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Dresden

„Zeigen, dass wir solidarisch sind“

Die sächsische Band Silbermond tritt am Sonnabend zur Kundgebung #unteilbar auf – und ist beunruhigt. Das Interview zum Konzert. 

Silbermond kommen am Sonnabend zur #unteilbar-Demo nach Dresden - und hoffen, dass die Veranstaltung viele Wähler zum Umdenken bewegt.
Silbermond kommen am Sonnabend zur #unteilbar-Demo nach Dresden - und hoffen, dass die Veranstaltung viele Wähler zum Umdenken bewegt. © Daniel Lwowski

Haben Sie Angst vor den Langtagswahlen in Sachsen?

Thomas: Angst ist vielleicht nicht das richtige Wort. Ich sorge mich und habe eine Art Bauchschmerz, wenn ich auf das letzte Jahr zurückschaue und sehe, wie sich Fronten verhärten und Menschen auseinanderdriften. Ich versuche immer wieder zu verstehen, wo das her kommt, wie es dazu gekommen ist und wie wir stoppen können, dass wir trotz unterschiedlicher Meinungen nicht unser Verständnis von Miteinander und Menschlichkeit verlieren.

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Johannes: Eine Partei, die die Unzufriedenheit vieler Menschen ausnutzt, um mit vermeintlich einfachen Lösungen für große Probleme auf Stimmenfang zu gehen, ist für uns nicht wählbar. Sie wird die Sorgen, die viele Menschen in Sachsen haben oder denen es schlecht geht, langfristig nicht lösen. Sie beheimatet Menschen, die unsere Demokratie abschaffen wollen und das kann keine Option sein.

Welchen Einfluss könnte #unteilbar auf die Wahlen haben?

Stefanie: Wir sind nicht so naiv zu glauben, dass eine Veranstaltung dieser Art reicht, um den Ausgang der Wahl entscheidend zu verändern. Aber sind es nicht viele kleine Tropfen, die am Ende etwas bewegen? Wir würden uns wünschen, dass Menschen, die noch unsicher sind, was sie wählen wollen, nach diesem Tag ein klareres Bild davon haben, wem sie am Ende ihre Stimme geben. In welcher Gesellschaft sie leben wollen, wo sie selbst stehen und was sie sich für ihre Zukunft wünschen.

Welche Erfahrungen mit der Spaltung der Gesellschaft haben Sie als Künstler oder Privatpersonen schon gemacht?

Johannes: Als Band aus Bautzen haben uns die Entwicklungen der letzten Jahre natürlich sehr zu schaffen gemacht. Statistiken und Schlagzeilen sind das eine, aber gerade in persönlichen Gesprächen mit unterschiedlichsten Menschen hat sich mir gezeigt, wie tief da einige Gräben wirklich sind und das schon seit sehr langer Zeit. Doch meine Wahrnehmung ist hier unterm Strich, dass das Glas halb voll ist und nicht halb leer. Es kommen jetzt viele Dinge auf den Tisch und darüber wird gesprochen, gestritten und diskutiert, aber soviel Kraft das auch kostet und so schmerzhaft und mühsam das ohne Zweifel auch ist, das Wichtigste ist doch, dass es überhaupt stattfindet und sich schon an vielen Stellen die Menschen aufeinander zubewegen. Diese Tendenz macht mir persönlich Mut.

Was konkret befürchten Sie, angesichts der Prognosen zum Ausgang der bevorstehenden Landtagswahl in Sachsen?

Johannes: Wenn die Prognosen wirklich so eintreffen, wird die Bildung einer handlungsfähigen Regierung erst mal sehr kompliziert. Da liegt die Befürchtung nahe, dass es eine ganze Weile dauern könnte, bis wirklich konstruktiv und nach vorn Blickend gearbeitet werden kann. Natürlich würden wir uns gern einen anderen Ausgang wünschen und deshalb werden wir uns bis zum 01. September auch intensiv dafür einsetzen, dass so viele Menschen wie möglich ihre Kreuze nicht bei Parteien machen werden, die Angst und Verunsicherung für ihre eigenen Zwecke ausnutzen und nur an Stimmungsmache interessiert sind. 

Wie sind Sie in Kontakt mit den Organisationen von #unteilbar gekommen?

Nowi: Eine junge, tolle Frau, die sich für #unteilbar engagiert, hat uns eindringlich und sehr überzeugend gebeten, diese Veranstaltung zu unterstützen.

Warum machen Sie mit? Gab es zufällig eine Lücke im Zeitplan?

Stefanie: Wenn wir mit unseren Möglichkeiten helfen können, die Aufmerksamkeit für ein aus unserer Sicht sehr wichtiges Thema zu steigern, dann engagieren wir uns von Beginn unserer Karriere an. Wir wollen zeigen, dass wir solidarisch sind mit Menschen, denen es nicht gut geht, egal, ob es Menschen sind, die in unserer Heimat geboren sind oder ob es Menschen sind, die zu uns aus großer Not kommen und wir halten es für falsch, das eine gegen das andere auszuspielen.

Welcher Rezept haben Sie – wie sollten Menschen unterschiedlicher politischer Ansichten künftig miteinander umgehen?

Johannes: Zunächst einmal ist es wichtig, zu akzeptieren, dass es unterschiedliche Ansichten gibt und auch immer geben wird. Diskutieren, Streiten um die besten Lösungsansätze und das Finden von Kompromissen sind doch am Ende nicht nur Ausdruck sondern auch Grundvoraussetzung einer lebendigen Demokratie. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass es in jedem Falle nicht der Weg sein kann und darf, sich immer weiter voneinander zu entfernen und sich gegenseitig in Schuldzuweisungen zu verlieren.

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Zusatzjokerfrage: Welches Ihrer Lieder passt am besten symbolisch zu diesem Anlass?

Johannes: Mein Osten?

Das Interview führte Henry Berndt.

Diese Künstler treten bei #unteilbar auf

Auftaktkundgebung: Altmarkt, 24. August, 12 Uhr:

Der Dresdner Kneipenchor, entstanden im Jahr 2012 aus einem Studentenchor – eine Schnapsidee sozusagen

Auftaktkundgebung: Altmarkt, 24. August, 12 Uhr:

DJ Lara Liqueur, die für Die Partei einst als OberbürgermeisterkandidatIn antrat und den Job verpasste

Auftaktkundgebung: Altmarkt, 24. August, 12 Uhr:

Das Paradisorchester, von der Evangelischen Hochschule Dresden, das Menschen unterschiedlicher Kulturkreise zusammenbringt

Auftaktkundgebung: Altmarkt, 24. August, 12 Uhr:

Sir Mantis, Leipziger Rapper, der sich als Transmann, Aktivist und Satiriker versteht und für Respekt wirbt

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Abschlusskundgebung: Cockerwiese, 16.30 bis 22 Uhr

Enno Bunger, Singer-Songwriter, Pianist und Komponist melancholischer Lieder im Mix von Indie bis Rap

Abschlusskundgebung: Cockerwiese, 16.30 bis 22 Uhr

Max Herre, Fatoni, Sugar MMFK, Megaloh und DJ V. Raeter, als gemeinschaftlich engagierte Rap-Kompanie

Abschlusskundgebung: Cockerwiese, 16.30 bis 22 Uhr

Ansa Sauermann, Dresdner Singer-Songwriter, der kritisch seine in Verruf geratene Heimat besingt

Abschlusskundgebung: Cockerwiese, 16.30 bis 22 Uhr

Silbermond, Bautzener Pop-Rock

Abschlusskundgebung: Cockerwiese, 16.30 bis 22 Uhr

Woods of Birnam, Popband des Dresdner Schauspielers Christian Friedel zusammen mit Polarkreis 18

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Edit: Das Interview mit Silbermond wurde ergänzt, nachdem die Band nachträglich weitere Fragen unseres Reporters zum Thema beantwortete. 

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