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So arbeitet der Vorzeigereiter am Comeback

Der Rothenburger Philipp Schober hat nach einem Reitunfall einen Personal Trainer engagiert.

Was wie Freizeitidylle aussieht, ist die Vorstufe zu harter Arbeit. Um baldmöglichst wieder in den Reitsattel zurückzukehren, arbeitet der Rothenburger Philipp Schober mit Physiotherapeutin Franziska Horschig und Personal Trainer Richard Funke zusammen.
Was wie Freizeitidylle aussieht, ist die Vorstufe zu harter Arbeit. Um baldmöglichst wieder in den Reitsattel zurückzukehren, arbeitet der Rothenburger Philipp Schober mit Physiotherapeutin Franziska Horschig und Personal Trainer Richard Funke zusammen. © André Schulze

Diesen Moment wird Philipp Schober so schnell nicht vergessen. Am Pfingstwochenende wollte der Rothenburger Reiter beim Traditionsturnier in Horka seinen Erfolgen aus den vergangenen Jahren neue Siege hinzufügen. Dafür schonte er weder sich noch seine Pferde. Dann allerdings kam alles anders als gedacht. Fünf Tage vor den ersten Starts lag der 31-Jährige plötzlich auf dem Parcours, abgeworfen in hohem Bogen. „Ich bin bestimmt schon hundertmal runtergefallen. Aber diesmal kam das so überraschend, ich konnte gar nicht reagieren.“ 

Schober erinnert sich noch, wie sein Pferd plötzlich einen Buckel machte, „dann schoss ich in die Luft“. Irgendwie überschlug er sich und krachte auf den Boden. Fazit der Ärzte: Außenknöchelfraktur, gebrochenes Sprunggelenk im rechten Fuß. „Das war natürlich eine Riesenenttäuschung für mich. Nicht nur, weil ich mich mit den anderen Reitern messen wollte, sondern auch, weil ich in unserem Sportcenter viele Pferde unterm Sattel habe. Nicht nur die eigenen – auch von Leuten, die ihre Tiere durch mein Training verbessern wollen.“ Darum müssen sich vorerst die Kollegen kümmern. Denn fest steht: Die komplette Freiluftsaison ist futsch.

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Statt sich Medaillen um den Hals zu hängen, humpelt Philipp Schober mit zwei Krücken durch die Gegend. Sein kaputter Knöchel steckt in einer Art Kosmonautenschuh. An Reiten ist momentan überhaupt nicht zu denken. Wohl aber an den Moment, in dem es wieder losgehen soll. „Spätestens im September möchte ich im Sattel sitzen.“ Grund für den Optimismus des Rothenburgers ist sein zweiköpfiges Gesundheitsteam, das er allerdings schon vor dem Unfall engagiert hatte. Franziska Horschig ist Physiotherapeutin und beschäftigt sich zudem mit Pferdeosteopathie. Richard Funke ist Gesundheitscoach und als Personal Trainer für die Fitness des Reiters zuständig.

Die Botschaft, die Schober zuerst aber verkraften musste, war erschreckend: Innerhalb von 48 Stunden verliert der Körper an Stellen, die nicht mehr bewegt werden, bis zu 80 Prozent Muskelmasse. „Deshalb war es gut, dass Philipp schon vor dem Unfall intensiv an seiner Fitness gearbeitet hat. So können wir jetzt auf einem gewissen Level aufbauen, was die ganze Sache leichter und schneller macht“, erklärt Franziska Horschig. Berufsreiter seien anfällig in der Rumpf-, Bauch- und Rückenmuskulatur. Training im Kraftausdauer- und Balancebereich sei deshalb besonders wichtig. An so etwas ist aktuell aber noch nicht zu denken. Die 30-Jährige beginnt bei Philipp Schober – in Absprache mit den Ärzten – mit Lymphdrainage und leichten Muskelspannungsübungen.

Richard Funke muss derzeit noch vorsichtiger agieren. Richtig „quälen“, wie vor dem Unfall, kann er den Rothenburger Reiter nicht. Die beiden haben sich in einem Görlitzer Fitnessstudio kennengelernt, wo der 22-Jährige als Trainer und Ernährungsberater angestellt war. „Für mich war das aber viel zu unpersönlich. Als ich Anfang des Jahres auf dem Hof von Ludger Beerbaum in Riesenbeck trainieren durfte, sah ich, dass es dort Personal Trainer gab. Ich konnte sie selbst in Anspruch nehmen. Und ich sagte mir: So etwas will ich in Zukunft auch.“ 

Wieder zu Hause suchte Philipp Schober den Kontakt zu Richard Funke, um sich von ihm individuell fit machen zu lassen. „Anfangs mussten wir uns natürlich zusammenraufen. Ich habe ihm gesagt, was ich mir wünsche. Nach Probetraining und Übungsplan ging es dann richtig los.“ Mindestens dreimal in der Woche hat Philipp Schober seitdem unter fachkundiger Anleitung Hanteln gestemmt, sich gedehnt und damit seine Muskulatur gestärkt. „Es ist eine 1:1-Betreuung – viel sinnvoller und schneller, um zum Ziel zu kommen“, sagt sein Personal Trainer. Inzwischen kennt der seinen Klienten. „Philipp will Hardcore machen. Das geht natürlich nur nach einem bestimmten Konzept. Das habe ich für ihn entwickelt, ganz individuell.“ Inzwischen profitieren auch andere Klienten von Richard Funkes Gesundheitscoaching. „Junge Muttis, die gerade ein Kind bekommen haben, sind ebenso dabei wie Sportler, Rückenschmerzpatienten oder Leute, die gezielt abnehmen wollen.“ Wichtig sei eine starke Vertrauensbasis. Preislich, meint der Mann aus Geheege, liege ein Personal Trainer nicht viel über dem Fitnessstudio. „Das kann natürlich variieren und richtet sich hauptsächlich nach dem jeweiligen Trainingsziel.“

Für Philipp Schober ist die Zusammenarbeit mit den beiden Gesundheitsexperten „eine Traumkonstellation, damit ich schnell wieder fit werden kann“. Da fällt es auch leichter, dem Grund des momentanen Übels zu verzeihen. „Das Pferd ist sechs Jahre und damit noch sehr jung. Ich habe mit ihm schon ein paar Turniere bestritten. Keine Ahnung, warum es gebockt und mich abgeworfen hat.“ In der Wintersaison will sich der Reiter erneut um das Tier bemühen. Und Angst vor der nächsten unsanften Landung? „Nein. Wenn ich Furcht hätte, könnte ich ja aufhören.“

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