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Siebenschläfer zu Besuch in der Küche

Ein Bilch überrascht eine SZ-Leserin. Die Jagd nach dem seltenen Nager gestaltet sich schwieriger als angenommen.

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Von Lars Kühl

Zwar gilt er im Elbsandsteingebirge nicht als verschollen wie sein kleinerer Artgenosse, der Gartenschläfer, dennoch ist eine Begegnung mit einem Siebenschläfer immer etwas Besonderes. Ihre Bestandszahl dürfte sich in der Sächsischen Schweiz nach Schätzungen der Nationalparkverwaltung nur knapp über 100Exemplaren bewegen.

Die schon fast volkssportmäßige Suche nach dem mausähnlichen Nager beschäftigt traditionell auch SZ-Leser. Helga Hauke aus Pirna schildert folgendes Ereignis, das sie am 14.Juli erlebt hat: Als Helga Hauke ins Wohnzimmer kam, wunderte sie sich, dass Dinge auf dem Boden lagen, die eigentlich auf dem Fensterbrett stehen sollten. „Wir hatten wegen der Hitze nachts die Balkontür auf“, erinnert sie sich. „Nach dem Frühstück bemerkte ich in zwei Tomaten kleine Löcher, die ich mir nicht erklären konnte.“ War über Nacht etwa ein ungebetener Gast auf dem Grundstück unterwegs gewesen?

Die Obstschale stand jedenfalls wie immer auf der Mikrowelle in der Küche, neben der Durchreiche. „Beim Geschirrabräumen sahen mich plötzlich schwarze Knopfaugen an“, schildert Helga Hauke. „Anfangs dachte ich an eine Ratte. Doch der buschige Schwanz verriet den Siebenschläfer.“ Helga Hauke rief nach ihrem Mann, doch der Bilch flitzte über die Mikrowelle in die Dunkelheit hinter dem Hängeschrank und war natürlich weg.

Eine Stunde Jagd nach Bilch

Was tun? Ihm eine Lebendfalle stellen? Die kontaktierte Zoohandlung und das Tierheim konnten jedenfalls nicht weiterhelfen. Doch der Hausverwalter versprach, sich darum zu kümmern. „So kam ein Mann mit einer großen Tüte und einem großen Handschuh“, erzählt die Pirnaerin. „Nach der Ortung des Tieres begannen wir, mit einer Flaschenbürste das Tier rauszukriegen.“ Doch der Siebenschläfer fauchte und knurrte und war mit dem „Fangespiel“ ganz und gar nicht einverstanden. Er sauste von der einen in die andere Ecke.

„Die Jagd dauerte eine Stunde“, sagt Helga Hauke. „Zweimal sprang er auf meinen Kopf, hinter den Kühlschrank und auch darunter.“ Dann verharrte der Bilch, in die Enge getrieben, in einer Ecke. Eher zufällig sprang er schließlich in die bereitgehaltene Tüte. „Ich war erleichtert“, erklärt Helga Hauke. Der Fänger schaffte den Siebenschläfer nach draußen, um ihm in einem Gebüsch wieder die Freiheit zu schenken. Drei Tage vergingen, alles war wieder ganz normal bei Haukes, keine Spur vom Bilch.

Über Balkon eingestiegen

Dann zog ein Gewitter auf, Helga Hauke stand am Fenster. Und machte eine ihr allzu bekannte Entdeckung: „Da flitzte doch unser kleiner Freund erneut im gegenüberliegenden Schnittgerinne entlang.“ Hinter den parkenden Autos fand er keinen Schutz mehr. Deshalb sprang er in Richtung Haustür. Helga Hauke fragte sich: „Sind nun die Hecke oder die offen stehenden Kellerfenster sein Ziel?“

Bei Haukes schaute der Siebenschläfer jedenfalls nicht noch einmal vorbei. „Wir wohnen im ersten Stock und vermuten, die offen stehende Balkontür war schuld an dem Besuch, den er uns abstattete“, erklärt Helga Hauke.