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Raus aus der Nische

Die Sitzvolleyballer des Dresdner SC sind sehr erfolgreich. Nur wissen das zu wenige. Das soll sich mit dem Inklusionssporttag am Wochenende ändern.

Wenn Alexander Schiffler auf dem Spielfeld ist, legt er seine Prothese ab, denn Beine stören nur beim Sitzvolleyball.
Wenn Alexander Schiffler auf dem Spielfeld ist, legt er seine Prothese ab, denn Beine stören nur beim Sitzvolleyball. © Robert Michael

Es sieht aus wie Volleyball, doch gespielt wird im Sitzen. „Man bewegt sich durch Rutschen oder stützt die Handgelenke auf und hebt sich so leicht ab. Aber im Moment der Aktion muss der Rumpf auf dem Boden sein“, erklärt die Pragerin Kristýna Kůtová eine Grundregel vom Sitzvolleyball – einer Sportart, die hierzulande kaum jemand kennt.

Die besten Mannschaften der Welt kommen aus Bosnien-Herzegowina, Iran, Russland und den Niederlanden. „Da das Netz niedriger hängt und die Bälle kürzer fliegen, ist alles noch mal einen Tick schneller und dynamischer als beim richtigen Volleyball“, sagt Kůtová, die beide Varianten spielt.

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Am Wochenende ist Gelegenheit, den seltenen Sport aus der Nähe zu erleben. In der Sporthalle des Gymnasiums Bürgerwiese findet das 2. DSC-Sitzvolleyballturnier statt. Zehn Mannschaften aus Deutschland und Tschechien werden um den „Elbflorenzpokal“ kämpfen. Parallel veranstaltet der Stadtsportbund Dresden seinen jährlichen „Inklusionssporttag“.

Auch Kůtová ist mit ihrem tschechischen Klub Kometa Praha dabei. Außerdem betreut sie die Männer-Nationalmannschaft, die ebenfalls antritt. Kůtová war es auch, die Sitzvolleyball in Tschechien vor fünf Jahren überhaupt erst aus der Taufe hob. Auch wenn der Sport für Spieler mit Handicap erfunden wurde, kann er von jedem gespielt werden. „Doch die meisten unserer Spieler haben eine Behinderung“, sagt sie. Für die Tschechen geht es am Wochenende vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln. Denn das Turnier ist hochkarätig besetzt. Mit dem BV Leipzig ist sogar ein ehemaliger deutscher Meister dabei. Und beim gastgebenden DSC spielt mit Alexander Schiffler sogar ein Paralympics-Bronzemedaillengewinner mit.

Beim Aktionstag „Inklusiv Sport erleben“ präsentieren am Sonnabend von 10 bis 15.30 Uhr viele Sportklubs ihre Angebote für Menschen mit Behinderung in der Turnhalle des Gymnasiums Bürgerwiese. 

Unter anderem kann man sich in Rollstuhlbasketball, Bogenschießen, Rollstuhlrugby und Boccia ausprobieren. 

Das Sitzvolleyballturnier des DSC geht nach der Vorrunde am Sonntag in die Entscheidung.

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Der 37-Jährige setzt sich dafür ein, dass sich Sitzvolleyball in Dresden etabliert. Die Integration des ehemaligen Freitaler Teams in den DSC war ein erster wichtiger Schritt. „Doch in unserem Sport hängt noch zu viel von Einzelpersonen ab“, weiß Schiffler, der in Leipzig und Berlin zum Spitzensportler reifte. Eigentlich „ein geborener Schwimmer“, wie er selbst sagt, musste ihm nach einem Knochenkrebs ein Teil des Beins amputiert werden. „Auf Sitzvolleyball stieß ich zufällig über einen Aushang in der Orthopädie-Firma, die meine Prothese herstellte.“ Ähnlich ist es auch noch heute. Um neue Mitglieder zu gewinnen, sind Schiffler wie Kůtová noch zu sehr auf den Zufall oder Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen.

Deshalb hat es sich Schiffler zur Aufgabe gemacht, seinen Sport bekannter zu machen. Die Partnerschaft mit den Tschechen spielt dabei eine große Rolle. „Für uns ist wichtig, dass unser Sport gespielt wird. Also ist jede Kooperation gut.“ Für Prag spricht auch die Nähe. Im Umkreis von Dresden wird nur noch in Leipzig und der Volleyball-Hochburg Wrocław (Breslau) gespielt. Berlin und Magdeburg haben gute Mannschaften, sind aber schon weiter weg.

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Die Zusammenarbeit mit den Tschechen bezieht sich aber nicht nur auf das Turnier. „Wir waren auch schon zu ihrem Turnier in Prag und hatten ein gemeinsames Trainingslager“, sagt Schiffler. Nun sind die Tschechen zum ersten Mal in Dresden zu Gast. Das ist auch ein Grund, warum das Turnier zugleich im Rahmen des Deutsch-Tschechischen Sportjahres für Menschen mit Behinderung läuft. Schiffler will diese Aktivitäten weiter in Richtung der Schulen ausbauen und bekommt dabei auch Unterstützung vom deutsch-tschechischen Bildungsverein „Schola Ludus“. Dafür ist ihm kein Ziel zu groß: „Wir wollen etwas aufbauen, das Erfolg hat“, sagt er.

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