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Sie wollen Bautzens Geschäfte retten

Wegen der Corona-Krise sind viele Laden-Inhaber in Not. Zwei Stadträtinnen wollen helfen - und haben eine Idee, wie das jeder tun kann.

Monika Vetter (l.) und Katja Gerhardi haben in Bautzen eine Initiative gestartet, um den Einzelhändlern in der Stadt zu helfen.
Monika Vetter (l.) und Katja Gerhardi haben in Bautzen eine Initiative gestartet, um den Einzelhändlern in der Stadt zu helfen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Jedes vierte Geschäft, so hat eine Studie des Instituts für Handelsforschung in Köln (IFH) ergeben, könnte bis 2030 schließen. Nicht nur wegen Corona, doch auch die Virus-Krise setzt dem Handel zu. „Das würde mir sehr leid tun“, sagt Katja Gerhardi, „und außerdem: Wer will schon in einer toten Stadt wohnen?“ Mit Monika Vetter läuft die 49-Jährige durch Bautzen und schaut sich um. Einige Geschäfte haben Gitter heruntergelassen, in anderen ist lediglich das Licht ausgeschaltet. Gemeinsam haben sie eines: Sie sind wegen der Corona-Krise allesamt geschlossen.

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Dass die Pandemie dem Handel zusetzt, das haben den beiden Stadträtinnen viele Bautzener Ladenbesitzer erzählt. „Wir wollten nicht mehr abwarten“, sagt Monika Vetter, „sondern losmachen.“ Katja Gerhardi erfuhr von einer Gutschein-Aktion in Görlitz, die den dortigen Geschäften helfen soll.  Und auch Monika Vetter überlegte, was sie tun könnte.

So fanden die beiden CDU-Stadträtinnen zusammen – und haben nun gemeinsam auch in Bautzen eine Spendenaktion gestartet. Unter dem Motto „Bautzen hilft. Einander.“ läuft jetzt ihre Kampagne auf der Internetplattform betterplace.me.

Geschäfte büßen viel Umsatz ein

Dort können die Geschäfte angeben, wie viel Geld sie benötigen, um über die Krise zu kommen. Unter der Schlagwortsuche „Bautzen“ finden die Bürger alle hilfesuchenden Läden aufgelistet. Sie können ihrem Lieblingsgeschäft mit einer Spende auf die Beine helfen, im Gegenzug können die Geschäfte kleine Geschenke oder Gutscheine anbieten. „Einigen Händlern fällt es schwer, auf Spendenbasis etwas anzunehmen“, erklärt Katja Gerhardi. „Sie können auf diese Weise auch etwas zurück geben.“

Die beiden haben viele Bautzener Händler angeschrieben. Die meisten sind zögerlich. „Viele sagen, einen Monat schaffen sie mit der Soforthilfe – aber dann wird es kritisch“, erzählt Monika Vetter. Beide Frauen wären froh, wenn die Geschäfte die Hilfe nicht bräuchten – wollen aber da sein, falls eben doch.

„Ja, es ist eine schwierige Lage“, sagt Susanne Richter von der Grünen Ecke in der Wendischen Straße. Weil sie das Bistro nicht mehr öffnen darf, würden etwa 50 Prozent ihres Umsatzes wegfallen. Sie hofft auf die Soforthilfe – will aber Privatleuten nicht auf der Tasche liegen. Und Maria Winkler vom neu eröffneten Waffelladen an der Seminarstraße sagt: „Klar ist das schwer.“ Sie habe für ihren Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt und greife erst einmal auf private Rücklagen zurück.

In Zukunft leere Straßen und abgeklebte Fenster?

Daniel Polenk vom Laden „Die Geschenk-Idee“ in der Inneren Lauenstraße hingegen hofft auf Spenden aus der Hilfsaktion – und bietet dafür Gutscheine oder Kräuterlikör. „Die Lage ist bescheiden“, sagt Polenk; er steht hinter seinem Tresen zwischen Schnaps, Wein und Oster-Schokoladen. Seine Schultern hängen, mit gesenktem Blick schiebt er eine Schokoladenkiste von rechts nach links, eine andere von links nach rechts. Dabei hat er es - und das betont er auch - sogar verhältnismäßig gut: Er darf öffnen – er hat eine Postannahmestation, einen Paketversand und zählt zum Lebensmittelhandel. „Aber ich bin auf der Straße auch der einzige – es kommt ja quasi niemand mehr.“

Etwa 85 Prozent weniger Umsatz mache er, der wichtige Oster-Umsatz breche weg. „Bei den anderen Geschäften fallen ja sogar 100 Prozent weg.“ Er habe Glück gehabt, konnte Bestellungen stornieren – sonst hätte er Waren im Wert von 10.000 Euro gehabt, für die Mülltonne. Miete, Versicherung – 1.700 Euro koste ihn das im Monat. Das ist die Summe, die er auch bei der Spendenaktion als Wunschvorstellung angegeben hat. An dem Geschäft hängt auch ein Mitarbeiter – er sorge sich um ihn.

Daniel Polenk darf sein Geschäft öffnen, weil er Lebensmittel verkauft. Dennoch, sagt er, brechen 85 Prozent seines Umsatzes weg.
Daniel Polenk darf sein Geschäft öffnen, weil er Lebensmittel verkauft. Dennoch, sagt er, brechen 85 Prozent seines Umsatzes weg. © SZ/Uwe Soeder

Die Situation, sagt Daniel Polenk, sollte allen zu denken geben. Die leeren Straßen, die verriegelten Geschäfte und dunklen Schaufenster. Er malt mit seinen Worten ein ähnliches Szenario, wie auch Gerhardi und Vetter es bereits getan haben. „Wenn jetzt noch die Fenster abgeklebt wären – so würde es aussehen, wenn wir keinen Einzelhandel mehr hätten in der Stadt.“

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Gedankenspiele, die auch Katja Gerhardi und Monika Vetter nicht kalt gelassen haben. Geschäfte, Leben in der Stadt – das ist wichtig, auch für den Zuzug von jungen Leuten, sind sie überzeugt. „Und wie schön wäre es“, sagt Monika Vetter, „wenn Bautzen dann noch behaupten könnte: Das haben wir zusammen geschafft. Weil wir zusammengestanden haben.“

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