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Krach, bumm, peng - nun jede Menge Dreck

Nach dem Feuerwerk folgt wie immer das böse Erwachen: Müll an vielen Großenhainer Ecken. Und leider nicht nur das.

Von Catharina Karlshaus & Thomas Riemer
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Relikt der Silvesternacht: Nahe der Elmo-Brücke sprengten Vandalen einen Schaltkasten eines Pumpwerkes. Der stand offenbar sogar unter Strom.
Relikt der Silvesternacht: Nahe der Elmo-Brücke sprengten Vandalen einen Schaltkasten eines Pumpwerkes. Der stand offenbar sogar unter Strom. © Kristin Richter

Großenhain. Das frühlingshafte Sonnenlicht wirkt als Verstärker. Am Donnerstagvormittag hebt es wie unter einem Vergrößerungsglas hervor, was ohnehin schon unübersehbar ist. „Wir müssen bestätigen, dass dieses Mal zum Jahreswechsel wirklich nicht mit Feuerwerkskörpern und Böllern gespart worden ist. Leider liegen die Reste überall“, sagt Diana Schulze.

Wie Großenhains Rathaussprecherin auf SZ-Nachfrage betont, seien die Mitarbeiter des Bauhofs bereits seit den frühen Morgenstunden im Dauereinsatz. 18 Frauen und Männer wären unterwegs, um die Spuren der Silvesternacht im Stadtgebiet und den Ortsteilen zu beseitigen. Auch am Freitag werde es noch einiger Reinigungsarbeiten bedürfen. Wie viele Kubikmeter Müll dabei zusammenkommen werden, lasse sich zurzeit nicht genau prognostizieren. „Fest steht jedoch, es ist viel mehr als in den Jahren zuvor“, so Diana Schulze. Besonders auf größeren öffentlichen Plätzen – wie am Vier-Tore-Brunnen an der Mozartallee – stapelt sich der Müll.

Doch abgesehen davon, dass auf Straßen, Rabatten und in Grünanlagen Überbleibsel jeglicher Art zu finden seien. „Offensichtlich wird auch immer mehr versucht, mit extrem starken Böllern öffentliche Einrichtungen mutwillig und vorsätzlich zu zerstören beziehungsweise zu sprengen“, erklärt Diana Schulze. 

Zumindest lese sich die Bilanz des Bauhofes verheerend. Während an der Ecke Naundorfer Straße/Kirchplatz ein Papierkorb gesprengt worden sei, ereilte auch eine Hundetoilette am Röderneugrabendamm oberhalb des Bades sowie ein Papierkorb auf der Seeinsel das gleiche Schicksal. Zerstört worden sei darüber hinaus ein Papierkorb auf der Mülbitzer Straße zum Hopfenbach und ein Ascher im Sportpark „Husarenviertel“ an der Mehrzweckhalle. Die Freiwillige Feuerwehr habe zum Cottbuser Bahnhof ausrücken müssen, da dort ein Kleidercontainer in Brand gesteckt wurde. 

Darüber hinaus ging eine Scheibe an der nahe gelegenen Bushaltestelle zu Bruch, ein Schaltkasten des Pumpwerkes an der Elmo-Brücke wurde Opfer von Vandalen und ein Zigarettenautomat an der Bahnhofstraße sei gar zersprengt worden. Dass genau gegenüber ein Briefkasten unbeschädigt blieb, ist möglicherweise der Post zu verdanken. Die hatte den „Gelben“ vorsichtshalber mit einer Vorrichtung versehen und damit „vorübergehend gesperrt“.

Die Post hatte vorgesorgt:
Dieser Briefkasten auf der Bahnhofstraße blieb unbeschädigt. 
Die Post hatte vorgesorgt: Dieser Briefkasten auf der Bahnhofstraße blieb unbeschädigt.  © Kristin Richter
Ein Fall für die Polizei:
Gleich gegenüber wurde ein Zigarettenautomat gesprengt.
Ein Fall für die Polizei: Gleich gegenüber wurde ein Zigarettenautomat gesprengt. © Kristin Richter
Vorerst unter den Laubteppich gekehrt:
Am Busbahnhof Cottbuser Bahnhof wurden Reste der Knallerverpackungen einfach zur Seite, statt in die Papierkörbe geschoben. 
Vorerst unter den Laubteppich gekehrt: Am Busbahnhof Cottbuser Bahnhof wurden Reste der Knallerverpackungen einfach zur Seite, statt in die Papierkörbe geschoben.  © Kristin Richter
Wenn Protze zuviel Kraft haben:
Diesen Papierkorb hoben Vandalen buchstäblich aus den Angeln. 
Wenn Protze zuviel Kraft haben: Diesen Papierkorb hoben Vandalen buchstäblich aus den Angeln.  © Kristin Richter
Zumindest ein Versuch:
Den Papierkorb gefunden, den Zweck nicht erkannt ... 
Zumindest ein Versuch: Den Papierkorb gefunden, den Zweck nicht erkannt ...  © Kristin Richter

Doch gerade der komplett aufgerissene Schaltkasten an der Elmo-Brücke macht im Nachhinein doppelt nachdenklich. Denn: Hier liegt Strom an. Was bedeutet, dass unmittelbar nach der Vandalenaktion für Passanten letztlich wahrscheinlich sogar Lebensgefahr bestanden hat. Am Donnerstag war der Standort daher entsprechend abgedeckt und abgesperrt worden.

Während Mitarbeiter des Stadtbauhofes in den Vormittagsstunden quasi pausenlos unterwegs waren, um zumindest den Müll aus und rund um die Papierkörbe einzusammeln, müssen sie an einigen Stellen in den nächsten Tagen wohl nochmals Hand anlegen. Beispiel Parkplatz Beethovenallee: Dort hatten offenbar einige Kraftprotze zu viel Energie übrig – und zogen einen Abfallbehälter inklusive der Beton-Verankerung im Boden heraus bzw. kippten ihn in Schräglage.

Viele der „Bilder einer Nacht“ sind inzwischen auch im Internet veröffentlicht worden. Die Diskussionen dazu sind sehr vielfältig. Ein Vorschlag zum Beispiel: Das „Knallzeug sollte nicht frei verkäuflich sein“. Denn es „gibt einige Leute, die damit nicht umgehen können/wollen“. Künftig, so ein Vorschlag, sollte es nur noch ein von der Stadt organisiertes, professionelles Feuerwerk um Mitternacht geben.

Ob so etwas denkbar ist, sei dahingestellt. Erst einmal müssen die Reste der jüngsten Silvesternacht beseitigt werden. Und da ist auch die Hilfe der Bürger gefragt, vor der eigenen Haustür zu kehren. Denn Grundstückseigentümer haben nun einmal Anliegerpflichten. Gemäß der geltenden Satzung sind Gehwege vor dem Grundstück in einer Breite von maximal 2,50 Metern von Unrat und Müll zu säubern.

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