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Sittener wirft sein Prinzip über den Haufen

Mit 67 Jahren will es Michael Heckel noch einmal wissen und Begonnenes zu Ende bringen. Er kandidiert zur Kommunalwahl – aber nicht nur für die SPD.

Michael Heckel kandidiert in Leisnig als Stadtrat und in Bockelwitz als Ortschaftsrat.
Michael Heckel kandidiert in Leisnig als Stadtrat und in Bockelwitz als Ortschaftsrat. © Dietmer Thomas

Leisnig/Bockelwitz. Das Rentenalter hat der Sittener inzwischen erreicht. Trotzdem will er sich nicht aufs Altenteil zurückziehen. „Arbeit ist Teil meines Lebensinhaltes. 25 Jahre als Bürgermeister und hauptamtlicher Ortsvorsteher haben mich geprägt“, erklärt Michael Heckel, weshalb er sich noch eine Legislatur in der Kommunalpolitik „antun“ will. „Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sagen: Schön, das sich zuhause bleiben darf.“

Mit der Kandidatur als Stadtrat von Leisnig verstößt Heckel gegen sein eigenes Prinzip, dass ein ehemaliger Bürgermeister nicht in ein Parlament gehört. „Ich bin jetzt schon eine lange Zeit als Ortsvorsteher ohne Stimmrecht dabei. Aber warum soll ich in dem Gremium nicht mitreden und mitbestimmen können?“ 

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Er kann und will sehr wohl. Das habe ihn zum Umdenken bewogen. Und wenn er schon gegen sein Prinzip verstößt, dann nimmt er sich wenigstens vor, nicht belehrend sein zu wollen. „Es hat sich in der Zusammenarbeit zwischen Leisnig und Bockelwitz einiges verbessert“, schätzt der 67-Jährige ein. Optimal laufe es aber trotzdem noch nicht. Als Ansporn sieht er daher, das Miteinander von Verwaltung und Ortschaftsrat zu einer anderen Qualität zu führen.

Seit Bekanntwerden seiner Kandidaturen ist Heckel nicht erst einmal gefragt worden, weshalb er sich für die SPD um ein Stadtratsmandat bewirbt, aber für die Wählervereinigung in den Ortschaftsrat von Bockelwitz einziehen will. Bei der SPD gebe es die Regelung, wenn sich die Partei um Mandate bewerbe, dann sollten die Mitglieder das auch für ihre Partei tun. „Dem habe ich mich sozusagen gefügt“, erklärt er. Für den Ortschaftsrat gebe es keine andere Liste als die der Wählervereinigung. „Deshalb musste ich mich nicht entscheiden. Und die Wählervereinigung war ja damals auch sozusagen mein Kind.“

Dass jetzt zwei Herzen in seiner Brust schlagen, daraus macht der Sittener keinen Hehl. Deshalb ist er froh, dass er sich bei einem Einzug ins Stadtparlament gegebenenfalls nicht gegen seine bisherigen Mitstreiter der Wählervereinigung positionieren müsste. „Wir haben entschieden, dass Wählervereinigung und SPD-Vertreter eine gemeinsame Fraktion bilden werden“, so Michael Heckel.

„Wenn ich gewählt werde, dann ist die nächste Wahlperiode mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit meine letzte“, sagt er. In der wolle er noch einiges zu Ende bringen. Als Erstes nennt er die Flurneuordnung. „In Altleisnig sind wir da schon gut vorangekommen. Die Verfahren Bockelwitz und Polkenberg laufen sicher noch bis 2022. Die würde ich schon gern mit abschließen“, erzählt Heckel. 

Er gehörte in Sachen Flurneuordnung zu den Befürwortern der ersten Stunde in den damals neuen Ländern. „Eine ordentliche Bewirtschaftung der Flächen ist für die Landwirte überlebensnotwendig“, begründet Heckel sein Engagement auf diesem Gebiet. Er wird nicht müde, dafür um Verständnis zu werben – bei den Einwohnern in der Stadt und kompromisslosen Naturschützern.

Um Strukturen geht es ihm auch auf anderem Gebiet. „Wir müssen die geschaffene Infrastruktur erhalten.“ Damit meint er den Zustand der Straßen genauso wie die gute Ausstattung von Stadt und Land mit Kitas und Schulen oder das kulturelle Angebot, die Vereinsvielfalt und auch die vorhandene Wirtschaft.

Mit dem Zustand der Straßen in der Altgemeinde Bockelwitz, so scheint es Heckel, seien die Einwohner zurzeit nicht so zufrieden. Er hofft, dass in diesem Punkt einiges nachgeholt wird, wenn die Flutschäden von 2013 Mitte dieses Jahres beseitigt sind. Dann sollte wieder Kraft für anderes da sein. „Sicher, Bockelwitz hatte schon fast 30 Ortsteile. Jetzt sind es 40, und an alle sollte gedacht werden“, findet Heckel. 

Auch für die inzwischen geänderte Wichtung von Aufgaben in der Großkommune Leisnig wirbt er um Verständnis. Das heiße allerdings nicht, dass er an Beharrlichkeit nachlasse. „Die Gleichberechtigung aller Ortschaften ist mir nach wie vor wichtig.“