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Mittelsachsens Siedler bleiben zuhause

Das Corona-Ansteckungsrisiko unter den Hygienebedingungen beim historischen Besiedlungszug wäre zu hoch. Vielleicht gibt es einen kleinen Ersatz.

Schon 26 Mal zogen beim Historischen Besiedlungszug Männer, Frauen und Kinder durch die Region Mittelsachsen, um so zu leben, wie diejenigen, die 1156 dem Ruf Ottos von Wettin folgten und sich hierzulande niederließen.
Schon 26 Mal zogen beim Historischen Besiedlungszug Männer, Frauen und Kinder durch die Region Mittelsachsen, um so zu leben, wie diejenigen, die 1156 dem Ruf Ottos von Wettin folgten und sich hierzulande niederließen. © André Braun/Döbelner Anzeiger

Mittelsachsen. Rund 150 Männer, Frauen und Kinder aus ganz Sachsen und darüber hinaus haben seit 27 Jahren im Juli einen festen Termin im Kalender stehen. Mit ihrer Teilnahme am historischen Besiedlungszug durch Mittelsachsen schalten sie alljährlich eine Woche lang ab vom Alltag und stellen das Leben der bäuerlichen Neusiedler nach. Doch dieses Jahr ist alles anders.

Wegen Corona musst der Verein „Historischer Besiedlungszug A.D. 1156“, der die Veranstaltung organisiert, die Notbremse ziehen. „Wir werden den 27. Besiedlungszug aber im nächsten Jahr nachholen“, sagt Michael Ehnert, der als sogenannter Lokator (Anführer) einer der Organisatoren ist. Zu diesem Schritt habe sich der Vorstand am Sonntag während einer Videokonferenz entschlossen. 

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Es sei das erste Mal seit Bestehen des Vereins, dass ein Besiedlungszug abgesagt werden muss. „Wir bedauern das sehr, aber die Gesundheit geht vor“, so Ehnert. Hauptgrund sei die derzeit ungewisse Lage in Verbindung mit der Corona-Krise. „Wir haben keine Sicherheit, ob sich diese bis Juli so weit beruhigt hat, dass wir überhaupt eine Veranstaltung durchführen können“, erklärt er. 

Unklar sei auch, welche Auflagen der Verein hätte erfüllen müssen. „Mund-Nasen-Masken im Leinen-Stil wären da nur das geringste Übel gewesen“, so Ehnert. Er denkt dabei beispielsweise daran, dass den Siedlern in den Lagern nur kaltes Wasser und Dixi-Toiletten zur Verfügung stehen. „Wenn wir da eine Infektion reinbekommen, ist das Risiko hoch, dass sich viele Leute anstecken.“

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Wegen der seit dem 23. März verhängten Ausgangsbeschränkungen seien zudem die Vorbereitungen, die jetzt eigentlich in die heiße Phase gehen müssten, erheblich ins Stocken geraten. Während der Arbeitseinsätze werden beispielsweise Reparaturen an Planwagen vorgenommen. „Es ist fraglich, ob wir das überhaupt wieder aufgeholt hätten“, sagt der Lokator. 

Denkbar sei aber vielleicht ein kleines Siedler-Wochenende. Ob es dieses geben kann, hänge allerdings von der Entwicklung der Corona-Lage ab. „Erst wenn sich die Wogen geglättet haben, können wir da eventuell genauer planen“, so Ehnert.

Die Vorbereitungen für die Strecke, die die Siedler in diesem Jahr zurücklegen wollten, waren dagegen schon relativ weit fortgeschritten. Die sollte von Sachsenburg aus über Wechselburg, Altgeringswalde, Grünlichtenberg, Roßwein und Bräunsdorf wieder zurück nach Sachsenburg führen. Geplant war der Besiedlungszug für den Zeitraum vom 18. bis 26. Juli. „Wir hoffen, dass alle Gemeinden mitmachen und wir im nächsten Jahr zu ihnen kommen dürfen“, so Michael Ehnert.

Keine Förderung für entstandene Kosten

Aus heutiger Sicht sei es geplant, dass die Sieder im kommenden Jahr vom 24. Juli bis 1. August ihren Weg antreten und zwar auf der für dieses Jahr geplanten Streckenführung.Die Teilnehmerbeiträge, die bereits eingezahlt worden sind, erhalten die Siedler zurückerstattet. 

„Wir freuen uns aber auch, wenn diese uns als Spende zur Verfügung gestellt werden. Als Verein erhalten wir leider keinerlei Förderung für die bereits entstandenen Kosten, die nun durch den Ausfall der Veranstaltung nicht eingespielt werden können.“ Geld benötigt der Verein unter anderem für die Instandhaltung der mittelalterlichen Gerätschaften und in erster Linie der historischen Planwagen.

Die Siedler gehen mit dem historischen Besiedlungszug bereits seit 26 Jahren auf Tour durch die Region Mittelsachsen. Geschichtlicher Hintergrund ist die auf den Ruf Ottos von Wettin im Jahr 1156 erfolgte Besiedlung der Region durch Franken, Thüringer, Sachsen, Niedersachsen und Flamen. 

Die Veranstaltung, bei der die Siedler im Tross mit Planwagen, Pferden, Eseln und anderen Tieren unterwegs sind, ist deutschlandweit einmalig. Sie wird vom Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen unterstützt und ist ein Bestandteil des Mittelsächsischen Kultursommers.

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