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So arbeitet die Corona-Zentrale Mittelsachsen

Das Gesundheitsamt betreut Covid-19-Infizierte und deren Kontaktpersonen. Am wichtigsten dabei: das Telefon.

Per Telefon beraten die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Corona-Patienten und die Personen, mit denen die Covid-19-Infizierten Kontakt hatten.
Per Telefon beraten die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Corona-Patienten und die Personen, mit denen die Covid-19-Infizierten Kontakt hatten. © Symbolfoto: Daniel Reinhardt/dpa

Landkreis Mittelsachsen. Bis zu 400 Anrufe täglich gingen bereits vor dem eigentlichen Ausbruch der Corona-Pandemie im Gesundheitsamt des Landkreises Mittelsachsen ein. Wie viele es jetzt sind, darüber gibt es keine aktuelle Auskunft. Doch es müssen deutlich mehr sein. Denn das Virus greift auch in Mittelsachsen immer mehr um sich.

„Viele Fragen drehen sich um die Tests und die Einhaltung der Hygieneregeln“, sagt Cornelia Kluge, Pressereferentin am Landratsamt Mittelsachsen. In dieser Wochen seien zudem viele Anrufe von Ärzten gekommen, weil Patienten aufgrund der Ausgangsbeschränkungen ihre Wohnungen nicht verlassen und damit auch wichtige Termine beim Arzt nicht wahrnehmen. „Wichtige Arzttermine, Kontrolluntersuchungen oder Therapiesitzungen sollen natürlich wahrgenommen werden. Wenn Patienten unsicher sind, am besten vorher den Arzt noch einmal anrufen“, erklärte Amtsärztin Dr. Annelie Jordan.

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Das Telefon ist für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes derzeit das wichtigste Arbeitsmittel. Denn es verbindet sie mit den an Covid-19 erkrankten Patienten. Aber auch mit denen, die mit den Betroffenen in Kontakt standen.

Zwei Gruppen von Kontaktpersonen

Mehr als 127 Mittelsachsen haben sich bereits mit dem Virus infiziert. Mit ihnen allen hat das Gesundheitsamt nach dem positiven Testergebnis telefonisch Kontakt aufgenommen und alle notwendigen Informationen erfasst. „Dazu zählen neben der Ermittlung der Kontaktpersonen auch die Rekonstruktion der vergangenen Aktivitäten sowie die Abklärung, ob weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich sind“, informierte Cornelia Kluge, Pressereferentin am Landratsamt Mittelsachsen. Ob zu den Betroffenen regelmäßiger telefonischer Kontakt besteht, werde individuell geregelt. Was jedoch passiert, wenn eine Person mit einem positiven Testergebnis telefonisch nicht erreicht wird, ließ die Pressereferentin offen.

Liegen die erforderlichen Daten der Kontaktpersonen vor, rufen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes auch diese an. Bei den Gesprächen mit den Kontaktpersonen gilt es herauszufinden, „wie eng und intensiv der Kontakt war“, sagt Kluge. Nach Empfehlung des Robert-Koch-Institutes soll ermittelt werden, mit wem der Betroffene zwei Tage vor dem Auftreten der ersten Symptome in Kontakt gestanden hat. Unterschieden wird zwischen zwei Gruppen.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Wer länger als 15 Minuten mit dem Betroffenen in direktem Gesichtskontakt gewesen ist, zum Beispiel mit diesem zusammen lebt, oder direkten Kontakt zu Sekreten oder Körperflüssigkeiten hatte, der hat ein erhöhtes Risiko, sich angesteckt zu haben. In diesem Fall muss das Gesundheitsamt die Person ermitteln. Für diese gilt dann eine häusliche Absonderung. Sie sollte sich oft die Hände waschen, zweimal täglich die Körpertemperatur messen, ein Tagebuch führen, und täglich das Gesundheitsamt informieren. Treten Symptome auf, dann gilt eine sofortige Selbstisolation.

Wer hingegen mit dem Infizierten weniger als 15 Minuten engen Kontakt hatte und auch nicht mit dessen Körperflüssigkeiten oder Sekreten in Berührung gekommen ist, muss sich nicht häuslich absondern. Empfohlen wird allerdings auch für diese Personen, eine Kontaktreduktion zu Dritten, einmal täglich die Symptomkontrolle sowie das Führen eines Tagebuchs.

Über 390 Personen hat das Gesundheitsamt bereits in Quarantäne geschickt. Ob mit den Betroffenen täglich oder regelmäßig Kontakt besteht, werde auch je nach Einzelfall entschieden, so Cornelia Kluge. „Nicht jeder muss sich ständig bei uns melden“, sagt die Pressereferentin. Entscheidend sei auch bei den Personen, die sich in Quarantäne befinden, ob sie Symptome habe. Ist dies der Fall, dann bestehe Kontakt zum Gesundheitsamt.

Geldstrafen bei Quarantäneverstoß

Wer in Quarantäne geschickt worden ist, sollte diese auch einhalten. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes würden entsprechenden Anzeigen nachgehen, erklärte die Pressereferentin. „Wer gegen die Quarantäne-Vorschriften verstößt, macht sich gemäß Infektionsschutzgesetz strafbar. Es drohen hohe Geldstrafen“, so Cornelia Kluge weiter.

Inzwischen ist für die ersten Mittelsachsen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten, die Quarantäne vorbei. Wie sich der Infekt bei den beiden Frauen aus dem Raum Freiberg, bei denen das Virus zuerst nachgewiesen worden ist, ausgewirkt hat, dazu sagt das Landratsamt nichts. „Wir nennen keine Details zu einzelnen Betroffenen“, begründet Cornelia Kluge.

Um die Mammutaufgaben zu bewältigen, hat das Team des Gesundheitsamtes Unterstützung bekommen. An der Hotline sowie den Bürgertelefonen sind auch Mitarbeiter aus dem Verwaltungsstab mit eingesetzt. „Außerdem helfen Beschäftigte des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes bei der Ermittlung der Kontaktpersonen“, sagt Cornelia Kluge. Wie viele Mitarbeiter insgesamt das Thema Corona im Landratsamt managen, dazu gibt es vonseiten der Behörde keine Auskunft.

Dreimal pro Woche Krisenstab

Bereits Anfang März hatte sich ein Corona-Krisenstab im Landratsamt gegründet. Diesem gehören Vertreter aus den verschiedenen Abteilungen des Hauses an, unter anderem aus der Rechtsaufsicht, dem Brand- und Katastrophenschutz, dem Gesundheitsamt sowie auch ein Vertreter der Polizei, so Kreissprecher André Kaiser. „Die Leitung hat Landrat Matthias Damm.“

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Anfangs gab es noch tägliche Treffen des Krisenstabes, diese wurden nun auf drei Termine pro Woche reduziert. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts selbst treffen sich nach Angaben von Kaiser nicht mehr zu einem klassischen Stab. „Es gibt mehr telefonische Abstimmungen zwischen den Mitarbeitern zur aktuellen Lage und den erforderlichen Maßnahmen“, informierte der Kreissprecher.

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