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So ärgern sich Dresdner über das Wort "Nazinotstand"

„Ist der Stadtrat noch bei Sinnen?“ Bei Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gehen erboste Mails ein. Auch die SZ-Leser äußern sich.

Die Dresdner reagieren auf den "Nazinotstand"-Beschluss des Stadtrats zum Teil sehr kritisch.
Die Dresdner reagieren auf den "Nazinotstand"-Beschluss des Stadtrats zum Teil sehr kritisch. © Sven Ellger

Wenige Beschlüsse des Stadtrates sorgten für so viel Wirbel wie die Grundsatzerklärung gegen Rechtsextremismus. Wegen des Titels „Nazinotstand?“ schlug dieser weltweit Wellen. Dresdner schrieben deshalb Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), und auch SZ-Leser diskutieren das Thema.

„Sind Sie im Stadtrat eigentlich noch ganz bei Sinnen einen Nazinotstand auszurufen?“, fragt ein Bürger OB Hilbert. „Bei so einem Schwachsinn muss man sich nicht wundern, wenn die AfD immer mehr Zulauf bekommt.“ 

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„Ich verwahre mich hier ausdrücklich gegen den ausgerufenen sogenannten „Nazinotstand““, schreibt ein anderer. „Diese Bezeichnung impliziert alle Bürger der Landeshauptstadt Dresden unter Generalverdacht. Dies ist unzulässig ...“ Er fordert OB Hilbert auf, dem Beschluss zu widersprechen „und die Thematik in sachliche Bahnen zu lenken“. 

Ein weiterer Dresdner meint, der Stadtrat habe bundesweit einen schlechten Ruf. „In keinem Stadtrat gibt es so viele Selbstdarsteller. Der Beschluss zum Nazinotstand beweist den intellektuellen Tiefgang, vor allem der linksgrünen Stadträte.“ Ein „Spaßvogel“ von Die Partei habe den Stadtrat in diesem Fall diktieren können, damit sei die Glaubwürdigkeit insgesamt aufgebraucht. „Beschäftigen Sie sich mit den Problemen der Bürger“, fordert er.

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Positiv ordnet SZ-Leser Ralf Vorwachs den Beschluss ein. „Ich nehme nach der jahrelangen Hinnahme der Schreihälse von Pegida und des Aufstiegs der AfD zur Kenntnis, dass man in der Dresdner Stadtpolitik aufgewacht und nun doch bereit dazu ist, sich gegen die Nazis zu wehren.“ Das überrasche ihn. „Hat man am Ende im Rathaus doch gelernt?“ Ganz anders sieht das Karsten König. „So ein Schwachsinn was ... beschlossen wurde ... Ich lebe seit fast drei Jahren an der Prager Straße und habe noch nie Nazis gesehen.“ Der Stadtrat ... sollte sich für seine „verlogene Politik“ schämen. „Wir Dresdner Bürger werden alle pauschal in die rechte Ecke gestellt“, schreibt Angelika Gäbel. „Ist das nicht ein Armutszeugnis, ratlose Volksvertreter?“ Ihr fehlen „klare, gute Vorschläge“ aus der Politik gegen rechte und linke Gewalt.

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