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Smileys für Skassa keine Wunderwaffe

Die Bewohner von Skassa und Wildenhain machen sich gegen den Verkehrslärm im Ort stark. Die Stadt bekundet Verständnis – kann sie aber auch etwas tun?

Trotz der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h hat der Smiley im Großenhainer Ortsteil Skassa keinen Grund zum Lachen: Viele der Laster oder Pkw rasen mit weitaus höherer Geschwindigkeit durch das lärmbelastete Dorf.
Trotz der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h hat der Smiley im Großenhainer Ortsteil Skassa keinen Grund zum Lachen: Viele der Laster oder Pkw rasen mit weitaus höherer Geschwindigkeit durch das lärmbelastete Dorf. ©  Kristin Richter

Skassa/Wildenhain. Zwei Dörfer ein Problem: Die beiden Großenhainer Ortsteile Skassa und Wildenhain sind zumeist das, was Besucher nicht gerade als eine ruhige Wohnlage bezeichnen würden: Rattern, Poltern, Scheppern oder Aufheulen. 

Wahre Blechlawinen schieben sich sowohl auf der Staatsstraße S 40 als auch auf der Bundesstraße B 98 an den Häusern der lärmgeplagten Bewohner vorbei. Ist den Wildenhainern zumindest bis 20. September aufgrund des Breitbandausbaus erst einmal eine kleine akustische Verschnaufpause vergönnt, werden die Nerven der Skassaer nun durch die Umleitungsstrecke erst recht strapaziert. 

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In einem Gespräch beklagten sie, dass Großenhains Stadtväter tatenlos dem Lärmspektakel beiwohnen würden, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Die SZ sprach über die Probleme mit Matthias Schmieder, Geschäftsbereichsleiter für Stadtkultur und Ordnung.

Herr Schmieder, würden Sie im Moment gern in Skassa wohnen?

Ich bin ehrlich und es wäre glatt gelogen, wenn ich sagen würde ja. Nein, möchte ich gerade nicht. Denn ich weiß, dass es dort zurzeit nicht gerade leise zugeht. Ich war selbst einige Male vor Ort und mit den Anwohnern im Gespräch. Da brauchen wir gar nicht drumherum zu reden! 

Natürlich ist es durch das gestiegene Verkehrsaufkommen aufgrund der Umleitung noch lauter als bisher und ich kann jeden Skassaer – vor allem all jene, die unmittelbar an der Staatsstraße wohnen – verstehen, wenn er beklagt, es ist unerträglich.

Die Skassaer klagen aber nicht nur über die wirklich unüberhörbare Geräuschkulisse. Sie äußern auch massive Sicherheitsbedenken und fühlen sich mit all dem alleingelassen. Eine falsche Wahrnehmung?

Also allein müssen sie sich mit der Problematik nicht fühlen, so viel darf ich ihnen versichern. Wir reden in unseren einzelnen Amtsbereichen, der Bau- und Verkehrsbehörde in den letzten Wochen ständig darüber. Es ist nichts, was wir vom Tisch schieben oder tatenlos aussitzen wollen! 

Im Gegenteil! Wir wissen, dass die Belastungen in Skassa, aber auch in Wildenhain sehr hoch sind. Aber wir haben zwei entscheidende Probleme. Und das sind – wie so oft in Deutschland – das der unterschiedlichen Zuständigkeiten und all jener, die wir als Beteiligte anhören müssen.

Matthias Schmieder, Geschäftsbereichsleiter Stadtkultur und Ordnung.
Matthias Schmieder, Geschäftsbereichsleiter Stadtkultur und Ordnung. ©  Kristin Richter

Was bedeutet das praktisch?

Das bedeutet, wir dürfen als Stadt Großenhain auf den betreffenden Straßen nicht schalten und walten, wie wir wollen! Wir können auf der Staats- oder Bundesstraße nicht alles so anordnen, wie es uns gerade beliebt. Es gibt eben Richtlinien für ein sogenanntes klassifiziertes Straßennetz, denen wir verpflichtet sind.

Dann sollten wir uns vielleicht darüber unterhalten, was alles gehen könnte! Welche Möglichkeiten hat denn die Stadt Großenhain?

Uns wurden als Kommune vor einiger Zeit die Aufgaben einer unteren Verkehrsbehörde übertragen. Das heißt, wir dürfen sogenannte verkehrsrechtliche Anordnungen auslösen und Geschwindigkeitsmessungen durchführen. Während der Skassaer nun sagen wird, ist ja super, das reicht doch, müssen wir leider dagegenhalten. Wir sind als städtische Behörde den geltenden rechtlichen Regularien verpflichtet. Und die geben vor, was tatsächlich praktisch machbar ist und was eben nicht.

Und was ist konkret machbar?

Wir können Verkehrsschilder aufstellen und natürlich auch solche zur Begrenzung der Geschwindigkeit. Allerdings nur so viele, dass der Fahrzeugführer nicht von der Fülle der Anweisungen und bildlichen Angaben abgelenkt wird. Er muss ihre Bedeutung während der Fahrt noch registrieren und umsetzen können. Im Fall von Skassa haben wir die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt. Vor allem, weil dort im Kurvenbereich kein Gehweg vorhanden ist.

Nachdem ich selbst eine Stunde an der Riesaer Landstraße verbracht habe, muss ich den Anwohnern beipflichten, dass diese Geschwindigkeit nicht eingehalten wird. Weshalb wird nicht öfter an diesem Brennpunkt gemessen?

Die Stadt Großenhain verfügt nicht selbst über Geräte zur Geschwindigkeitsmessung. Wir leihen sie uns von einer Firma aus und planen die Messungen bereits bis ins nächste Jahr hinein. Ich kann Ihnen versichern, Skassa zählt da für uns definitiv zu den Schwerpunkten! 

Messungen von der Polizei haben vor ein paar Wochen in der Zeit von 8.15 bis 9.30 Uhr jedoch ergeben, dass nur ein Fahrzeug von insgesamt 88 Pkw und Lastern die Geschwindigkeit um 17 km/h überschritten hat. Für die Polizei leitet sich daraus kein verkehrlicher Brennpunkt ab. Aber keine Frage, wir bleiben auch da dran.

Die Anwohner haben das Aufbringen einer 30 auf die Straße vorgeschlagen. Bis jetzt ist noch keine zu sehen. Hapert es an Farbe oder darf auch das nicht sein?

Doch, es darf sein! Und wir haben diese Markierung auch beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), welches für die Realisierung dieser 30 zuständig ist, angemahnt. Sobald die Riesaer Straße nicht mehr als Umleitungsstrecke fungiert, wird die visuelle Erinnerung aufgebracht!

Der pädagogische Smiley, welcher die Geschwindigkeit anzeigt, steht bereits da. Allerdings scheint er nicht allzu viel Abschreckendes zu bewirken, oder?

Wer selbst mit dem Auto fährt, weiß selbstkritisch, wie er sich verhält. Er tritt auf die Bremse und fährt wenig später in gewohnter Manier weiter. Deshalb halte ich auch nichts davon, diese Smileys überall aufzustellen. Sie sind keine Wunderwaffe gegen jegliche Situation dieser Art.

Herr Schmieder, unterm Strich gibt es vieles, was nicht oder nur bedingt geht. Was ist nun aber die Wunderwaffe der Stadt Großenhain im Falle von Skassa?

Keine Wunderwaffe, aber Pläne für eine bauliche Veränderung am Ortseingang. Wir wollen gern an dieser Stelle die Fahrbahn verengen, damit die Leute dazu gezwungen werden, langsamer zu fahren. In der Sächsischen Schweiz oder in Brandenburger Ortschaften hat sich das sehr bewährt. 

Fest aufgebrachte Temposchwellen dagegen nicht. Sie erzeugen eine andere Art von Lärm. Abgesehen davon, bemühen wir uns gerade darum, kurzfristige Lösungen bis zum Bau der Fahrbahnverengungen zu schaffen. Allerdings warten wir da noch auf die Genehmigungen.

Die Entwürfe zur Fahrbahneinengung werden in der Ortschaftsratssitzung am 10. September ab 18 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Skassa vorgestellt.

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