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Wirken Smiley-Tafeln gegen Raserei?

Ostritz, Oderwitz und Rosenbach haben eine. Bernstadt war mit einem Test unzufrieden. Schönau-Berzdorf überlegt. Ein Verkehrspsychologe rät.

Von Anja Beutler
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Was bringt eine solche Tafel  wie diese in Ostritz an der B99 - erzieht sie die Autofahrer wirklich oder animiert sie zum Rasen?
Was bringt eine solche Tafel wie diese in Ostritz an der B99 - erzieht sie die Autofahrer wirklich oder animiert sie zum Rasen? © Matthias Weber

Wenn schon kein stationärer Blitzer oder Tempo 30, dann wenigstens eine Smiley-Tafel. Das wünschen sich all jene Schönau-Berzdorfer, denen Raserei auf der Hauptstraße seit langem lästig ist. Seitdem ihr Mitbürger Ronny Leyer mit seinem Bauwagen-Protest auf das Problem aufmerksam gemacht hat, sucht die Gemeinde nach einer Lösung. Wie viele davon betroffen sind, zeigte auch eine vollbesetzte Einwohnerversammlung vergangenes Jahr.

Nun steht die Frage, ob sich Schönau-Berzdorf eine solche Tafel zulegen soll. Zu Testzwecken hatte sich die Gemeinde vergangenen Herbst eine beim Landkreis ausgeborgt. "Die Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagt Bürgermeister Christian Hänel (parteilos). Aber bringt eine solche Tafel was? Bernstadts Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste) hatte sich dazu bereits skeptisch geäußert: Als Bernstadt einmal einen solchen Smiley-Tafel-Test in der engen Görlitzer Straße gemacht hat, habe das offenbar einige angespornt, die Anzeige in die Höhe zu treiben - getreu dem Motto: Mal schauen, wer am schnellsten ist.

Nicht alle Tafeln bringen dauerhaft Ruhe

Eine solche Gefahr besteht in der Tat, sagt Jens Schade, Verkehrspsychologe an der TU Dresden. Er und seine Kollegen haben schon mehrere Studien zu diesen Anzeigen gemacht - unter anderem eine groß angelegte für die Unfallforschung der Versicherer. "Dabei haben wir drei verschiedene Arten solcher Tafeln auf ihre nachhaltige Wirksamkeit getestet", erklärt Schade. Im Test waren dabei eine Anzeige, die neutral nur die Geschwindigkeit anzeigt, eine zweite, die bei einer Temposünde die Zahl rot, bei korrektem Verhalten grün anzeigt und ein spezielles Dialog-Display. "Dort war ein richtiges Foto von Kindern zu sehen und ein Schriftzug. War der Fahrer zu schnell, stand die Aufforderung ,Langsamer!' zu lesen, wenn nicht, hieß es ,Danke!'", schildert der Wissenschaftler. Getestet wurden alle drei Tafeln bereits in den Jahren 2009 und 2010 mit insgesamt drei bis vier Millionen Fahrzeugen. Die Aussagen sind also ernst zu nehmen.

Genau dieses Dialog-Display schnitt gerade bei der Nachhaltigkeit am Ende am besten ab. Denn im Gegensatz zu den anderen getesteten Varianten, stumpften die Autofahrer auch auf lange Sicht hier nicht ab - was sonst zu beobachten war. Außerdem animiert die Version mit dem Kinderbild auch niemanden zum Tempo-Testen: "Dieses Display zeigt die gemessene Geschwindigkeit nicht an", erklärt Jens Schade. Der Effekt lässt sich auch psychologisch gut erklären: Mit dem Foto der Kinder leuchtet dem Fahrer sofort ein, warum er sich an die Geschwindigkeit halten soll. Bei Symbolen - wie den lachenden oder böse schauenden Smileys, so schätzt Schade ein, sei dieser Effekt sicherlich weniger ausgeprägt. Aber kombiniert mit weiteren Maßnahmen - gelegentliche Geschwindigkeitsmessung vor Ort - ließe sich die Wirkung im Sinne der Anwohner sicherlich steigern.

Clevere Strategien verstärken Wirkung

So schätzt das auch die Stadt Ostritz ein. Seit Herbst 2018 hat die Stadt ihre Smiley-Tafel und ist zufrieden. "Wir haben den Eindruck, dass es sinnvoll und wirksam ist", sagt Gundel Mitter von der Stadtverwaltung. Auch von den Einwohnern habe man nichts Gegenteiliges gehört. Um den Gewöhnungseffekt zu verringern, drehe man die Tafel mal in die eine und die andere Fahrtrichtung. Auch der stationäre Blitzer verstärke die Wirkung sicherlich noch. Raserei - um eine Höchstgeschwindigkeit zu erreichen - habe es bislang nicht gegeben, das zeigten die gespeicherten Daten der Tafel.

Auch Rosenbachs Bürgermeister Roland Höhne (CDU) hat mit der Smiley-Tafel in Herwigsdorf bei der Schule gute Erfahrungen gemacht. Sie blinkt seit 2016 die Autofahrer an. "Ich denke schon, dass es einen erzieherischen Wert hat, auch auf Dauer", sagt Höhne. Man schaue als Fahrer automatisch auf die Tafel und auf den Tacho, das bewirke durchaus eine Disziplinierung. Zudem sei die Tafel ja mobil. Das ist sie auch in Oderwitz, wo sie zudem so programmiert wird, dass sie vor dem Kindergarten zu bestimmten Zeiten auf Tempo 30 und nach Feierabend auf Tempo 50 achtet. Da die Technik zudem mit Solar- und Energiespeicherfunktionen ausgestattet sei, könne man sie sehr flexibel nutzen, betonte auf SZ-Nachfrage Hauptamtsleiterin Jana Erbe.

Was die Auswertung von Daten betrifft, so liegen die Zahlen für das noch nicht entschlossene Schönau-Berzdorf inzwischen vor: Nachdem der Kreis seine Tafel vom 5. August bis 1. Oktober der Gemeinde zur Verfügung gestellt hatte, sind die Daten von drei Standorten ausgewertet: Insgesamt wurden 35.326 Kraftfahrzeuge gemessen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 54 Stundenkilometer, teilte Kreissprecherin Julia Bjar mit. Bei dieser geringen Abweichung - Tempo 50 ist Pflicht - "sind nach gesetzlichen Regelungen keine Maßnahmen notwendig", heißt es. Ein fester Blitzer rückt damit in die Ferne - es bleibt die Frage der Smiley-Tafel.

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