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Sinning und Riesa nicht zu vergleichen

Seit Ende 1997 "residiert" der Verlag "Deutsche Stimme" im oberbayerischen Sinning. Dort gründete sich Anfang 1998 die "Sinninger Initiative gegen Rechts". SZ sprach mit dem Vorsitzenden Lutz Hollermeier.Was...

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Seit Ende 1997 "residiert" der Verlag "Deutsche Stimme" im oberbayerischen Sinning. Dort gründete sich Anfang 1998 die "Sinninger Initiative gegen Rechts". SZ sprach mit dem Vorsitzenden Lutz Hollermeier.
Was hat sich aus Ihrer Sicht zwischen 1997 und 1999 in Sinning an rechten Bewegungen tatsächlich ereignet? Wenn Sie damit Aufmärsche der NPD oder so meinen, dann muss ich sagen: nichts Offizielles. Aber das Grundstück, wo der Verlag untergebracht ist, ist schon zu einem überregionalen Zentrum der NPD geworden. Mittlerweile wurde uns auch bestätigt, dass hier hochkarätige Leute ein- und ausgehen. Ebenso wissen wir, dass vor allem junge NPD-Leute hier zu Schulungen waren. Sie sind in Sinning sehr selbstbewusst "aufmarschiert".
Welche Aktionen hat Ihr Bündnis in Sinning und Umgebung organisiert? Wie waren die Reaktionen der NPD-Leute? Wir haben bei uns mehrere kleinere Demos mit zwischen 50 und 100 Teilnehmern gehabt. Für einen 700-Seelen-Ort sind das schon recht viele. Seitens der NPD wurden dazu meist Beobachter geschickt, die uns zusahen. Von Verlagschef Apfel und Grundstücksbesitzer Pfahler gab es offene Briefe an die Einwohner, in denen unsere Proteste verunglimpft wurden nach dem Motto "Schließlich zahlen wir hier Gewerbesteuer".
Wie haben sich die politischen Kräfte in Sinning und im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen verhalten? Der Gemeindechef von Oberhausen, zu der Sinning gehört, war Gründungsmitglied unserer Initiative. Hier wurde von Anfang an ganz klar Stellung gegen den Verlag bezogen. Der Landrat hingegen hatte anfangs vollmundig gesagt "Das lassen wir nicht zu", ehe er aus juristischen Zwängen heraus klein beigeben musste.
Unterstützt haben uns vor allem die Grünen, die SPD, der VVN, verschiedene antifaschistische und studentische Gruppierungen sowie die Gewerkschaften. Und die PDS, obwohl sie von 90 Prozent unserer Einwohner schief angesehen wird.
Was raten Sie Riesa für die nächsten Wochen und Monate? Unsere Region kann man ganz sicherlich nicht mit Riesa vergleichen, schon von der Einwohnerzahl her. Zwei Dinge aber trotzdem: Nur, wer immer wieder Flagge zeigt, Zivilcourage deutlich macht, kann bei sich wie anderen die Ängste zurückdrängen. Wir haben daher nicht die ganz großen Aktionen gestartet, aber durch eine "Politik der Nadelstiche" immer wieder das Thema öffentlich gehalten. Dazu gehörten auch Veranstaltungen ganz anderer Art mit einem Liedermacher oder einem Vortrag zum Thema.
Und ein zweites "Rezept": Bündnisse müssen auf breiten Füßen stehen. Wir haben daher versucht, viele Gruppierungen und Parteien bei uns einzubeziehen, so zum Beispiel auch drei evangelische Pfarrer.
Insgesamt gehören unserer Initiative jetzt 141 Mitglieder an. Und ein bisschen sind wir schon stolz darauf, dazu beigetragen zu haben, dass der NPD-Verlag samt Versand jetzt aus Sinning verschwindet. Trotzdem bedauern wir natürlich, dass das Ärgernis jetzt anderswo Einzug hält.
Gespräch: Thomas Riemer

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