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Skaten für den Mut

Im Skaterpark Weißwasser soll bald ein besonderes Foto-Shooting stattfinden. Vielleicht bald auch in Niesky?

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© Stephanie Karch

Von Susanne Sodan

Damit hatte Stephanie Karch nicht gerechnet. Eigentlich ging es nur um eine Übung. Die Hobbyfotografin suchte über Facebook nach einem Modell, nach einem Skater. Schnelle Bewegungen, Sprünge, Drehungen – wie hält man das am besten in einem Bild fest? Am Ende hatte sie ihr Modell gefunden, über sieben Facebook-Ecken: Thomas Winkler, der einzige Skateboarder in Deutschland mit Beinprothese. Durch einen Unfall verlor er 2008 den linken Unterschenkel. „Als er sich auf meinen Aufruf gemeldet hat, war ich erstmal sprachlos“, erzählt Stephanie Karch.„Innerlich habe ich aber einen kleinen Luftsprung gemacht. Dass sich jemand so einzigartiges von mir fotografieren lässt ...“

Thomas Winkler hat es gerne gemacht. Skateboard-Fahren, für ihn ist das ganz normal. Es war sein Hobby vor dem Unfall und ist es danach geblieben. „Aber dass andere Leute es interessant finden, freut mich.“ Denn mit seiner Geschichte will er anderen Mut machen.

Beide, Fotografin und Skater, kommen aus der Oberlausitz. Thomas Winkler lebt in Wilthen bei Bautzen, Stefanie Karch stammt aus Rietschen. Vor einem Jahr ist sie der Arbeit wegen nach Dresden gezogen. Dort fand auch das Fotoshooting statt, in der Lingnerallee. Wenn alles klappt, soll es noch ein zweites Treffen geben. „Wir haben überlegt, im Skaterpark Weißwasser ein weiteres Fotoshooting zu machen“, erzählt Stephanie Karch. Die Anlage dort ist erst vor Kurzem erneuert worden. Gute Voraussetzungen für Thomas Winkler. „Für mich ist es wichtig, dass ich zum Skaten einen glatten Untergrund habe“, erzählt er. „Bei Beton holt man sich vielleicht mal eine Schramme mehr, Holz federt mir aber zu stark.“

Niesky steht nicht auf dem Fotoshooting-Plan. Niesky hat auch keinen Skaterparcours mehr. Nur die eine Holzrampe steht noch im Rosenpark. An die kann sich auch Thomas Winkler erinnern. Vor Jahren hat er die Anlage einmal besucht. So sieht es nicht mehr lange aus. Nach den Sommerferien hat Niesky wieder einen Skaterpark. Baustart wird der 20. Juli sein, erzählt Sebastian Höbler vom Jugendring Oberlausitz.

Gemeinsam mit einer Gruppe Jugendlicher hat er sich lange für die Sanierung des Skaterparks im Nieskyer Rosenpark engagiert. Was schleppend begann, ist zu einer richtigen Erfolgsgeschichte geworden. Über Crowdfunding, eine Mengenfinanzierung über das Internet, hatten die Jugendlichen und der Jugendring Geld für ein einzelnes der Skaterelemente gesammelt. Mittlerweile ist das Geld für den gesamten Skaterpark zusammen – über das Crowdfundig, über weitere private Spender, über Fördermittel. Das letzte Puzzlestück: „Es ist jetzt auch sicher, dass uns die Stadtwerke Niesky finanziell unterstützen werden“, erzählt Höbler. Macht insgesamt knapp 12 600 Euro. Das reicht genau für die geplante Anlage.

Den Bau übernimmt die Firma Dextor aus Herrnhut. Inhaber Marcel Dextor lädt die Jugendlichen ein, sich weiter zu beteiligen. Während der Bauzeit ab der zweiten Ferienwoche können sie vorbeikommen und mit anpacken. Eine Seer Firma wird außerdem das Material für eine große Sitzgruppe zur Verfügung stellen. „Das ist das besondere an dem Projekt“, erzählt Rolf Adam, Leiter des Jugendringes. „Die Jugendlichen bekommen hier nicht einfach irgendwas hingesetzt, sondern haben von Anfang an selber mitgearbeitet.“

Und es ist weiter Initiative gefragt. Der Skaterpark soll noch erweitert werden. „Ideen gibt es viele“, sagt Sebastian Höbler. Von Anfang an war zum Beispiel überlegt worden, auch eine Art Klettergerüst für die Streetworkout-Sportler aufzustellen. Eine Erneuerung des Bodens unter dem Basketballkorb, eine Schaukel, eine Dirtbike-Strecke – alles Ideen. Um die oder zumindest eine davon zu verwirklichen, will der Jugendring an der Fanta-Spielplatz-Initiative teilnehmen. Die Bewerbung ist abgeschickt. Wenn Nieskys Rosenpark als Teilnehmer aufgenommen wird, heißt es für die Nieskyer wieder: mitmachen. Eine finanzielle Unterstützung von der Fanta-Spielplatz-Initiative bekommen die Projekte, die im Internet die meisten Stimmen bekommen.