merken
PLUS Deutschland & Welt

„Der Jugend ist der Spaß abhandengekommen“

Die neue Sinus-Jugend-Studie beschreibt Teenager als zunehmend ernsthaft und besorgt. Ihr größtes Thema: das Klima.

Teilnehmer bei einer Fridays-for-future-Demonstration: Das Klima ist das größte Thema der jungen Generation.
Teilnehmer bei einer Fridays-for-future-Demonstration: Das Klima ist das größte Thema der jungen Generation. © dpa

Berlin. „Der Trend, dass die Jugend zunehmend ernster und besorgter ist als früher, hat sich abermals bestätigt.“ Zu dieser Erkenntnis kommt die renommierte Sinus-Jugend-Studie 2020. Die anhand von Interviews mit 72 aus dem gesamten Bundesgebiet stammenden Menschen im Alter von 14 bis 17 Jahren durchgeführte Studie hat dabei nicht den Anspruch, statistisch repräsentativ zu sein. Sie sei aber in psychologischer Hinsicht charakteristisch, sagen die Initiatoren, zu denen unter anderem die Deutsche Jugendstiftung und die Bundeszentrale für Politische Bildung gehören.

Laut der Studie gilt Individualismus zunehmend als negativ: Jugendlichen in Deutschland sind soziale Werte wichtiger. Viele beklagen eine „Jeder-für-sich“-Mentalität und den fehlenden Zusammenhalt in der Gesellschaft. Die Befragten haben demnach Angst vor zunehmender Polarisierung, Hass und Aggression. Auch der Klimawandel bereitet ihnen Sorgen.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Feiern und Spaßkultur verlören an Bedeutung, auch die Ära der Subkulturen scheine endgültig vorbei zu sein. Zeit für sich selbst haben oder „chillen“ sei vielen wichtiger. „Fast scheint es, als sei der Jugend der Spaß abhandengekommen“, so das erstaunte Fazit der Autoren. Studienleiter Marc Calmbach betonte, für alle Befragten seien Familie, Freunde, Vertrauen, Ehrlichkeit und Treue wichtig. Viele streben ein bürgerliches Leben in der Mitte der Gesellschaft an, das sei erstrebenswerter als Status, Erfolg und Aufstieg. Bei den Berufsvorstellungen spielten insbesondere weiche Faktoren eine Rolle wie Spaß an der Arbeit, Vereinbarkeit mit dem Privatleben und ein gutes Verhältnis zu Kolleginnen und Kollegen. Einkommen stehe in der Regel nicht an erster Stelle.

Von der Politik fühlten sich viele Teenager nicht gehört. Auch die Klimakrise werde nach Ansicht von Jugendlichen von Politik, Wirtschaft und den älteren Generationen nicht ernst genommen.

Dabei zeigen sie sich selbst gerade in Corona-Zeiten mitfühlend gegenüber älteren Familienangehörigen und Risikogruppen, obwohl viele der Jugendlichen genervt von den Einschränkungen sind. Sie hätten zwar wenig Angst davor, sich selbst zu infizieren, befürchteten aber, andere Menschen anzustecken.

Weiterführende Artikel

Corona: Jugend genervt, aber mitfühlend

Corona: Jugend genervt, aber mitfühlend

Laut einer Studie haben 14- bis 17-Jährigen wenig Angst sich anzustecken, befürchten jedoch andere zu infizieren.

Jugendliche aller Lebenswelten beklagen zudem einen notorischen Zeitmangel. Neoliberales Wettbewerbs- und Effizienzdenken würden von den 14 – 17-Jährigen äußerst kritisch gesehen – entsprechend weitverbreitet seien Leistungs- und Konkurrenzängste. Diese neue Ernsthaftigkeit hänge ohne Zweifel auch mit der das 21. Jahrhundert bestimmenden Öko-Katastrophe zusammen, sagen die Autoren. „Viele Jugendliche sind sich darüber im Klaren, dass das Überleben des Planeten in Gefahr ist“, heiß es in der Studie. (SZ/epd)

Mehr zum Thema Deutschland & Welt