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So blüht es auch in schattigen Gärten und Balkonen

Gärtner unterscheiden vier Sonnen-Intensitäten. Wer danach seine Pflanzen auswählt, wird viel Freude haben.

Nur ein Balkon im Schatten? Der ist doch super! Er bietet an heißen Tagen etwas Abkühlung, und auf ihm wachsen auch zahlreiche Pflanzen prächtig.
Nur ein Balkon im Schatten? Der ist doch super! Er bietet an heißen Tagen etwas Abkühlung, und auf ihm wachsen auch zahlreiche Pflanzen prächtig. © Franziska Gabbert/dpa

Von Melanie Öhlenbach

Sonne, Sonne und nochmals Sonne: So stellen sich viele Gärtner die idealen Bedingungen für ihr kleines Paradies vor. Die Realität jedoch sieht meist anders aus: Da werfen Bäume und Gebäude stundenweise oder sogar dauerhaft Schatten. Auf Nordbalkonen ist direktes Sonnenlicht sowieso Mangelware.

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Solche Lagen sind aber kein Grund zum Verzweifeln. „Oftmals geht schattigen Plätzchen der Ruf voraus, man könne dort nichts ohne Erfolg pflanzen oder anbauen. Das stimmt so nicht“, sagt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. „Neben vielen Zierpflanzen gedeihen auch zahlreiche Obst-, Gemüse- und Kräuterarten an schattigen Plätzen.“

Wagner unterscheidet zwischen absonnigem Standort, Halbschatten, lichtem Schatten und Vollschatten. Absonnige Standorte etwa in Innenhöfen und vor hellen Mauern sind zwar hell, haben aber nie direkte Sonneneinstrahlung.

Funkien für vollschattige Orte

Bei Halbschatten wandert der Schatten mit der Sonne von Osten nach Westen. Die Plätze werden entsprechend entweder vormittags oder nachmittags für vier Stunden besonnt. Wagner hat hier einen klaren Favoriten: „Ostlagen sind in der Regel besser als Westlagen, da die Morgensonne die Standorte langsamer erwärmt als die Nachmittagssonne.“ Dem Halbschatten ähnlich ist lichter Schatten. Allerdings wechseln sich hierbei Sonne und Schatten ab und werden durch Windbewegung in den Kronen von lichten Bäumen, Sträuchern und Hecken verstärkt.

In den dunklen, vollschattigen Bereich schließlich dringt kaum ein Lichtstrahl vor – ähnlich wie in einem dichten Nadelwald. An solchen Standorten sonnenliebende Stauden und Gehölze zu pflanzen, ist verlorene Liebesmüh. „Schatten ist in der Natur ein spezieller Lebensraum, der von sehr spezialisierten Pflanzen bewachsen wird“, sagt die Gartenbuchautorin Katrin Lugerbauer. „Gewächse aus der Wiese oder aus sonnigen Freiflächen kommen dort nicht klar, sondern mickern, wachsen ganz lange und umfallend zum Licht hin oder verschwinden innerhalb weniger Wochen.“ Sie empfiehlt, sich mit dem Standort detailliert auseinanderzusetzen und die Pflanzen entsprechend auszuwählen. „Hilfreich ist es, beim Besuch der Gärtnerei ein Foto vom Standort mitzubringen, am besten sogar mehrere aus verschiedenen Perspektiven, damit besser eingeschätzt werden kann, wie schattig es dort wirklich ist“, rät Lugerbauer für Beratungsgespräche beim Profi.

Ein buntes Blütenmeer ist an einem schattigen Standort nicht zu erwarten. Aber es gibt ja auch andere optische Highlights. Wagners Tipp: „Für dunkle Stellen im Garten weißblühende Pflanzen oder solche mit panaschierten Blättern verwenden. Sie setzen Akzente und hellen dunkle Ecken auf.“

Die Akelei ist ein Gewächs für die schattigen Orte im Garten.
Die Akelei ist ein Gewächs für die schattigen Orte im Garten. © Franziska Gabbert/dpa

Unter Laubbäumen können Frühblüher wie Krokus, Frühlingsplatterbse und das Kaukasus-Vergissmeinnicht bis etwa Juni für Farbtupfer sorgen, sagt Lugerbauer. „Weiter in den Sommer hinein übernehmen die Blattschmuckpflanzen, da um diese Jahreszeit die Bäume dicht belaubt sind und wenig Licht auf den Boden fällt.“

Ihr Favorit für vollschattige Standorte sind Funkien. „Es gibt tausende Hosta-Sorten in unterschiedlichster Größe, Blattfarbe und -form“, sagt die Gartenexpertin. „Einziges Problem können Schnecken sein, daher besser im Topf halten.“

Für den Schatten geeignet sind nicht nur bekannte Pflanzen wie Frauenmantel und Akelei, sondern auch elegante Schönheiten wie der Salomonssiegel und das auffällige Schaublatt. „Diese herrlichen Blattschmuckstauden mögen etwas feuchtere Böden und werden riesig. Je nach Sorte sind die Blätter rundlich oder geteilt, wie das einer Kastanie“, beschreibt Lugerbauer. Wer einen besonderen und trotzdem robusten Bodendecker sucht, dem rät sie zu Elfenblumen oder Japanwaldgras.

Ein weiterer Klassiker für vollschattige Standorte: Farne. Auch hier ist die Auswahl groß. Lugerbauer empfiehlt den filigranen, buschig wachsenden Pfauenradfarn (Adiantum pedatum), den tropisch wirkenden Königsfarn (Osmunda regalis) und wintergrüne Schildfarne (Polystichum) mit den klassisch-dunkelgrünen, in einem Bogen überhängenden Farnwedeln. „Wie alle Farne sind sie besonders hübsch, wenn sie Ende April, Anfang Mai austreiben“, erklärt die Buchautorin.

Vorteile bei der Pflege

Bei Essbarem kommt es auf die Schattenart an. „Viele Arten und Sorten gedeihen auch im Schatten“, sagt Wagner. „Bei strengen Nordlagen muss man jedoch auf Obst, Gemüse oder Kräuter verzichten, man kann aber hier auch experimentieren.“ Gut im Schatten gedeihen im Garten und auf dem Balkon Schnittlauch, Sauerampfer, Petersilie, Minze, Zitronenmelisse und Süßdolde.

Für den Halbschatten geeignet sind beim Gemüse Rote Bete, Radieschen, Salate, Lauch, Möhren und Kohlrabi. „Vor allem Kohlarten fühlen sich im Halbschatten wohler als an vollsonnigen Standorten“, sagt der Experte. Wer Obst anbauen möchte, dem rät er zu Kulturheidelbeere, Johannisbeere, Brombeere, Walderdbeere und Schattenmorelle.

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Ein schattiger Garten oder Balkon kann auch seine Vorteile haben. „Die Pflege von Schattenbeeten ist denkbar einfach: Man schneidet zurück, was stört und räumt sonst erst im Frühling auf, bevor die Pflanzen austreiben“, sagt Lugerbauer. Ansonsten gilt es, waldähnliche Bedingungen zu schaffen beziehungsweise zu wahren. Dazu gehört ein feuchter, humoser Boden. „Am besten schnippelt oder häckselt man den Schnitt klein und streut ihn wieder auf die Pflanzen. So entsteht eine Schicht, die im Wald überall zu finden ist und die Schattenpflanzen schätzen.“ (dpa)

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