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Skandalöser Gurkenturm inspiriert die Tschechen

Für einige ist der Turm in Hermanice eine Schande. Die Stadt Hradek ist begeistert.

Von Katja Zimmermann

Hunderte Schaulustige hat der im Herbst 2012 eröffnete Holz-Aussichtsturm „Vokurka“ (Gurke) im Friedländer Zipfel nach Hermanice (Hermsdorf) gelockt. Der Grund: Diese im wahrsten Sinne des Wortes Sehenswürdigkeit hatte wegen ihrer ungewöhnlichen Form im Handumdrehen Spitznamen wie Penisgurke, Gitterpenis oder Tampon weg.

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In Zittaus Nachbarstadt Hradek (Grottau) erhoffen sich die Stadträte nun von den Machern dieses Bauwerks, dem jungen Liberecer Architektenteam mit Namen „Mjölk“, ebenfalls unkonventionelle Ideen für die Neugestaltung ihres Kristyna-Sees, den laut Stadtsprecher Vit Strupl viele Hradeker als das Tafelsilber ihrer Stadt wahrnehmen. Warum es zu dieser Idee überhaupt kam, erklärt Radek Petr, der Chef der Aktiengesellschaft Kristyna: „Nach den zehn Jahren, die wir uns jetzt dem Kristynasee widmen, haben wir gefühlt, dass eine Veränderung nötig ist.“ Er findet es super, dass mit dem Büro „Mjölk“ Architekten gewonnen werden konnten – alle fünf Männer sind Jahrgang 1977 bis 1982 –, die völlig unvoreingenommen an das Projekt herangehen und damit komplett neue und überraschende Ideen entwickeln können. Deren Vorschläge, die sie den Stadträten bereits gezeigt haben, sollen auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Strupl gibt einen Einblick in die bisherigen Vorschläge des angeheuerten Architektenteams: Ein Schwimmbad mit Molen oberhalb der Wasseroberfläche und Holzflächen zum Ausspannen unterhalb der früheren Bademeisterhütte könnten entstehen, ein Sprungturm mit Brettern in drei und sechseinhalb Metern Höhe, ein Kinderspielplatz und verschiedene Arten von Sitzbänken.

Angedacht sind auch ein umgestalteter Südstrand, Waldhäuschen, auf dem See schwimmende Hütten und ein Rundweg um den See, der sowohl über dem Staudamm als auch teilweise über dem See angebracht wird. Eine künstliche Insel könnte zum Bouldern, also zum Klettern ohne Seil und Gurt, genutzt werden. „Normalerweise macht man das ja mit Matten“, erklärt Vit Strupl. Hier jedoch würde der Sturz vom Kunstfelsen einfach im See enden. Wo gibt es so was schon?

Kein Geld für Bänke und Umkleiden

Die Stadt Hradek ist sich im Klaren darüber, dass einige der genannten Ideen verhältnismäßig leicht umgesetzt werden könnten, andere dagegen mit mehr Aufwand verbunden sein würden.

Kristyna-Chef Radek Petr merkt an: „Einen Teil der Einfälle werden wir sicher realisieren wollen.“ Die Vorjahressaison sei für das Erholungsareal Kristyna sehr erfolgreich gewesen. Das Wetter habe sicherlich seinen Teil dazu beigetragen. „Der Frühling kam zwar lange nicht, aber der Juli konnte alles wieder gutmachen“, fasst Vit Strupl zusammen.

Sowohl die Stadt als auch die Aktiengesellschaft seien sich jedoch darüber im Klaren, dass es für eine erfolgreiche Zukunft der Kristyna nötig ist, daran zu arbeiten, dass das Areal immer attraktiv ist. 2013 jedenfalls musste auch ein Rückschlag verkraftet werden: Beantragte Fördermittel, mit deren Hilfe die Wege dort befestigt und die Spielplätze, die Bänke und die Umkleidekabinen erneuert werden sollten, wurden nicht genehmigt.

Hradeks Bürgermeister Josef Horinka erinnert sich: „In dieser Zeit bekam ich einen Artikel über die Architektengruppe Mjölk in die Hände, die zum Beispiel den Aussichtsturm bei Hermanice, Gurke genannt, realisiert hatte.“ Sofort habe er sie angesprochen und gebeten, doch mal mit ihren Ideen vorbeizukommen, wie sie den Kristyna-See attraktiver machen würden. Es darf abgewartet werden, inwieweit die geplante recht unkonventionelle Umgestaltung dem von vielen Menschen im Dreiländereck geliebten Naherholungsziel zu noch mehr Attraktivität verhilft. Und ob es vielleicht – so wie der „Gitterpenis“ von Hermanice – in Zukunft Hunderte Schaulustige aus der weiteren Region anlockt. Der ungewöhnliche Turm hat es nämlich überregional und auch im Ausland in Zeitungen und ins Fernsehen geschafft. Und es kommen auch jene zum Schauen, die ihn gewöhnungsbedürftig finden.