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Sind die Görlitzer Museumsmuffel?

Was der Lernatlas der Bertelsmann-Stiftung unseren Museen beschert, sieht nicht gut aus: Die Menschen im Kreis Görlitz seien museumsfaul. Zumindest lassen das die Zahlen der Studie vermuten. Im Landkreis sind demnach im Jahr 2009 nur 108 Museumsbesuche auf 100 Einwohner gekommen.

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Von Jenny Thümmler

Was der Lernatlas der Bertelsmann-Stiftung unseren Museen beschert, sieht nicht gut aus: Die Menschen im Kreis Görlitz seien museumsfaul. Zumindest lassen das die Zahlen der Studie vermuten. Im Landkreis sind demnach im Jahr 2009 nur 108 Museumsbesuche auf 100 Einwohner gekommen. Zum Vergleich: Deutschlandweit waren es in dieser Kategorie 130, sachsenweit sogar 189. Sind unsere Museen so unbeliebt?

Nein, entgegnen die Mitarbeiter der Görlitzer Museen. Im Senckenberg Naturkundemuseum sind die Besuchszahlen seit 2005 leicht steigend, sagt Sprecher Christian Düker. Im vergangenen Jahr waren mehr als 30000 Besucher im Haus, was in diesem Jahr aufgrund der Landesausstellung zur Via Regia noch übertroffen wird. „Auch die Schulklassenbesuche sind auf gleichbleibendem Niveau“, sagt Christian Düker. „Wir haben im Jahr zwischen 150 und 180 Schulklassen im Haus.“

Genauso zufrieden äußert sich Martina Pietsch vom Schlesischen Museum, das ebenfalls Teil der Landesausstellung war. Unabhängig davon verzeichnet aber auch sie steigende Besucherzahlen in den vergangenen Jahren. Es gebe ein interessiertes Stammpublikum und gute Verbindungen zu Schulen und Kindergärten.

Damit das alles so bleibt, setzen die Museen neben den Ausstellungen auf Veranstaltungen, Exkursionen und Projekte. Laut Martina Pietsch waren allein im November 220 Schüler und Auszubildende bei Lehrveranstaltungen. Und das Naturkundemuseum spricht schon seit Jahren mit der Kinderakademie den Nachwuchs an.

Andere Museumsmitarbeiter äußern sich zurückhaltender, ohne wirklich unzufrieden zu sein. Christina Hübner vom Kulturhistorischen Museum kann aufgrund der Bauarbeiten in Kaisertrutz und Barockhaus schlecht auf Zahlen zurückgreifen. Außerdem fehlt in diesem Jahr die Weihnachtsausstellung. „Bei uns läuft alles jetzt erst wieder an.“ Doch auch derzeit außerhalb der Saison gebe es zahlreiche Anmeldungen zu Führungen und Weihnachtsfeiern. In den vier Monaten, die das Barockhaus wieder geöffnet ist, waren 800 Besucher bei öffentlichen Führungen. Anmeldungen von Kindergruppen und zu Weiterbildungen liegen vor. Und schließlich seien auch die wöchentlichen Vorträge des regionalgeschichtlichen Kollegs im Schnitt mit 40 Gästen besucht, nur ein Viertel seien Studenten. Generell habe sich die Vielfalt der Angebote in den vier Einrichtungen des Kulturhistorischen Museums bewährt.

Beim Spielzeugmuseum hat Familie Fiedler als Betreiber die ständige Ausstellung verändert, als die Besuchszahlen zurückgingen. Mit Erfolg: Seit DDR-Spielzeug zu sehen ist, sind die Zahlen gestiegen. Eltern und Großeltern erkennen ihr eigenes Spielzeug wieder, erklären es ihren Kindern und Enkeln und kommen ins Erzählen. „Dieser kommunikative Aspekt hat funktioniert“, sagt Thomas Fiedler. Nun sei das Ziel, das Spielzeugmuseum als Museum auch für Erwachsene noch bekannter zu machen.

Wie aber kommt der schlechte Wert in der Studie dann zustande? Miika Blinn von der Bertelsmann-Stiftung erklärt, dass diese Kennzahl für die Region Oberlausitz-Niederschlesien die beiden Landkreise Görlitz und Bautzen gemeinsam erfasst. „Dadurch wird berücksichtigt, dass Museen auch viele Besucher aus der weiteren Region anlocken und somit einen überregional bedeutsamen Bildungsbeitrag leisten.“ Wenn in einer ländlichen Region wie dem Landkreis Görlitz relativ viele Menschen leben – wie es für Görlitz der Fall ist –, könne ein statistisch kleinerer Wert für den Museumsbesuch herauskommen. „Daraus darf aber nicht automatisch Kritik an der Arbeit der Museen in Görlitz und Bautzen abgeleitet werden.“