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So begründet Ahrens seinen Rückzug

Der OB von Bautzen gibt seine Bewerbung als SPD-Vorsitzender auf. Am Streit um die AfD soll es nicht gelegen haben.

Der erste und zugleich letzte Auftritt bei der Kandidatentour der SPD: Alexander Ahrens und Simone Lange haben ihre Bewerbung um den Parteivorsitz am Mittwochabend in der Congresshalle Saarbrücken zurückgezogen.
Der erste und zugleich letzte Auftritt bei der Kandidatentour der SPD: Alexander Ahrens und Simone Lange haben ihre Bewerbung um den Parteivorsitz am Mittwochabend in der Congresshalle Saarbrücken zurückgezogen. © dpa

Bautzen. Er kam, sah und trat wieder ab. So überraschend wie sich Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens vor einem Monat um den SPD-Vorsitz beworben hatte, so überraschend endet nun seine gemeinsame Kandidatur mit der Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange. Über die Gründe wird am Tag danach viel spekuliert. Eine Erklärung lautet: Beide Bewerber sind sich in einer zentralen Frage nicht einig: dem Umgang mit der AfD.

Ahrens widerspricht dem ausdrücklich. Schließlich habe Lange seine Position zur AfD schon vorher gekannt. Auch Lange bestätigt dies. Dennoch werfen die Umstände des Abgangs einige Fragen auf. Denn beide Oberbürgermeister beendeten ihre Kandidatur überstürzt und im wahrsten Sinne des Wortes auf offener Bühne.

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Es war am Mittwoch gegen 18.30 Uhr, als das OB-Duo in der Congresshalle Saarbrücken nach vorn gerufen wurde. Die Regionalkonferenz der SPD lief zu diesem Zeitpunkt eine halbe Stunde. Es war der erste von 23 Terminen, bei denen sich die Kandidatinnen und Kandidaten für den Parteivorsitz in den kommenden Wochen bei der Basis vorstellen werden.

Lange und Ahrens traten als viertes Bewerberpaar vor die 500 Genossen. Fünf Minuten hatten sie Zeit, für sich zu werben. Der Bautzener OB begann. Routiniert skizzierte er, wofür aus seiner Sicht die Partei wieder stärker stehen soll: soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und Europa als Friedensprojekt. Mit keiner Silbe deutete er an, was gleich passieren sollte. Simone Lange übernahm und sprach vor allem über ein Thema: die AfD. Einig sei man sich im Ziel: „Wir wollen die AfD in der Sachdebatte entzaubern.“ Doch über den Weg dahin gehen die Auffassungen auseinander: „Ich gehöre zu denen, die alles tun würden, um AfD-Funktionäre zu meiden“, sagte die Flensburgerin. Ahrens sehe das anders. Erst am Dienstag hatte er sich dafür ausgesprochen, einen AfD-Vertreter zum Bundestagsvizepräsidenten zu wählen. Von einigen Unterstützern von Simone Lange wurde er dafür scharf kritisiert.

Zeitaufwand als Argument

Zum Schluss ihres Statements wandte sich Simone Lange überraschend zwei Mitbewerbern zu: der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans – früher Finanzminister von Nordrhein-Westfalen und verantwortlich für den Ankauf von Steuer-CDs. Man habe sich entschlossen die Kraft der eigenen Kandidatur auf das andere Team zu übertragen, formulierte Lange etwas nebulös. Im Klartext: Sie und Ahrens zogen ihre Bewerbung zurück. Schon in der anschließenden Fragerunde waren sie nicht mehr dabei.

Am Donnerstag nannte Ahrens vor allem drei Gründe für den Rückzug: an erster Stelle den Zeitaufwand. „Die Kandidatur lässt sich nicht mit dem OB-Amt unter einen Hut bringen.“ Zum Zweiten: die Sympathie für Walter-Borjans. „Er ist furchtlos und gradlinig.“ Zum Dritten: die Menge an Kandidaten. Die Aufsplitterung in so viele Teams sei nicht optimal.

Rückzug für ein Team mit bessern Chancen? Das klingt nach edlen Motiven. Doch es gibt einige Unstimmigkeiten: Norbert Walter-Borjans hat seine Kandidatur bereits vor einer Woche angekündigt. Warum also kommt der Verzicht erst jetzt? Noch am Dienstag kündigte Alexander Ahrens an, er wolle an zwei Dritteln der Regionalkonferenzen der SPD teilnehmen – obwohl er sich gar nicht bewerben will? Hinzu kommt der Versuch, sich kurz vor der Regionalkonferenz öffentlich zu profilieren: Fast wortgleich kritisierten Lange und Ahrens Finanzminister Olaf Scholz. Dieser solle auf seine Bewerbung für den SPD-Vorsitz verzichten.

Ahrens bestätigt: Die Entscheidung zum Rückzug fiel erst Mittwoch. „Überlegungen gab es schon vorher.“ Die scharfe Debatte über seine Aussagen zur AfD sei dabei aber höchsten ein „Mosaikstein“ gewesen. Auch bei der sächsischen SPD rätselt man über Situation. Allerdings hatte Ahrens seine Kandidatur nicht mit der Parteispitze abgestimmt. Und es erhöht seine Sympathiewerte in der Partei nicht, dass er sich jetzt nicht für die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping als SPD-Vorsitzende ausspricht. Diese bewirbt sich gemeinsam mit dem niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius. „Sie ist eine außergewöhnliche Frau, und ich traue ihr den Job auch zu“, sagt Ahrens. Allerdings stehe Köpping für die Fortsetzung der Großen Koalition. „Und da bin ich kompromisslos.“ Er selbst will trotz seines Rückzugs noch an etlichen SPD-Regionalkonferenzen teilnehmen – und Mitglied im SPD-Parteivorstand werden. „Es ist wichtig, dass Menschen aus der Kommunalpolitik dort vertreten sind.“

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