstand Sachsen an.

Im Landtag möchte er sich für die Förderung von Forschung und Entwicklung und die Schaffung von mehr Freiräumen für neue Geschäftsmodelle einsetzen. „In Sachsen sollen starke Hidden Champions entstehen.“ Dabei handelt es sich um Firmen, die sich auf Weltniveau erfolgreich in ihrer jeweiligen Nische behaupten. (SZ/MSM)

Für bessere Bildung

Dr. Peter Jahn-Bresan tritt für die Grünen an. Wichtig ist ihm die ausgewogene Bewertung der Historie.
Dr. Peter Jahn-Bresan tritt für die Grünen an. Wichtig ist ihm die ausgewogene Bewertung der Historie. © privat

Als Kandidaten-Neuling bezeichnet sich Dr. Peter Jahn-Bresan, der im Wahlkreis 52 für Bündnis 90/Die Grünen antritt. Etwas kommunalpolitische Erfahrung hat der 58-Jährige aus Obergurig aber schon. Für die Grünen saß er in den vergangenen drei Jahren im Bautzener Kreistag. Als Ersatzkandidat war er 2016 für eine ausgeschiedene Kreisrätin nachgerückt. Bei der Kommunalwahl im Mai schaffte er den Einzug in den Kreistag aber nicht.

Peter Jahn-Bresan ist studierter Ethnograf und Historiker mit Schwerpunkt sorbische und sächsische Sozialgeschichte der Frühen Neuzeit. Zurzeit betätigt er sich jedoch als Hausmann und Gärtner, möchte aber demnächst wieder zur Geschichte und Ethnologie publizieren. Peter Jahn-Bresan ist verheiratet und Vater dreier Kinder im Alter von 30, 15 und acht Jahren. Zur aktiven Parteimitgliedschaft bei den Bündnisgrünen sei er durch eine gute Freundin gekommen, „die der Meinung war, dass ich in deren Profil passe und auf Grund des hiesigen Personalmangels für die Kommunalwahl kandidieren sollte“. Das war vor über fünf Jahren. Mittlerweile arbeite er auf Landesebene in der Arbeitsgemeinschaft „Sorbisches Leben“ mit.

Sein wichtigstes Ziel bestehe darin, etwas zur politischen und historischen Aufklärung beizutragen, so Jahn-Bresan. Ihm sei eine ausgewogene Bewertung der deutschen Geschichte wichtig. Deshalb setze er sich für entsprechende Bildung ein. Er könne sich auf Landesebene eine Koalition mit CDU und SPD vorstellen. „Mit den geistigen Erben der Kommunisten wüsste ich so wenig wie mit denen der Nationalsozialisten zu regieren.“ (SZ/MSM)

Diese Gemeinden (grün) gehören zum Wahlkreis 52/Bautzen 1.
Diese Gemeinden (grün) gehören zum Wahlkreis 52/Bautzen 1. © SZ-Grafik/Romy Thiel

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