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Weltmarktführer schreibt Erfolgsgeschichte in Görlitz

Die Skan-Gruppe entschied sich 2012 für Görlitz. Jetzt hat das Unternehmen bereits 170 Mitarbeiter hier - und weitere freie Stellen.

Marko Töpfer arbeitet am Prototyp für eine neue Generation von Isolatoren von Skan.
Marko Töpfer arbeitet am Prototyp für eine neue Generation von Isolatoren von Skan. © Nikolai Schmidt

Es sind nur zwei, drei Geräte von dem neuen Isolator, die in der Skan-Halle stehen. Äußerlich sehen sie kaum anders aus als die mittlerweile gängigen Apparate für die Pharmaindustrie. Doch es fehlen die Handschuhzugänge in den Innenraum des Isolators. Dort würden die Pharma-Mitarbeiter hineinschlüpfen, um dann in dem Isolator ihre Arbeit zu erledigen.

Künftig ist das aber nicht nötig, weil kleine Roboterarme in dem Gerät die menschliche Hand ersetzen. Vor allem aber die Gefahr minimieren, dass störende Verunreinigungen in den Apparat gelangen. Es ist eine neue Technologie, die der italienische Partner "Pharma Integration" aus Siena entwickelt hat.  "Industrie 4.0", sagt der Görlitzer Werkleiter Mario Ludwig, "nehme immer mehr Raum ein."

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Seit 2013 baut Skan an seinem Görlitzer Standort

So sieht das neue Verwaltungsgebäude von Skan in Görlitz-Hagenwerder aus.
So sieht das neue Verwaltungsgebäude von Skan in Görlitz-Hagenwerder aus. © Nikolai Schmidt

Das ist sowohl inhaltlich als auch im wahrsten Sinne des Wortes zu nehmen: Raum. Seit  die Schweizer Skan AG 2013 den ersten Spatenstich in Hagenwerder setzte, baut das Unternehmen an seinem Görlitzer Standort. Erst die Montagehalle, dann die ersten Erweiterungen. Nun wurde ein neues Verwaltungsgebäude errichtet. 

Platz genug ist da, denn die Schweizer hatten gleich ein so großes Grundstück gekauft, dass die Erweiterungen problemlos möglich sind. Schon jetzt sind rund 18 Millionen Euro investiert worden.

4,5 Millionen Euro flossen in das neue Verwaltungsgebäude

Paul Leubner arbeitet im neuen Verwaltungsgebäude der Skan Deutschland GmbH.
Paul Leubner arbeitet im neuen Verwaltungsgebäude der Skan Deutschland GmbH. © Nikolai Schmidt

4,5 Millionen davon flossen in das neue Verwaltungsgebäude, das Anfang Mai groß eingeweiht werden sollte. Aber unter den Corona-Bedingungen war eine solche Menschen-Ansammlung nicht möglich, so wurde das Fest zwar nicht abgesagt, wie die Personalchefin Nancy Wauer sagt, "aber verschoben". Und Mario Ludwig hat diese Verschiebung im Stillen schon öfter begrüßt. Denn wie es halt beim Bauen manchmal so ist: Da fehlt noch ein Stück Fußboden, dort die Büroausstattung. So ziehen in diesen Tagen noch immer die Mitarbeiter aus dem Einkauf und der Produktionsvorbereitung um, auch Mario Ludwig muss sein neues Büro noch beziehen. 

Es sind offene, lichte Räume, die entstanden sind. Sie stehen auch für die Philosophie des Schweizer Unternehmens: Viele Beratungs-Sitzecken für die Teams, durchsichtige Glaswände in die Büros, moderne Arbeitsplätze. Und in der Kantine sorgen wahlweise Ansichten eines Birken- oder eines Buchenwaldes für Entspannung.  

Görlitz ist jetzt Nummer zwei in der Skan-Gruppe

Innerhalb von sieben Jahren hat sich der Görlitzer Standort zum zweitgrößten in der Skan-Gruppe entwickelt. Skan liefert Schaltschränke und Isolatoren für die Pharmaindustrie. Die Großen der Branche wie Roche und Novartis oder Merck und GlaxoSmithKline stehen in der Kundenkartei. Anfangs wurden in Görlitz vor allem Bleche bearbeitet, die Isolatoren für die Pharma- und Chemieindustrie mit elektrischen Leitungen versehen.

Dann gingen die Anlagen zurück in die Schweiz, um fertiggestellt zu werden. Görlitz war die verlängerte Werkbank für das Unternehmen aus einem Baseler Vorort, das wegen der Franken-Stärke und der europäischen Märkte unbedingt in einem EU-Land produzieren wollte - und dabei auf eine Standortwerbung des früheren Görlitzer Wirtschaftsförderers Lutz Thielemann aufmerksam wurde.

Doch mittlerweile sind bei Skan in Görlitz nicht nur Schweißer und Elektriker im Einsatz, sondern auch Ingenieure, die sich um den gesamten Produktionsablauf kümmern.  Sie werden in der firmeneigenen Academy in der Schweiz ausgebildet.  "Und es werden immer mehr", sagt Mario Ludwig mit Stolz in der Stimme. Der Neißeauer, der sich in seiner Heimatgemeinde auch als Gemeinderat engagiert, strebte das immer an. Nun ist er auch stolz darauf, dass Männer und Frauen je zur Hälfte die Führungsmannschaft um ihn ausmachen.

Mario Ludwig leitet den Görlitzer Standort der Skan Deutschland GmbH.
Mario Ludwig leitet den Görlitzer Standort der Skan Deutschland GmbH. © Nikolai Schmidt

Skan profitiert eher von der Corona-Pandemie

In der Corona-Pandemie zeigt sich nun auch, wie krisenunabhängig Skan ist. Die Isolatoren und Reinraumanlagen sind gerade jetzt besonders gefragt, wo doch die Chemie- und Pharmaindustrie an neuen Medikamenten und Impfstoffen forscht und arbeitet. So spürt Skan auch keine Einbußen durch Corona. Obwohl das Unternehmen in Görlitz Kurzarbeit anmeldete, musste kein Mitarbeiter bislang in die bezahlte Freizeit geschickt werden.

Zwischenzeitlich musste Skan improvisieren, weil zehn polnische Mitarbeiter und zwei tschechische Leiharbeiter nicht mehr zur Arbeit pendeln konnten. "Aber da war es schon eher schwieriger für alle Mitarbeiter, die Kinderbetreuung  mit der Arbeit in Übereinstimmung zu bringen", sagt Personalchefin Nancy Wauer. 

15 neue Mitarbeiter seit Januar - und es gibt noch freie Stellen

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Sie muss ohnehin dafür sorgen, dass auch genügend Mitarbeiter für den Aufschwung auf der Lohnliste bei Skan stehen. Allein seit Anfang dieses Jahres stellte das Unternehmen 15 neue Mitarbeiter ein und zählt nun 170 Arbeiter und Angestellte. Skan beschäftigt weltweit 900 Personen. Doch auch jetzt hat die Firma freie Stellen. "Wir suchen weiterhin gute engagierte Mitarbeiter", sagt Nancy Wauer. Und Mario Ludwig wird im Stillen dann wieder zu sich sagen: Gut, dass wir noch genügend Fläche zur Erweiterung haben.

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