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Neues Skigebiet am Jeschken

Der Betreiber will fast sieben Hektar Wald für das Millionen-Projekt abholzen. Doch gegen das Vorhaben gibt's erheblichen Widerstand.

Der Jeschken ist zu jeder Jahreszeit ein beliebtes Ausflugsziel. Nun soll der Liberecer Hausberg eine neue, voll beleuchtete Skipiste bekommen. Dafür müssen etliche Bäume weichen.
Der Jeschken ist zu jeder Jahreszeit ein beliebtes Ausflugsziel. Nun soll der Liberecer Hausberg eine neue, voll beleuchtete Skipiste bekommen. Dafür müssen etliche Bäume weichen. © SZ

Das Skifahren am Jeschken soll attraktiver werden. Dafür ist eine neue Piste namens Nová Skalka geplant: 1,6 Kilometer lang, zwischen 40 und 50 Meter breit und voll beleuchtet. Zudem steht der Ausbau der zwei Strecken Slalomák und Liberecká an. Das alles sehen zumindest die Pläne des Betreibers Tatry Mountain Resorts (TMR) vor, der 120 Millionen Kronen (rund 4,6 Millionen Euro) investieren will. Sein Ziel ist dabei auch, die Sicherheit der Skifahrer zu erhöhen, da die Pisten an manchen Stellen zu eng sind.

Aus diesem Grund müssen fast sieben Hektar Wald weichen, ebenso ein Felsvorsprung. Die von der Umgestaltung betroffene Fläche beträgt sogar 8,5 Hektar. Die Arbeiten sollen bereits im Laufe des Septembers beginnen. "Wir wollen, dass die neue Piste in dieser Wintersaison zur Verfügung steht", sagt der Direktor des Skigebiets Jakub Hanuš gegenüber dem Nachrichtenportal idnes.cz und spricht von Mitte Dezember. 

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Die zuständige Regionalbehörde in Liberec hat den Plänen bereits zugestimmt, wenn einige Bedingungen erfüllt werden: Beispielsweise muss der Betreiber die Skipiste F10/Pod lany teilweise aufforsten,  im unteren Teil der neuen Skipiste Teiche anlegen, auf den abgeholzten Bereichen eine Vorgebirgswiese anlegen und das - bei übermäßiger Bestrahlung für die Augen schädliche - blaue Lichtspektrum der Streckenbeleuchtung verringern. 

Für jeden Hektar Piste doppelt so viel Wald

Während Skifahrer die Pläne begrüßen, sind Umweltorganisationen gar nicht begeistert. Dazu gehört der Verband Rodiče za klima (Eltern für das Klima) Liberec. Er hat  einen offenen Brief an den Betreiber geschickt. "Die verfügbaren Daten zeigen, dass der Betrieb der neuen Piste sehr ungewiss ist", schreibt der Verband. "Dies zeigt sich in der klimatischen Entwicklung der letzten Jahre, in denen wir häufig unzureichende Niederschlagsmengen sehen." Gestiegene Temperaturen im Winter ließen auch oft keinen Kunstschnee zu. 

"Für den Bürger stellt sich daher die Frage, warum Abfahrten gebaut werden sollen, die nach der aktuellen Klimaentwicklung wahrscheinlich nur kurz in Betrieb sein werden",  sagt die Präsidentin des Vereins Anna Kšírová dem Nachrichtenportal. Für sie ist das Szenario sehr wahrscheinlich. Der Verband weist zudem auf eine langfristige Wasserknappheit hin. "Bei unzureichendem Niederschlag wird die Versorgung aus dem Stausee sowohl für die neue Piste als auch für die jetzigen Zwecke nicht ausreichen". 

Den Brief unterzeichneten mehrere Hundert Menschen. "Auch Leute, die gerne Skifahren, aber unsere Argumente verstehen", berichtet die Präsidentin.  Auch wenn die Pläne im September umgesetzt werden sollen, ist es nach ihren Angaben noch nicht zu spät. "Im Moment hat TMR noch keine Baugenehmigung erteilt."

Der Liberecer Verband Čmelák lehnt den Einschlag ebenfalls entschieden ab. Er fordert TMR auf, das Fällen komplett zu unterlassen oder an anderer Stelle mindestens doppelt so viel neuen Mischwald zu pflanzen, um die Auswirkungen auf die Natur auszugleichen. "Wenn der Wald entschädigungslos für die neue Skipiste gefällt werden soll, sind wir bereit, das Fällen physisch zu blockieren", sagt Verbandsgründer Jan Korytář. Auch andere Umweltorganisationen machen auf die Probleme des Projekts aufmerksam. Ihnen zufolge kann ein ausgedehntes Fällen die Stabilität der Wälder auf dem Jeschken schwächen. Die Umgestaltung des Geländes wirke sich auch negativ auf die Bodenerosion aus.

Piste soll mehr Besucher anlocken

Für den Betreiber ist Nová Skalka für die Zukunft des Skifahrens am Jeschken äußerst wichtig. Laut TMR-Direktor Čeněk Jílek wird die Piste dazu beitragen, die größte Schwäche der bisherigen Strecken zu beseitigen - das komplizierte Profil und mit Blick auf die Sicherheit der Nutzer die zu geringen Breiten. Er verspricht sich von der neuen Piste, auch weniger erfahrener Skifahrer und Familien mit Kindern anzulocken. Von den bisherigen Besuchern stammen nur 20 Prozent aus Liberec. 

Nach Gesprächen mit Umweltexperten und der Öffentlichkeit hätten sie das Projekt bereits geändert, um so umweltfreundlich wie möglich zu sein, sagt Čeněk Jílek. So verringerte der TMR den Umfang der Eingriffe in die überwiegend aus Fichten bestehende Monokultur und erhöhte zum Ausgleich den Waldanteil ungenutzter Pisten. "Insgesamt werden wir fast acht Hektar bepflanzen und erhalten", argumentiert der Direktor. 

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