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Siegen lernen

Unabhängig vom Ausgang der EM machen die erfrischenden Auftritte der deutschen Handballer Mut für die Zukunft.

© picture alliance / dpa

Von Christoph Stukenbrock

Veselin Vujovic murmelte die Erkenntnis der ersten EM-Woche fast beiläufig vor sich hin. „Die deutsche Mannschaft hat eine große Zukunft“, sagte der Trainer der Slowenen missmutig, nachdem seine schlachtenerprobten Profis vom jungen deutschen Team erstaunlich souverän bezwungen worden waren. Dagur Sigurdsson musste schmunzeln, der Isländer weiß um die prächtigen Aussichten seines Teams.

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Für leidenschaftliche Sportler gilt: Es gibt kein schlechtes Wetter und auch nicht zu wenig Licht, nur falsche Kleidung.

„Wir haben eine sehr, sehr spannende Mannschaft“, sagte der Bundestrainer: „Es freut mich, dass das auch die anderen Trainer so sehen.“ Unabhängig vom Ausgang der Hauptrunden-Spiele von Breslau, die an diesem Abend mit der Begegnung gegen Ungarn (bei Redaktionsschluss dieser Seite noch nicht beendet) beginnen – Sigurdsson weiß: Der deutsche Handball ist auf dem richtigen Weg, die Vision der Verbandsoberen vom Olympiasieg 2020 nimmt deutlich sichtbare Konturen an. Allmählich scheint die Saat aufzugehen, die der Deutsche Handballbund (DHB) schon vor Jahren gesät hat. Junge, hungrige Spieler wie Torhüter Andreas Wolff (24), Rückraum-Riese Christian Dissinger (24) und Abwehrkante Finn Lemke (23) drängen ins Rampenlicht und sorgen schon jetzt bei der EM für Glanzlichter, die nach den vielen verletzungsbedingten Absagen im Vorfeld nicht für möglich gehalten worden sind.

„Dieses Team, diese Generation verspricht eine glänzende Zukunft und wird in absehbarer Zeit Medaillen gewinnen – da bin ich mir ganz sicher“, schrieb Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar in seiner Kolumne: „Vielleicht ist dieses Turnier noch ein bisschen früh, aber wenn man in drei, vier Jahren mit dem Kontingent an talentierten Spielern weiterarbeitet, dann hat diese Mannschaft noch viel vor sich.“

Bob Hanning hört solche Worte gern. Der DHB-Sportchef werkelt seit Jahren an der goldenen Zukunft des deutschen Handballs. Spätestens in den 2020er-Jahren soll Deutschland wieder zu den führenden Nationen gehören. Dafür gab es in den vergangenen Jahren einen nie dagewesenen Umbruch. Der Trainer wurde ausgetauscht, der Präsidentenposten neu besetzt und auch die Strukturen im Verband und rund um die Nationalmannschaft erneuert.

„Wir sind auf einem guten Weg. Der Verband hat sich einmal kräftig durchgeschüttelt und ist jetzt in vielen Bereichen auf dem Weg der Professionalisierung“, sagte Hanning. Gerade im Leistungssportbereich habe man einiges zum Abschluss gebracht und sei „sportfachlich auf einem sehr guten Weg. Trotzdem muss man für den sportlichen Erfolg auch siegen lernen – und da sind wir erst am Anfang des Weges“, sagte Hanning.

Ein wichtiger Faktor für den Aufschwung ist die stark verbesserte Jugendarbeit der Klubs in der Handball-Bundesliga (HBL). Die Eliteförderung von DHB und HBL trägt Früchte. Junge deutsche Spieler drängen in die Teams und werden immer stärker auch in den ersten Mannschaften eingesetzt. „Man sieht, dass die Bundesligen mit ihren Nachwuchszentren und der Entwicklung von jungen Spielern jetzt maßgeblich zu den Erfolgen der deutschen Mannschaft beitragen“, sagte Hanning.

Hinzu kommt die neue Eintracht auf Funktionärsebene. Die Eiszeit zwischen DHB und HBL ist vorbei, Zusammenarbeit wird plötzlich groß geschrieben. „Angst und Schrecken gibt es nicht mehr, keiner redet über den anderen, sondern wir reden miteinander“, sagt Sportchef Hanning: „Und das ist auch das ganz, ganz große Plus, das uns träumen lässt von den großen Erfolgen, die wir uns alle für unsere Sportart wünschen.“ (sid)