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Sind die Mega-Planken Geldverschwendung?

Die Konstruktion am Ortseingang von Großröhrsdorf wirft Fragen auf. „Das muss sein“, sagen Fachleute.

Von Reiner Hanke

Mächtig gewaltig: Die neu gebauten Leitplanken an der S 158 in Großröhrsdorf sind wahrlich nicht zu übersehen und Diskussionsthema. Die Bauwerke sorgen durchaus für Kopfschütteln. So zum Beispiel bei Michael Leimert. Denn billig sei diese Konstruktion bestimmt nicht gewesen, dieser „Wahnsinn aus Stahl“. Letztlich werde der Steuerzahler für den Gigantismus zur Kasse gebeten. Bisher gab es hier gar keine Leitplanken. Die Konstruktion erinnert an Hochgebirgsstraßen. Nur fehlt der Abgrund dahinter.

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Und noch ein weiterer Punkt verwundert den Kleinröhrsdorfer. Die Planken stehen auf der rechten Seite stadtauswärts mitten auf dem frisch asphaltierten Gehweg: „Der ist für Kinderwagen und Behinderte mit Gehhilfen überhaupt nicht und für andere Fußgänger nur eingeschränkt nutzbar“, kritisiert der Kleinröhrsdorfer und will wissen, wer das zu verantworten hat. Denn diese „unsinnig verbauten Leitplanken hätten an anderer Stelle, z. B. auf der S 95 in der Dresdner Heide, wo es schon mindestens zehn Verkehrstote und viele Verletzte durch fehlende Leitplanken gegeben hat, einen sinnvolleren Einsatz gefunden“.

Die Verantwortlichkeit ist schnell geklärt: Das Landessamt für Straßenbau und Verkehr hat hier geplant und mächtig geklotzt. Und das habe Gründe, verteidigt Sprecherin Isabel Siebert die massive Anlage. So befinde sich die Straße dort in der Wasserschutzzone, größtenteils in der höchsten Schutzzone III. Das Trinkwassereinzugsgebiet der Wasserwiesen befinde sich in dem Bereich. Und das sei entsprechend zu berücksichtigen. Dafür gebe es genaue Richtlinien, so Isabel Siebert. Und nach denen wurde die Fahrbahn gebaut, abgedichtet und mit Planken ergänzt. So können Fahrzeuge bei einem Unfall nicht von der Straße abkommen und das Erdreich und letztlich das Trinkwasser mit Schadstoffen verschmutzen. Die alte Straße – ohne Schutzplanken – habe Bestandsschutz genossen. Offenbar ohne Rücksicht auf den Trinkwasserschutz. Bei einem Neubau müsse sich das Amt an die geltenden Richtlinien halten. Überraschend ist die Aussage zum Fußweg auf der Nordseite, also rechts stadtauswärts. Der sei eigentlich gar keiner. Das sei nur der befestigte Straßenrand. Bankett, sagt der Fachmann. Dafür ist der Streifen aber auffällig gut ausgebaut. Es sei in dem Fall auch ein „eingeschränkt nutzbarer Gehweg“, eine Notgehbahn, heißt es aus Dresden. Die Schutzplanken habe man bewusst so montiert, dass die Anwohner den Geh-/Radweg auf der anderen Seite gut erreichen können. Die „Notgehbahn“ sei kein öffentlicher Weg. Wozu ist sie dann gut? Dafür hat die Stadt eine Erklärung. Sie sei zwar nicht der Bauherr, habe aber eigene Vorstellungen einbringen können. Durchaus zum Vorteil der Anlieger. Das erklärt, warum der Straßenrand so gut mit Asphalt ausgebaut wurde. Das ist normalerweise nicht der Fall. Darauf habe die Stadt selbst gedrängt. Kerstin Ternes: Damit solle erreicht werden, dass Fußgänger und Anlieger diesen Weg immerhin begehen können. Obwohl er nicht als Fußweg vorgesehen sei. Inzwischen sind auch die letzten Arbeiten am offiziellen Geh-/Radweg auf der Südseite beendet. Dort sei nun auch für Radler oder Eltern mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer eine sichere Trasse entlang der Straße vorhanden. Vielleicht wäre ein Hinweisschild hilfreich, dass Fußgänger den Weg auf der anderen Straßenseite benutzen sollten. Ansonsten gelte für die Leitplanken: Es gab da gar keinen Ermessensspielraum, schätzt auch Bürgermeisterin Kerstin Ternes ein. Die Standards seien einzuhalten.

Aber gerade was die wuchtigen Schutzplanken betrifft, ist Michael Leimert noch nicht überzeugt. Die Strecke liege innerorts und sei nicht als Unfallschwerpunkt bekannt. Eine Nummer kleiner hätte es bestimmt auch getan. Zu den Kosten der Konstruktion gibt das Landesamt keine Auskunft. Die könnten im Einzelnen nicht beziffert werden, sondern seien Teil des Gesamtprojektes.