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Sie tanzen heute Abend in Dresden

Wenn sich um 19 Uhr die Tore der Semperoper zum zehnten Ball öffnen, sind sie dabei: vier Gymnasiasten aus Großenhain.

© Anne Hübschmann

Von Catharina Karlshaus

Zurück in die Heimat!

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Königin Silvia von Schweden war bereits da. Der ehemalige Außenminister Hans Dietrich Genscher und Fußballer Michael Ballack auch, Schlagerstar Helene Fischer sowieso, Altmeister Udo Jürgens im Vorjahr gerade noch rechtzeitig und Model Naomi Campel wird es heute Abend erst sein. Zum bereits zehnten Mal lädt dann nämlich die sächsische Landeshauptstadt zum traditionsreichen Opernball ein und rund 2 200 Gäste im weltberühmten Semperbau und 13 000 Menschen davor werden dem Spektakel folgen. Eines, auf das sich vier Großenhainer in den vergangenen Wochen ganz besonders vorbereitet haben. Isabel Türke und Josua Gutsche sowie Corinna Petermann und Jonathan Berndt. Die 17-jährigen Schüler aus Großenhain tanzen seit zwei Jahren miteinander und wollten unbedingt einmal in Dresden dabei sein. „Wir haben uns für das Vortanzen beworben und waren überglücklich, als es geklappt hat“, erinnert sich Isabel Türke.

Nun, die Chancen standen tatsächlich nicht allzu schlecht. Immerhin wurden die Vier in die Schritte der Profis von keiner Geringeren als Dorit Graf eingeweiht. Die „Gräfin“ – wie sie anerkennend in Fachkreisen genannt wird, – ist seit 41 Jahren als Lehrerin für Gesellschaftstanz tätig und schreibt mit ihrer Schule in Riesa bereits seit Generationen Erfolgsgeschichte. Nicht verwunderlich, dass in jedem Jahr zahlreiche Schüler von ihr als Debütanten auf dem inzwischen weltbekannten Dresdner Semperopernball tanzen.

Unter den 90 Paaren, die mindestens am sogenannten Gold-Kurs teilgenommen haben sollten, werden nun auch sie sein. Isabell, Josua, Corinna und Jonathan. Aufgeregt sind die vier Gymnasiasten, denn schließlich wäre es doch peinlich, würden die zahlreichen Fernsehkameras gerade einen Patzer von ihnen einfangen. „Es ist ein ganz besonderes Ereignis und das ist uns durchaus bewusst“, sagt Josua und lacht.

Kein Wunder also, dass der Zeitplan eng gesteckt ist. Am Montagnachmittag begannen bereits die Proben in der Coswiger Börse. Unter persönlicher Anleitung des Doppel-Weltmeister-Paares Sabine und Tassilo Lax bereiteten sich die Vier auf jene zehn Minuten vor, die heute Abend den glanzvollen Höhepunkt des alljährlichen Eröffnungsprogramms setzen werden. Hochkonzentriert wurde noch einmal jede Bewegung geprobt, schließlich soll jeder einzelne Schritt der tanzbegeisterten Mädchen und Jungen sitzen. Vom Unterricht haben sie sich heute vorsorglich freistellen lassen. Denn schließlich, so Corinna Petermann, dürften sie erst an diesem Vormittag das eigens für sie angefertigte Kleid abholen. Wie in all den Jahren zuvor vom Dresdner Modedesigner Uwe Herrmann angefertigt, ist es – passend zum Jubiläum – ein wahrer Traum in Gold. Mit seiner eleganten, opulenten Form in A-Linie ist die schulterfreie Robe immerhin mit gut 2 545 Pailletten und 189 von Hand aufgenähten Steine in Bernstein-Imitat besetzt. Drei Lagen goldener Tüll, eine Lage goldener Satin und drei Tüllunterröcke sowie ein Unterrock aus Satin sind zudem verantwortlich, dass sich Isabel und Corinna wahrlich wie Prinzessinnen fühlen dürfen. Das Angebot, die Kleider nach dem Ball kaufen zu können, haben sie selbstverständlich gern angenommen. Allerdings: „Die Kleider sind sehr eng auf Taille gearbeitet. Deshalb halten wir uns seit Weihnachten schon etwas mit dem Essen zurück“, bekennt Isabel. Ebenso wie die Eltern ihrer Freunde seien Mutter und Vater sehr stolz darauf, dass ihre Tochter beim Ball dabei sein wird. Alle fieberten regelrecht auf den Abend der Abende hin und seien auch nicht böse gewesen, wenn sie ihre Töchter und Söhne zum Training hätten schaffen müssen.

Dass der jeweils männliche Part der beiden sympathischen Paare nun so viel entspannter sein soll, als ihre hübschen Tänzerinnen, ist im Übrigen nicht zu bemerken. Josua und Jonathan sorgen sich augenscheinlich nicht nur um das Wohl ihrer beiden jungen Damen, sondern erlegten sich selbst auch Sportverbot auf, um mit keiner Verletzung die Teilnahme am Ball zu gefährden. 180 Schritte in der Minute müssen immerhin beim klassischen Wiener-Walzer-Rhythmus eins-zwei-drei und dem linken oder rechten Drehen zurückgelegt werden. Nur noch ein paar Stunden, dann wird es wirklich so weit sein. Isabel, Corinna, Josua und Jonathan werden auf der Bühne stehen und in einer gewiss wieder atemberaubenden Choreographie über das Parkett gleiten. Den Rücken kerzengerade, eng zusammenstehend, in goldenem Kleid und schwarzen Smoking. Ein kleiner Traum wird für sie in Erfüllung gehen, wenn „Dresden die Welt willkommen heißt“ und bis zum frühen Morgen getanzt wird. Einmal im Jahr, in den geschichtsträchtigen Sälen, die für vier Großenhainer an diesem Freitagabend die Welt bedeuten.

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