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Sind Dynamos Neuzugänge wirklich eine Verstärkung?

Die Wintertransfers sollten spürbar das Niveau heben. Doch die Mehrheit sitzt auf der Bank, ist gesperrt oder verletzt.

Dynamos Winter-Neuzugänge: Simon Makienok (oben links oben), Josef Husbauer (oben links unten), Godsway Donyoh (oben Mitte), Marco Terrazzino (oben rechts), Ondrej Petrak (unten links) und Patrick Schmidt (unten rechts).
Dynamos Winter-Neuzugänge: Simon Makienok (oben links oben), Josef Husbauer (oben links unten), Godsway Donyoh (oben Mitte), Marco Terrazzino (oben rechts), Ondrej Petrak (unten links) und Patrick Schmidt (unten rechts). © Herbert Rudel/dpa/Lutz Henschel

Im Winterschlussverkauf hatte Dynamo ordentlich zugelangt. Gleich mit einem Sixpack verstärkte sich das Schlusslicht. Dem bisherigen Kader traute Trainer Markus Kauczinski die Mission Klassenerhalt offenbar nicht zu. So direkt hat er das zwar nie formuliert, anders lässt es sich aber kaum interpretieren.

Die Neuen sollen den Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft erhöhen und dadurch die anderen Spieler wieder auf ihr normales Leistungsniveau bringen. So oder so ähnlich formulierte es Kauczinski nach jedem der sechs Transfers. Außerdem hätten die Neuzugänge den Vorteil, dass sie unbelastet seien, also die völlig verkorkste Hinrunde mit den vielen Niederlagen, der emotionalen Entlassung von Cristian Fiel und dem bitteren Zerwürfnis mit dem eigenen Anhang nicht hautnah miterleben mussten.

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Es funktionierte auch – anfangs. Das erste Spiel nach der Winterpause gewann Dynamo mit 1:0 gegen den Karlsruher SC. Es machte sich Aufbruchstimmung breit. Von der ist spätestens nach der Niederlage gegen Bochum jedoch nichts mehr geblieben. Beim Kellerduell standen mit Ondrej Petrak und Marco Terrazzino nur noch zwei der sechs Neuzugänge in der Startelf. Ist der erhoffte Effekt also schon wieder verpufft? Und was haben die Verstärkungen bisher gebracht?

Bisher im Ausland gespielt

Wintertransfers müssen sofort funktionieren, die Mannschaft spürbar weiterbringen – vor allem, wenn man in einer so prekären Lage steckt wie Dynamo. Doch können das die Neuen überhaupt? Ist die Bürde nicht zu groß? Bis auf Josef Husbauer, Stammkraft beim Champions-League-Teilnehmer Slavia Prag, fehlte allen Spielpraxis, sie saßen in der Hinrunde bei ihren bisherigen Vereinen auf der Bank oder der Tribüne - zum Teil sogar noch länger. Hinzu kommt, dass nur Patrick Schmidt und Marco Terrazzino die komplette Vorbereitung mitmachen konnten. Simon Makienok etwa wurde erst unmittelbar vor dem Karlsruhe-Spiel verpflichtet.

Ein weiterer Punkt: Husbauer, Godsway Donyoh und Simon Makienok spielten bisher im Ausland, kennen also die 2. Bundesliga und ihre Mannschaften nicht. Dass sie eine Eingewöhnungsphase brauchen, auch bedingt durch die Sprachbarriere, ist völlig normal. Nur bekommt man die bei einem abgeschlagenen Tabellenletzten nicht.

Exemplarisch für dieses Dilemma steht der vom dänischen Erstligisten FC Nordsjaelland ausgeliehene Donyoh. Nach dem abschließenden Test gegen den VfB Stuttgart bemängelte Kauczinski beim Angreifer Defizite in der Defensivarbeit. Seitdem sitzt der 25-Jährige stets auf der Bank und wartet auf seinen ersten Einsatz. Als am Samstag Terrazzino mit einer Verletzung, die am Montag als Muskelfaseriss im Oberschenkel diagnostiziert wurde, nach einer halben Stunde vom Platz musste, schien der Moment gekommen. Doch der Trainer schickte lieber Schmidt auf den Platz – und auf die für ihn ungewohnte Außenbahn.

Auf die Frage, warum er in der Schlussphase nicht offensiver gewechselt habe, antwortete Kauczinski: „Ich hatte keinen mehr, den ich für vorne hätte bringen können.“ Und Donyoh? Bei dessen Verpflichtung hatte Minge noch erklärt, dass der Ghanaer im „Angriff variabel einsetzbar“ sei, „sowohl auf dem linken sowie auf dem rechten Flügel als auch ganz vorne in der Spitze“ spielen könne. Offensichtlich traut der Trainer ihm also nicht zu, entscheidende Impulse setzen zu können. Warum wurde er dann verpflichtet? Und warum gehört er immer wieder zum Kader?

Leistungskurve zeigt in die falsche Richtung

Husbauer galt aufgrund seiner Vita und seiner Erfahrung als wichtigster Transfer in der Winterpause. Doch nach dem Spiel gegen St. Pauli stellte Kauczinski fest: „Er kann das besser.“ Am Samstag saß er auf Bank, wurde erst in den Schlussminuten eingewechselt. „Man merkt ihm an, dass die für ihn ohnehin kurze Vorbereitung durch seine Krankheit noch mal unterbrochen war. Da ist normal, dass man nicht sofort 100 Prozent Leistung bringen kann“, meinte der 50-Jährige.

Husbauer hatte wegen eines grippalen Infekts pausiert und auch das KSC-Spiel verpasst. Last-Minute-Transfer Simon Makienok kam zwar schon zum Einsatz, allerdings dauerte der nur sechs Minuten. Nach einem allzu forschen Nachstochern gegen Darmstadts Torhüter sah er Rot. Bei der Auswärtspartie am Freitag gegen Jahn Regensburg ist der Däne, der als einziger aus dem Sextett nicht ausgeliehen, sondern für geschätzte 100.000 Euro verpflichtet wurde, wieder spielberechtigt.

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Für das Trio Terrazzino, Schmidt und Ondrej Petrak gilt, dass sie – wie die gesamte Mannschaft – anfangs überzeugen konnten, ihre Leistungskurve aber in die falsche Richtung zeigt. Womöglich kommen sie noch in Form, doch dann könnte es bereits zu spät sein.

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