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Silbermond singen gegen Corona an

Die Musiker der in Bautzen gegründeten Band veröffentlichen trotz Isolation einen neuen Song gegen den allgemeinen Viren-Blues.

Von Andy Dallmann
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Stefanie Kloß und ihre aus Bautzen stammende Band Silbermond haben mitten in der Corona-Krise einen Mutmach-Song herausgebracht
Stefanie Kloß und ihre aus Bautzen stammende Band Silbermond haben mitten in der Corona-Krise einen Mutmach-Song herausgebracht © Archiv: Ronald Bonß

Dutzende Musiker haben bereits aus ihren Wohn- und Arbeitszimmern heraus Songs zum Thema Corona veröffentlicht. Lustiges kam von den Ärzten, eine originelle Coverversion von Adeles „Hello“ stellte US-Songwriter Chris Mann ins Netz, eher die Mutmacher-in-der-Krise-Position übernehmen nun Silbermond. 

Die in Bautzen gegründete Poprock-Band erklärt das Ganze so: „Musik ist gerade in solchen Zeiten vielleicht ein Anker und auch irgendwie ein Garten für uns. Rauskommen, reflektieren, traurig sein, Hoffnung tanken. Das wollen wir teilen.“Vergangene Woche hatte die Band um Frontfrau Stefanie Kloß sehr spontan das nagelneue Lied „Machen wir das Beste draus“ in der TV-Show von Mark Forster gespielt. Daraufhin hätte es Anfragen gehagelt, wo man diese Nummer hören könne. Klare Antwort: Zunächst nirgendwo. 

Was die Musiker aber so nicht stehenlassen wollten. Sie diskutierten, sie improvisierten und sie veröffentlichten schließlich auch via Internet. „Irgendwo zwischen Kleiderschrank, Küche und Couch sind diese Aufnahmen entstanden“, erklären sie. „Wir waren in keinem Studio und wir vier haben uns dafür nicht gesehen. Auch das Video haben wir selbst gemach – wie man sieht...“

Zumindest Sängerin Stefanie Kloß und Gitarrist Thomas Stolle konnten dabei gemeinsam agieren. Das Paar musste jedoch die wenigen Momente nutzen, in denen es nicht von seinem zweijährigen Sohn beansprucht wurde. Im Youtube-Video wechseln sich nun private Szenen mit bekannten Nachrichten-Bildern der vergangenen Tage ab, dem Singen im Kleiderschrank folgt der Rettungseinsatz im Krankenhaus. Dazu heißt es unter anderem: „Der Frühling muss halt ohne uns blüh’n“ und gipfelt in der Aufforderung: „Rücken wir die Herzen eng zusammen, machen wir das Beste draus!“ Ein gutes Werk ist mit dem SOng tatsächlich direkt verbunden: Sollten sich Einnahmen erzielen lassen, gehen diese komplett an die Tafel Deutschland.

"Die Musik ist auf jeden Fall ein Ventil für Hoffnung, Hoffnung darauf, dass wir das alle durchstehen, dass wir die Freunde wieder sehen, dass wir wieder feiern können", erklärt Gitarrist Thomas Stolle. 

Zu ersten Reaktionen auf den Song erklärt Stefanie Kloß: "Ich habe ihn zunächst meiner besten Freundin vorgespielt. Doch die  sagte dazu: ,Ich bin gerade so am Limit. Ich habe zwei Kinder, die zu Hause rumlaufen, weil die Kitas zu sind. Ich habe einen Chef, der von mir erwartet, dass ich Homeoffice mache - wie soll ich das schaffen? Ich kann gerade nicht sagen: Machen wir das Beste draus.' Da habe ich kurz geschluckt, saß zu Hause und war wahnsinnig traurig, weil uns diese Situation gerade so an die Grenzen bringt." Doch am nächsten Tag hätte diese Freundin eine Nachricht geschrieben und erklärt: "Das ist so eine emotionale Situation gerade und ihr habt das so schön in diesem Song eingefangen. Und ja, es wird eine Zeit geben, die besser ist. Lass uns das zusammen durchstehen." 

Silbermond hoffen, dass die für den Sommer in Dresden geplanten Open-Air-Konzerte dennoch stattfinden können.
Silbermond hoffen, dass die für den Sommer in Dresden geplanten Open-Air-Konzerte dennoch stattfinden können. ©  PR

Der Lärm in der Stille

Stefanie Kloß: "Wenn ich dieser Zeit etwas Positives zusprechen müsste, ist es, wie viele Menschen Solidarität zeigen, wie sie füreinander da sind, wie sie eigene Interessen zurückstellen und anderen helfen." Die Sängerin sagt, sie sei dankbar, dass isch unser aller Blick für ein paar wahnsinnig wichtig Beruf geschärft habe. "Es ist wichtig, dass wir begreifen, dass da draußen ein paar Leute für uns die Stellung halten, Pflegekräfte, Krankenschwestern, Verkäufer. Und es ist klar, die müssen für das, was sie tun, besser entlohnt werden."

Ihre eigene Lage beschreibt sie so: "Es ist in dieser Zeit der Isolation auf der einen Seite alles wahnsinnig ruhig geworden, weil man keine Freunde mehr trifft. Die Familie ist in Bautzen; wir können die nicht sehen, wir feiern Kindergeburtstag ohne die Großeltern, was traurig ist. Aber diese Zeit verlangt das gerade von uns." Auf der anderen Seite stecke in dieser Stille auch ein wahnsinniger Lärm. "Jeder, der ein Kind hat, wird wissen, was ich meine. Ich ziehe meinen Hut vor allen Familien, die Kinder haben und gerade im Homeoffice arbeiten."

Diesen Song aufzunehmen, das sei eine große Herausforderung gewesen. "Kaum ein Moment ohne, dass nicht immer ein Zwerg die Hand erhoben und gesagt hätte: Das passt mir nicht, ihr macht jetzt gefälligst etwas anderes." Sie habe erkannt, wie sehr wir uns alle gegenseitig brauchen. "Wir wollen alle nicht alleine sein. Wir wollen uns mit Menschen unterhalten. Das merke ich auch, wenn ich in der Apotheke bin und die Verkäuferin dort mit mir mal kurz reden und darüber diskutieren will, warum jetzt alle Klopapier brauchen. Ein kleines Gespräch, nur eine Minute, aber die hilft, weil man eben mit jemandem spricht. Und wenn es über Klopapier ist."

Den ultimativen Tipp gegen den Isolationskoller hat auch die Silbermond-Frontfrau noch nicht gefunden. "Gut ist es auf jeden Fall in einer Partnerschaft, sich bei der Betreuung der Kids abzuwechseln", so Stefanie Kloß. "Da kann jeder mal ein paar Minuten für sich haben, zum Lesen, zum Meditieren, zum Abschalten. Das hilft sicher."