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Smart Home fürs Haustier

Hunde und Katzen lassen sich mit technischer Hilfe überwachen und erziehen. Nicht immer ist das sinnvoll.

Chaos angerichtet – und Herrchen sieht‘s auf Arbeit.
Chaos angerichtet – und Herrchen sieht‘s auf Arbeit. © Markus Scholz/dpa

Von Sabine Maurer

Die Coronakrise wird auch in der Welt von Heimtieren für mehr Technik sorgen. Das meint zumindest Trendforscher Professor Peter Wippermann. „Wir nutzen in der Krise viel mehr Technik als davor, so sind etwa Videokonferenzen selbstverständlich geworden“, erklärt er. Seine Prognose: Dieser Techniksprung wird uns nach Corona erhalten bleiben – und auf die Tiere übertragen werden. Sinnvoll sei das sogenannte Smart Home vor allem für Katzen und Hunde, sagt er.

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Es gibt bereits heute etliche Angebote. „Man kann die Fütterung automatisieren und eine Videoüberwachung installieren“, zählt Wippermann zwei Beispiele auf. Zudem gibt es Katzenklappen, die nur dem eigenen Haustier Zutritt gewähren. Hunde und Katzen können per GPS geortet werden, und für die Hinterlassenschaften der Stubentiger werden selbstreinigende Katzenklos angeboten.

Fachleute begrüßen diesen technischen Fortschritt, vor allem die Möglichkeit, das Tier per Video jederzeit sehen zu können. „Das wirkt sehr beruhigend auf die Psyche des Halters und kann auch zum Training genutzt werden“, sagt Hundetrainerin Chris Maron. Sie setzt selbst auch auf Videotechnik, um ihrem Welpen langsam das Alleinbleiben beizubringen. Dazu nimmt sie die Kamera mit vor die Tür und beobachtet das Verhalten des Tieres im Haus. „Man sollte aber nur beobachten und nicht mit dem Welpen reden“, rät sie. Denn damit werde eine Erwartungshaltung bei dem Tier aufgebaut, dabei solle das Weggehen und Wiederkommen seines Halters für ihn unspektakulär sein. Sinnvoll kann dagegen das Reden über Lautsprecher beim Training der Hunde sein, die alleine zu Hause Angst haben.

Chip wird in Katzennacken injiziert

Wenn sie sich entspannen, werden sie gelobt. Dieses Training wird langsam aufgebaut. Zunächst geht der Besitzer ganz kurz aus dem Zimmer, lobt über das Mikrofon und kommt sofort wieder. „Aber es gibt auch Tiere, die drehen am Rad, wenn plötzlich die Stimme erklingt. Das muss man ausprobieren“, sagt Maron. Gar nichts hält sie davon, die Hunde per Lautsprecher zu maßregeln, etwa wenn sie die Abwesenheit ihres Menschen dazu nutzen, sich verbotenerweise auf der Couch niederzulassen, den Mülleimer zu leeren, die Tapeten von der Wand zu reißen oder Pflanzen auszutopfen. „Für den Hund ist das Aufmerksamkeit und damit etwas Positives.“

Zwar kann es durchaus sein, dass sensible Hunde auf einen rauen Ton wunschgemäß reagieren. Doch wenn nicht, hat der Halter keine Möglichkeit, weiter auf seinen Hund einzuwirken. Wenn es ganz schief läuft, lernt der Hund sogar, dass er auf eine Ansprache seines Besitzers nicht reagieren muss, schließlich folgt keine Konsequenz und daraus ziehen Hunde sehr schnell ihre Schlüsse. „Man sollte von einem Hund nur das verlangen, was man auch durchsetzen kann“, sagt Maron.

Katzenexpertin Michaela Asmuß sieht die Erziehung per Video dagegen kritisch. Im besten Fall reagiere das Tier gar nicht, im schlimmsten werde es verängstigt. „Wir wollen im Training immer positiv arbeiten, dem Tier also zeigen, was es darf“, erklärt sie. Das sei nur über Lautsprecher kaum möglich. Zudem gebe es unter den Katzen sehr lärmempfindliche Tiere, die sich bei einem plötzlichen Geräusch erschrecken.

Sinnvoll sei die Möglichkeit einer Videoüberwachung jedoch etwa bei einer Zusammenführung von mehreren Katzen. „Da kann man vor die Tür gehen und zur Not schnell eingreifen, falls sie sich bekriegen.“ Auch bei einer kranken Katze oder im Urlaub sei es sehr beruhigend, auf diese Weise nach dem Tier sehen zu können.

Katzenklappen über Chip im Halsband steuern

Eine Katze per GPS überwachen zu können, sei einerseits auch sinnvoll, sagt sie. „Man kann verschwundene Tiere wiederfinden und es ist auch spannend, weil man sehen kann, wo sich die Katze so rumtreibt.“ Doch die GPS-Tracker sind an Halsbändern angebracht. Es besteht die Gefahr, dass sich die Katzen damit strangulieren können. Daher müsse das Halsband auf jeden Fall einen Sicherheitsverschluss haben. „Damit können sie aber das Halsband verlieren und der GPS-Tracker hilft dann gar nichts.“

Katzenklappen, die über einen in den Katzennacken injizierten Chip gesteuert würden, seien dagegen Goldwert. So kann kein unerwünschter Besuch eindringen. Zudem lassen sich die Freigang-Zeiten bestimmen, etwa, dass die Katze abends ab acht Uhr nicht mehr raus darf. Sinnvoll sind für Katzen auch Futterautomaten. Diese sorgen dafür, dass die Tiere den Tag über verteilt immer mal wieder was fressen können.

Gar nichts hält Asmuß dagegen von selbstreinigenden Katzentoiletten. Diese meist großen Kästen sind innen eng und haben einen hohen Einstieg. Damit seien sie für eine Katze sehr unattraktiv. Manche Katzenklos fangen zudem mit der Reinigung sehr früh an und rütteln, wenn die Katze noch auf dem Klo ist. (dpa)

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