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So bereitet sich Sachsen auf das Coronavirus vor

Im Freistaat ist noch keiner erkrankt, doch der Ernstfall wird bereits geprobt. Ein Infektiologe erklärt, wie man sich schützt.

Atemmasken sind für Ärzte, nicht aber im Alltag nötig.
Atemmasken sind für Ärzte, nicht aber im Alltag nötig. © dpa

Habe ich nur eine harmlose Erkältung oder das Coronavirus? Diese Frage stellen sich derzeit viele, die an Fieber, Husten, Schnupfen und Halskratzen leiden. „Die Unsicherheit ist groß. Viele wollten sich vorsorglich testen lassen, doch das hat nur Sinn bei Personen, die Kontakt nach Wuhan und in die chinesischen Erkrankungsgebiete hatten“, sagt Dr. Thomas Grünewald, Leiter der Klinik für Infektionsmedizin am Klinikum Chemnitz.

In Sachsen gab es bislang nur einen Verdachtsfall, der diese Kriterien erfüllt hat, informiert das Sozialministerium. Bestätigt habe er sich aber nicht.

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Wäre das der Fall gewesen, käme der Infizierte in Quarantäne, seine Kontaktpersonen würden ermittelt, medizinisch überwacht, aufgeklärt und eventuell isoliert. So sieht es ein vielfach praktiziertes und erfolgreiches Programm zur Infektionsabwehr vor.

Schulungen für sächsische Mediziner

Um das Coronavirus nachzuweisen, werden Abstriche tief aus dem Rachen entnommen und zur Untersuchung an das Konsiliarlabor der Charité Berlin geschickt. „Proben aus Sachsen gehen auch ans Klinikum Sankt Georg und das Institut für Virologie der Uniklinik Leipzig“, sagt Dr. Marika Roch, Fachärztin für Mikrobiologie am Klinikum Chemnitz. Die Genauigkeit der Tests liege bei über 90 Prozent. Alle bisher im Klinikum Chemnitz entnommenen Abstriche seien reine Vorsichtsmaßnahmen gewesen, „kein einziger Test war positiv“, sagt sie. Doch das muss nicht so bleiben. 

„Durch die Reisetätigkeit können wir uns der Gefahr nicht entziehen“, so Infektionsmediziner Grünewald. Hinzu komme, dass Coronaviren ansteckender seien als seinerzeit das Sars- und das Mers-Virus. „Coronaviren haben pandemische Eigenschaften, können sich also weltweit verbreiten.“ So gab es außer den 14 infizierten Deutschen, die im direkten Zusammenhang mit einer Erkrankung aus Wuhan standen, bereits Infektionen in einem französischen Skigebiet sowie auf der Urlaubsinsel Mallorca.

In Sachsen wurden deshalb Notfallmediziner, Lungen- und Hausärzte sowie Rettungssanitäter von Infektiologen, Mikrobiologen und dem öffentlichen Gesundheitsdienst geschult. „Seit 1. Februar gibt es in Deutschland auch eine Meldepflicht“, sagt Marina Oesterreich, Sachgebietsleiterin Allgemeiner Infektionsschutz am Gesundheitsamt Chemnitz. Damit ließen sich Häufungen erkennen, und man könne rechtzeitig gegensteuern, zum Beispiel mit Quarantäne- und Desinfektionsmaßnahmen.

Ältere und chronisch Kranke sind gefährdet

Die Krankenhäuser im Freistaat sind auf Coronavirus-Erkrankte vorbereitet, wie Andreas Friedrich, Sprecher des sächsischen Sozialministeriums sagt. „Alle sächsischen Krankenhäuser sind in der Lage, Infektionskrankheiten zu behandeln und Patienten zu isolieren.“ Besondere Kapazitäten dafür hätten die Uni-Kliniken in Leipzig und Dresden sowie das Klinikum Chemnitz.

Die bisher in Deutschland festgestellten Infektionen verliefen entweder symptomlos oder als sehr milde Atemwegsinfekte. Eine stationäre Behandlung war nicht erforderlich. Doch auch in Deutschland seien so schwere Verläufe wie in China nicht ausgeschlossen. „Bei höheren Patientenzahlen werden wir auch schwerere Krankheitsbilder sehen“, sagt Thomas Grünewald. Insbesondere Ältere und chronisch Kranke seien laut Robert-Koch-Institut (RKI) gefährdet. Erkrankungen mit neuartigen Erregern seien schwer einzuschätzen, und Neues mache eher Angst als bekannte Risiken, so das RKI.

„Doch Besonnenheit und vorausschauendes Handeln ist besser als Angst und Panik“, so Marina Oesterreich. Deshalb würden alle Reiserückkehrer aus Wuhan und den anderen Risikogebieten vorsorglich isoliert. „Nicht im Krankenhaus, sondern zu Hause. Sie werden belehrt, dass sie Kontakte zu anderen Personen meiden sollen.“

Mundschutz im Alltag unnötig

Da die Viren hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion übertragen werden, sollte man ein bis zwei Meter Abstand zu offensichtlich erkälteten Menschen halten. Denn die Symptome einer Coronavirusinfektion ähneln denen einer Grippe oder einer Erkältung. „Deshalb gelten auch die gleichen Empfehlungen zum vorbeugenden Infektionsschutz“, so Marina Oesterreich. Dazu gehöre, in die Armbeuge, statt in die Hand zu husten, Menschenansammlungen zu meiden, sich häufig die Hände zu waschen und Einmaltaschentücher zu benutzen. Kosmetikgegenstände oder Geschirr verwende man besser nicht gemeinsam. Desinfektionsmaßnahmen seien jedoch nur im klinischen Bereich notwendig. Dafür gebe es spezielle viruzide Mittel.

Ärzte und medizinisches Personal, das Proben bei potenziell Infizierten entnimmt, sollten Mund-Nasen-Schutz, Schutzkleidung, -brille und -handschuhe tragen. Im Alltag sei der Mundschutz unnötig, so die Gesundheitsfachfrau. Die Gesundheitsämter informieren Haus- und Lungenärzte regelmäßig per E-Mail über den aktuellen Stand der Erkrankungen und eventuell erforderlicher Infektionsschutzmaßnahmen.

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Zudem erhalten auch Rettungszweckverbände Anweisungen, wie mit eventuell Erkrankten zu verfahren ist. „Sie sollen nämlich nicht in die Notaufnahmen gebracht werden. Das Patientenaufkommen und die Ansteckungsgefahr sind dort viel zu hoch“, sagt Thomas Grünewald. Verdachtsfälle würden besser direkt in die Infektionskliniken gebracht. Dennoch hoffen alle, dass der Freistaat verschont bleibt.

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