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Sind diese Häuser noch zu retten?

Das Wohngebiet in Brockwitz war das erste in Sachsen nach der Wende. Und macht bis heute großen Ärger.

Von Catharina Karlshaus
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Endlich stehen drei Wohnhäuser in Brockwitz. Fast bezugsfertig, doch daraus wird nun nichts. Die beauftragten Firmen sind in Insolvenz gegangen.
Endlich stehen drei Wohnhäuser in Brockwitz. Fast bezugsfertig, doch daraus wird nun nichts. Die beauftragten Firmen sind in Insolvenz gegangen. © Anne Hübschmann

Lampertswalde. Selbst nachts um drei wäre ein vielversprechender Moment. Denn ganz gleich, wer Jörg Heller um diese Zeit aus dem Schlaf holen und Fragen stellen würde, die mit dem Lampertswalder Ortsteil Brockwitz zu tun haben – der 55-Jährige könnte sie alle beantworten. Kurz nach der Wende in seiner Eigenschaft als Versicherungs-und Immobilienmakler in ostdeutsche Lande gekommen, begann just in jenem Dorf für den gebürtigen Niedersachsen alles, was ihn bis heute erfolgreich im Freistaat sein Geld verdienen lässt.

Das Problem allerdings: Während Dank des umtriebigen Talents in Sachen Kauf, Wiederverkauf und Finanzierung in Großenhain, Priestewitz und zahlreichen anderen Gemeinden des Landkreises schmucke Häuschen aus dem Boden gestampft worden sind, ist die Zeit in Brockwitz scheinbar stehen geblieben. Im von der Gemeinde seinerzeit ausgewiesenen Erschließungsgebiet stehen erst seit diesem Jahr lediglich drei Gebäude. Häuser, denen es jedoch an einem funktionsfähigen Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss fehlt. Und obendrein seit vergangener Woche gar an einem Bauunternehmen, welches für die vertragsgerechte Fertigstellung sorgen soll. „Ja, die RGO-Massivhaus GmbH und die RGO Bauland Vertrieb GmbH sind insolvent“, erklärt Jörg Heller auf SZ-Anfrage.

Ein Dilemma, welches den Geschäftsmann gewissermaßen wieder an den Anfang seiner Tätigkeit zurückkehren lässt. Damals von seinem älteren Bruder auf lukrative Grundstückssuche ausgeschickt, sei er 1992 auch gleich fündig geworden. Trotz seiner Jugend und Unerfahrenheit in diesem Bereich habe ihm seine Spürnase sofort geraten, in die 40 Brockwitzer Grundstücke zu investieren. Während er indes die notwendigen Finanzierungen für potenzielle Bauherren schnell vertraglich unter Dach und Fach bringen kann, muss sich sein Bruder indes finanziell geschlagen zurückziehen. Die Nummer in den neuen Ländern sei doch ein wenig zu groß für ihn gewesen. 

1993 beginnt nachfolgend mit dem Großenhainer Bauunternehmer Ullmann, woran Sachsens eigentlich erstes Wohngebiet nach der Wende über Jahrzehnte scheitern sollte. Ein Eigentümer nach dem anderen setzt zwar keine Häuser hin, aber wirtschaftlich alles in den vermeintlichen Bausand. Wohnen die 40 einstigen Interessenten durch die Vermittlung von Jörg Heller längst auf anderen Parzellen in Großenhain, Weßnitz und Umgebung, so wollte in Brockwitz einfach nichts vorwärtsgehen. Noch nicht mal die Hälfte der zur Verfügung stehenden Grundstücke konnte bebaut werden.

Gut vorstellbar, dass sich die Lampertswalder gefreut haben, als Rettung nahte. Endlich sollte bebaut werden, was als erschlossene Brachfläche vor sich hin dümpelte. Dass die vor über 20 Jahren verlegte Abwasserkanalisation ebenso wenig ihren Dienst tun würde, wie die zwei Unternehmen RGO Massivhaus GmbH und RGO Bauland Vertrieb GmbH ihrem Untergang entgegen arbeiteten, konnten sie offenbar nicht ahnen. „Ich war total entsetzt, als ich erfahren habe, dass nun wieder alles zu scheitern droht“, bekennt Jörg Heller.

Obgleich er absolut gar nichts mehr mit Brockwitz zu tun habe, ging er nach eigenem Bekunden nun wieder selbst in die Spur. Versuchte der Makler zunächst mit „frischem Geld“, den bisherigen Projektherren unter die Arme zu greifen, wäre sein Bemühen schließlich doch an der tatsächlichen Liquidität der RGO gescheitert. Ärgerlich für die Gemeinde und ein Fiasko erst recht für die drei Häuslebauer, denen nicht nur die Bank im Nacken sitzt. 

Doch nach 27 Jahren will Jörg Heller so nicht einfach aufgeben. Nein, ein Happy End müsse jetzt drin sein – und präsentierte den beiden Dresdner Insolvenzverwaltern einen finanzkräftigen Investor. „Deshalb heißt es jetzt wirklich Daumen drücken! In der kommenden Woche gibt es eine Reihe von Gesprächsterminen und ich hoffe wirklich im Sinne der Betroffenen, dass wir noch vor Weihnachten ein positives Signal bekommen“, so Jörg Heller.