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Sind Parkplätze wichtiger als Radwege?

Der Stadtrat entscheidet über die Zukunft des Radverkehrs in Riesa. Im Vorfeld gibt sich Mancher enttäuscht.

Parkplätze ja, Radweg nein: Benjamin Krecksch hätte sich für die Dr.-Külz-Straße (hier Blick Richtung Krankenhaus-Kreisverkehr) einen Schutzstreifen gewünscht. Doch daraus wird nichts.
Parkplätze ja, Radweg nein: Benjamin Krecksch hätte sich für die Dr.-Külz-Straße (hier Blick Richtung Krankenhaus-Kreisverkehr) einen Schutzstreifen gewünscht. Doch daraus wird nichts. © Sebastian Schultz

Riesa. Kurz vor dem Beschluss eines neuen Radverkehrskonzepts für Riesa regt sich Kritik. In einem Brief an die SZ bemängeln die beiden Grünen Ben Krecksch und Volker Herold das Ergebnis der Bürgerbeteiligung, über das am Mittwoch die Stadträte abstimmen sollen.  

Das Duo hatte sich im vergangenen Jahr dafür stark gemacht, dass für das fortgeschriebene Konzept auch die Riesaer befragt wurden. Sie hätten "doch einige Zeit damit verbracht (...), Vorschläge zu sammeln, aufzuarbeiten und einzuschicken", schreibt Volker Herold. Die Antworten der Stadt darauf hätten ihn allerdings enttäuscht. 

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Herold wirft der Stadtverwaltung vor, mit "technokratischer Arroganz" die Vorschläge einfach weggewischt zu haben.  Beispielhaft führen er und Ben Krecksch ihre Idee an, entlang der Dr.-Külz-Straße vom Krankenhaus-Kreisverkehr bis zur Großenhainer Straße eine durchgängige Radverkehrsanlage anzulegen. "Den Vorschlag fand ich eigentlich einen der besten aus unseren gemachten", teilt Volker Herold mit. Die Erwiderung der Stadt, die örtlichen Gegebenheiten erlaubten einen Schutzstreifen nicht, bezeichnet er als "schlicht gelogen". Denn die Markierung sei lediglich wegen der Parkplätze entlang der Straße nicht möglich. "Unser Vorschlag war, diese Parkplätze zu streichen." Der unterschwellige Vorwurf: In der Stadt zählen Parkplätze mehr, als die Sicherheit der Radfahrer. Den Hinweis, es bestünden "im Nebennetz attraktive und sichere Alternativwege", findet Volker Herold schlichtweg frech. Er pocht auf Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer, statt der Bevorzugung von Autofahrern. 

Nicht jeder Vorschlag wurde abgewiesen

Ähnlich liege der Fall beim Vorschlag, einen Streifen für Radfahrer vom Stern bergauf Richtung Innenstadt anzulegen. "Bergab braucht das Keiner, weil da die Radler so schnell sind wie die Autos." Bergauf sei das anders. "Da fährt der Opa aus dem Garten mit seinem Rad langsam, muss dann auch noch wegen der parkenden Autos in die Straßenmitte ausweichen, kann von den Autos nicht überholt werden, die ihm dann hinterher zuckeln und damit Stress machen und dann schnell und womöglich riskant überholen." Die Antwort der Stadt: Laut Regelwerk seien bei Tempo 30, wie es dort gilt, keine Radverkehrswege notwendig. "Diese ganze Idee deshalb wegzuwischen,  zeigt die Herangehensweise der Verwaltung an das Thema", ärgert sich Volker Herold. 

In der 19 Seiten langen Auswertung der Bürgerumfrage melden sich insgesamt 13 Personen oder Personengruppen zu Wort. Längst nicht jeder Vorschlag wurde dabei abschlägig bewertet. Kritik am Zustand einzelner Radwege beispielsweise will das Stadtbauamt prüfen und im Bedarfsfall handeln, heißt es. Auch die Möglichkeit einer Querungshilfe am RIO-Radweg in Merzdorf und Canitz will die Stadt zumindest überprüfen. 

Kritik am Verfahren

Letztendlich sei beim jetzt vorliegenden Konzept der große Wurf ausgeblieben, kritisieren die Grünen. Statt die Vision eines Idealzustandes zu entwickeln, habe man sich zu sehr auf Einzelmaßnahmen beschränkt, die wiederum oft nicht miteinander verknüpft seien. Ein richtiges Netz gebe es nicht. Besonders wurmt Volker Herold aber das Verfahren. Er verstehe nicht, warum in Sachen Radwege in Riesa ein so formales Verfahren gewählt worden sei. "Eine Bürgerversammlung dazu wie beispielsweise zuletzt in Gröba-Merzdorf hätte sicher nicht zu so einer mickrigen Beteiligung geführt." Zumindest aber hätte die Stadt seiner Ansicht nach mit den Einwendern noch einmal den persönlichen Kontakt suchen sollen. "Es kann ja sein, dass wir als Laien in unseren Punkten falschliegen. Aber das hätte man doch im Gespräch besser klären können." 

Wie es besser laufen kann, zeige die Stadt Meißen. "Dort gibt es die AG Radverkehr, in die jede Fraktion ihre Vertreter schicken kann." Damit komme dort auch die Perspektive abseits der Stadtverwaltung zum Tragen. 

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