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Hoyerswerda

Sirenen-Geheul lässt „Hosenbeine flattern“

Die neue Anlage auf der Bernsdorfer Feuerwehr startet explosionsartig. Die Nerven der Anwohner liegen blank.

Die neue Sirenen-Anlage der Bernsdorfer Feuerwehr besteht aus Lautsprechern. Wenn sie in Betrieb gehen, passiert das schlagartig und mit erschreckender Höchst-Lautstärke.
Die neue Sirenen-Anlage der Bernsdorfer Feuerwehr besteht aus Lautsprechern. Wenn sie in Betrieb gehen, passiert das schlagartig und mit erschreckender Höchst-Lautstärke. © Fotomontage: Linda Herzog/Ralf Grunert

Bernsdorf. Neue Maßstäbe setzt die im vergangenen Jahr auf dem Dach des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Bernsdorf installierte Sirenen-Anlage. Das gilt für die Lautstärke und die Reichweite des Signaltons, aber insbesondere auch für die Beeinträchtigung der Nachbarschaft. Da sind die Grenzen des Erträglichen überschritten.

„Einem Anwohner ist vor Schreck die Kaffeetasse aus der Hand gefallen, als die Sirene losheulte“, schilderte Bodo Rudys (Die Linke) jetzt im Kreise der Stadträte, was ihm zugetragen wurde. Und selbst gestandene Feuerwehrleute kann die Wucht, mit der die Anlage an der Parkstraße in Betrieb geht, noch beeindrucken. „Da flattern die Hosenbeine“, beschreibt der ehemalige Bernsdorfer Ortswehrleiter Uwe Weberbauer, wie es sich in der Nähe anfühlt, wenn die Sirene quasi ohne Vorwarnung gestartet wird. Denn im Gegensatz zu den früheren Sirenen, die von einem Motor angetrieben wurden, der erst einmal auf Touren und damit Höchstlautstärke kommen musste, heulen die Lautsprecher der neuen Anlage sofort unter Volllast auf.

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Es geht um Lautstärke und auch um die Tonlage

„Wenn jemand schreckhaft ist, der fällt womöglich um, wenn die Sirene wie ein Paukenschlag startet“, so die Sorge von Bodo Rudys. Von Anwohnern in Sirenen-Nähe war er gebeten worden, das Problem der Stadtverwaltung vorzutragen. Es geht um zwei Schwerpunkte. Zum einen ist das die Lautstärke der neuen Anlage, zum anderen die Tonlage, die so gestaltet ist, dass einem im medizinischen Sinne die Ohren weh tun“, beschreibt Bodo Rudys, der selbst nicht allzu weit entfernt zu Hause ist. Er spricht von einer Zumutung für die Leute, die da wohnen. Im Auftrag der Anwohner machte er gegenüber der Stadtverwaltung zwei Forderungen auf. So soll die Firma, von der die Anlage errichtet wurde, nachweisen, dass die Lautstärke des Sirenen-Tons nicht gesundheitsschädlich und dass der Tonfall so eingestellt ist, dass er nicht gesundheitsschädlich sein kann.

Dass die neue Sirene lauter als das Vorgängermodell ist, steht nicht nur für Uwe Weberbauer außer Frage. Früher habe er zu Hause die Sirene bei geschlossenem Fenster kaum gehört. Jetzt hört er sie sogar, wenn er sich im Keller aufhält. „Die Sirene hat auch einen ganz anderen Klang und brüllt mit einer ganz anderen Lautstärke.“

„Vielleicht gibt es ja eine bauliche Lösung, damit der Schall die Leute erreicht, die er erreichen soll, die Leute in der Nähe aber nicht aus dem Bett fallen“, erklärte Bodo Rudys und stellte klar: „Keiner, der sich bisher bei mir beschwert hat, besteht darauf, dass die Anlage wegkommt.“

Wäre das Stadtzentrum ein besserer Standort?

Das wiederum wäre eine geeignete Lösung des aktuellen Problems, glaubt Uwe Weberbauer. Er erinnert daran, dass die alte Sirene auf dem Dach des derzeit im Umbau befindlichen Wohn- und Geschäftshauses an der Thälmannstraße 24 installiert war. Im vergangenen Jahr sei von der Stadtverwaltung der neue Standort auf dem Feuerwehrgebäude festgelegt worden. Ein geeigneterer Standort wäre das Stadtzentrum gewesen. Darauf hatte Uwe Weberbauer zuvor hingewiesen. „Dort hätte die Sirene zentraler und ein Stück von den Wohnhäusern entfernt gestanden.“ Lediglich ein Mast wäre aufzustellen gewesen. Eine solche Mast-Lösung wurde ja in Straßgräbchen und in Wiednitz gewählt. „Überall werden Sirenen von den Gebäuden runtergenommen. Bei uns baut man sie drauf.“

Gemeindewehrleiter Ingolf Höntsch (FDP) brachte in der Sitzung des Stadtrats eine andere Lösung ins Gespräch, da er davon ausgeht, dass eine bauliche Änderung der Ausrichtung des Schalltrichters nichts bringen dürfte. Die Alarmierung der Kameraden könnte ausschließlich über die Funkmelder erfolgen. Derzeit läuft parallel noch die Sirene. Es könnten aber auch bestimmte Tages- und Nachtzeiten und Feiertage festgelegt werden, an denen die Sirenen stumm bleiben und nur auf den Funkmelder zurückgegriffen wird. Das sollte mal mit den Ortswehrleitern erörtert werden.

Suche nach einer technischen Lösung

Mit Lothar Zaunig (CDU) sitzt der Ortswehrleiter von Großgrabe auch im Bernsdorfer Stadtrat. Die Sirenen abzuschalten, rät er nicht. Immerhin ist deren Ton auch ein gewisses Warnsignal für die Bürger. Passanten, die sich in der Nähe des Gerätehauses aufhalten, werden gewarnt. Gerade im Bereich der Parkstraße, wo sich auch der Spielplatz am Tiergehege befindet, macht das Sinn. Eltern wissen sofort, dass sie nach ihren Kindern schauen müssen. Das Problem der Sirene auf dem Gerätehaus, merkte Lothar Zaunig an, sei weder die Lautstärke noch die Tonhöhe, sondern dass die Anlage auf einen Schlag losgeht. „Es müsste doch technisch möglich sein, die Lautstärke langsam hochzufahren.“

Bürgermeister Harry Habel (CDU) griff kurzerhand den Vorschlag der Experten in der Ratsrunde auf und kündigte an: „Wir sprechen mit der Herstellerfirma.“

Auf Tuchfühlung zur Lärmquelle

Aber was sagt eigentlich derjenige, dessen Schlafzimmer sich keine 20 Meter von der Sirenen-Anlage entfernt im direkt benachbarten alten Feuerwehrgerätehaus befindet? Feuerwehrmann Sven Hönig fühlt sich nicht sonderlich gestört, meinte er auf TAGEBLATT-Nachfrage. Zwar wohnt keiner näher an der Lärmquelle, aber gerade wegen der Nähe befindet sich seine Wohnung außerhalb des Schalltrichters. Das macht die Geräuschbelästigung erträglich.

Keine 20 Meter von der Sirene entfernt befindet sich im Nachbarhaus die Wohnung eines Kameraden der Feuerwehr. Und der fühlt sich nicht sonderlich gestört.
Keine 20 Meter von der Sirene entfernt befindet sich im Nachbarhaus die Wohnung eines Kameraden der Feuerwehr. Und der fühlt sich nicht sonderlich gestört. © Foto: Ralf Grunert