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Siegertypen dringend gesucht

In den USA haben erstmals die Wähler das Wort. Die ersten innerparteilichen Vorwahlen finden in Iowa statt.

Von Jens Schmitz, SZ-Korrespondent in Washington

Die meisten Prophezeiungen lagen bislang daneben: Donald Trumps Kampagne läuft wie am Schnürchen, Hillary Clinton wirkt nicht unbesiegbar, Jeb Bush läuft unter ferner liefen. Nun richten sich die Augen der am US-Polittheater interessierten Welt auf einen dünn besiedelten Staat im Mittleren Westen der USA: Am 1.  Februar haben dort erstmals echte Wähler das Sagen im Rennen um die nächste Präsidentschaft. Die Bevölkerungsstruktur ist wenig repräsentativ. Aber wem hier ein Durchbruch gelingt, der kann das Feld komplett durcheinanderwirbeln.

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Iowas drei Millionen Einwohner haben im US-System eine einzigartige Position. Als traditionelle Erste im Wahlkampf können sie einer Kandidatur entscheidenden Schub verleihen – Spender pflegen sich auf Siegertypen zu konzentrieren, Medien und Wähler auch. Gute Platzierungen in Iowa sowie in den folgenden Staaten New Hampshire und South Carolina gelten in beiden Parteien als Voraussetzung für einen späteren Sieg. Wer zweimal schlecht abschneidet, ist schon fast ausgeschieden.

Kritiker würden zwar lieber landesweit gleichzeitig wählen. Viele erleben den Status quo aber als urdemokratisch: Kleine Staaten wie Iowa und New Hampshire sind auch mit vergleichsweise wenig Geld gut zu bereisen, das lässt Kandidaten mit schmaler Kasse die Chance, sich nach und nach einen Namen zu machen. Von Anfang an Wahlkampf in allen 50 Bundesstaaten gleichzeitig führen könnten nur wenige, sehr bekannte Bewerber.

Der Preis dafür ist eine Verzerrung: Der Mais- und Schweinestaat Iowa ist nicht nur dafür bekannt, Wahlkämpfern Zusagen über Agrarsubventionen zu entlocken. Seine zu mehr als 90 Prozent weißen Bewohner gelten, soweit sie Republikaner sind, auch als besonders konservativ. Die um sie buhlenden Kandidaten sehen sich regelmäßig zu einem Rechtsruck gezwungen. Zwei Themen dominieren dabei besonders: Religion und Skepsis gegenüber der Obrigkeit. Viele Einwohner gehören evangelikalen Freikirchen an.

Die schrillen Töne der Kandidaten pflegen sich zu mäßigen, wenn der Wahlkampf Bundesstaaten mit anderer Demografie erreicht. Bislang war das auch die Phase, in der altgediente Honoratioren sich für wählbare Favoriten aussprachen. In Zeiten, in denen viele von etablierten Politikern die Nase voll haben, erweist sich solche Unterstützung aber zunehmend als Bumerang.

Die endgültigen Kandidaten werden von Nominierungsparteitagen im Juli bestimmt. Jeder Bundesstaat entsendet dazu eine seiner Bevölkerungsstärke entsprechende Zahl von Stimmberechtigten. Deren Votum richtet sich nach dem Ausgang der Vorwahlen.

Theoretisch kann die Parteispitze einen Bewerber, der nur eine knappe Mehrheit auf sich vereint, mit ungebundenen Stimmberechtigten zu verhindern versuchen. Dabei handelt es sich um Sonderdelegierte wie Kongressmitglieder und Gouverneure. Für diesen Fall hat der republikanische Spitzenreiter Trump schon mit einer unabhängigen Kandidatur gedroht.

Schlagzeilen machte er gerade wieder, weil er nach Angaben des US-Senders Fox News fünf Millionen Dollar Spenden für eine Teilnahme an der jüngsten TV-Debatte gefordert hatte. Der Sender lehnte das Ansinnen des Milliardärs ab, Trump blieb der Debatte fern. Und trotzdem: Im Gegensatz zu seinem Verfolger Ted Cruz erscheint er vielen Republikanern inzwischen als kleineres Übel. Noch aber gibt es Hoffnung auf eine dritte Option.

Jeder Staat hat eigene Regeln für die Organisation seiner Vorwahlen. Einige sprechen dem Sieger alle Delegierten zu, andere verteilen die Wahlmänner proportional. Um die Abstimmung interessant zu halten, setzen die Republikaner seit 2012 verstärkt auf solche Splittungen. Es ist dadurch schwerer geworden, früh uneinholbar zu sein. Ein gemäßigter Spätzünder hätte deshalb auch dann noch Chancen, wenn das Feld schrumpft und die moderaten Wähler sich konzentrieren. Allerdings muss er bis dahin überleben.

Die regelmäßig auflebenden Rufe nach einem Erlöser von außen wurzeln ebenfalls in solchen Rechenspielen: nach Mitt Romney zum Beispiel, dem republikanischen Kandidaten von 2012, oder nach Vizepräsident Joe Biden, den viele Demokraten herbeisehnen, wann immer Hillary Clinton Schwäche zeigt. Vor wenigen Tagen hatte New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg mit Gerüchten für Aufregung gesorgt, wonach er erwägt, eventuell noch im März als unabhängiger Kandidat in den Ring zu steigen.