merken
PLUS

Wirtschaft

Gabriel wird Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank

Er war SPD-Vorsitzender und Außenminister. Jetzt wechselt Sigmar Gabriel in die Finanzbranche. Die Eigentümer haben ihn darum gebeten.

Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel wird Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank.
Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel wird Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank. © Michael Kappeler/dpa

Von Thorsten Mumme und Rolf Obertreis

Der ehemalige Bundesminister Sigmar Gabriel (SPD) wird Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank. Nach Informationen des Tagesspiegels wird er die Position auf Bitten der Eigentümerseite wahrnehmen. Er soll Jürg Zeltner nachfolgen, der sein Aufsichtsratsmandat Ende vergangenen Jahres niedergelegt hat.

Gabriel werde zunächst gerichtlich als Aufsichtsrat bestellt werden und sich bei der nächsten Hauptversammlung den Aktionärinnen und Aktionären zur Wahl stellen, bestätigte die Bank die Personalie in einer Pressemitteilung. Der Antrag sei am heutigen Freitag eingereicht worden.

Anzeige
Der perfekte Ort für (D)eine Ausbildung!

Das Autohaus Dresden bildet sowohl kaufmännisch als auch handwerklich aus - und kümmert sich im besonderen Maße um seine Schützlinge.

„Wir freuen uns sehr, mit Sigmar Gabriel einen überzeugten Europäer und Transatlantiker für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewinnen zu können“, sagte Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender des Geldinstituts. „Als ehemaliger Umwelt-, Wirtschafts- und Außenminister wird Sigmar Gabriel mit seinem großen Erfahrungsschatz einen besonderen Beitrag leisten und unsere Kompetenz im Aufsichtsrat ergänzen.“

Das Aufsichtsratsmandat Zeltners soll Kritik der EZB hervorgerufen haben. Denn der leitet hauptberuflich die Bankengruppe KBL European Privat Bankers, ein Netzwerk von Privatbanken in Luxemburg. Die Notenbank soll darin einen Interessenskonflikt gesehen haben. Seinen Job bei KBL wollte Zeltner aber nicht aufgeben. Insidern zufolge wollte ihn Katar, das seit 2014 Anteile an der Deutschen Bank hält, trotzdem durchbringen.

Deutsche Bank im Umbruch

Gabriel sagte, die Deutsche Bank habe die Chance und die Verantwortung, "die Zukunft der deutschen und europäischen Wirtschaft mit zu gestalten. Dazu möchte ich einen Beitrag leisten". Von 2009 bis 2017 war der 60-Jährige Vorsitzender der SPD und mehrfach Bundesminister. Von Januar 2017 bis März 2018 war er Außenminister, von 2013 bis 2017 Bundesminister für Wirtschaft und Energie. Vor seiner bundespolitischen Karriere war er vier Jahre lang Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und in dieser Zeit auch Präsidiumsmitglied des Aufsichtsrats von Volkswagen. Zudem gehörte er von 2005 bis 2009 dem Verwaltungsrat der KfW-Gruppe an.

Die Deutsche Bank befindet sich derzeit im Umbruch. Ist sie zwar nach Bilanzsumme nach wie vor die größte Bank der Bundesrepublik, musste sie dennoch in den vergangenen Jahren einen rapiden Abwärtskurs verkraften. Der Aktienkurs schrumpfte von 114 Euro im Jahr 2007 auf rund sechs Euro im vergangenen Sommer. Vorstandschef Christian Sewing kündigte daraufhin im Juli einen drastischen Sparkurs an, der insgesamt rund 18.000 Jobs kosten soll. Berichten zufolge soll die Hälfte davon in Deutschland wegfallen. Ziel ist es, die Belegschaft auf 74.000 zu reduzieren.

Viele Einkommensmillionäre

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Sigmar Gabriel hat neuen Job

Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel wurde als neuer Chef der Autolobby gehandelt. Letztlich hat er sich für etwas anderes entschieden.

Neben hausgemachten Problemen macht der Deutschen Bank auch das Niedrigzinsumfeld schwer zu schaffen. Trotz der Dauerkrise zählen die Spitzenmanager des Geldhauses zu den am besten bezahlten in Europa. 643 Angestellte der Deutschen Bank können sich als Einkommensmillionäre bezeichnen; das heißt, sie bekommen ein Jahresgehalt von mindestens einer Million Euro brutto. In keiner anderen Bank des Kontinents liegt der Wert so hoch.