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Görlitz

So denkt Deutschland über die OB-Wahl in Görlitz

Bei der Stichwahl hätte erstmals ein AfD-Kandidat ins Rathaus einer deutschen Stadt einziehen können. Doch der CDU-Bewerber gewann. Die Reaktionen.

©  Nikolai Schmidt

Die AfD hat das von ihr erhoffte erste Spitzenamt in einer deutschen Stadt verpasst, seit Sonntagabend steht fest: Görlitz bekommt einen CDU-Oberbürgermeister. Octavian Ursu setzte sich in einer Stichwahl mit 55,2 zu 44,8 Prozent gegen den AfD-Bewerber Sebastian Wippel durch. Ursu bekam 14.043 Stimmen, für Wippel votierten 11.390 Wähler.

Die Bundes-CDU reagierte erleichtert. Ursu sei von einem breiten Bündnis getragen worden, sagte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Es ist auch ein großer Erfolg und Rückenwind für die sächsische Union unter Ministerpräsident Michael Kretschmer."

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Und auch der Koalitionsausschuss von Union und SPD hat sich nach Angaben von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer gemeinsam über den Erfolg des CDU-Oberbürgermeisterkandidaten Octavian Ursu in Görlitz gefreut. Der Sieg von Ursu über den AfD-Kandidaten sei "der Sieg eines breiten Bündnisses, für das ich dankbar bin", schrieb Kramp-Karrenbauer am Sonntagabend auf Twitter. "Übrigens haben wir uns darüber heute Abend im Koalitionsausschuss parteiübergreifend gefreut."

Nach einem ersten Reaktions-Tweet war Kramp-Karrenbauer zuvor im Internet kritisiert worden, weil sie darin geschrieben hatte: "Octavian Ursu und die @cdusachsen zeigen in #Goerlitz: Die @cdu ist die bürgerliche Kraft gegen die AfD. Herzlichen Glückwunsch an den neuen Oberbürgermeister von #Goerlitz!" Die Kritiker hielten ihr vor, nicht erwähnt zu haben, dass die Kandidaten von Grünen und Linken auf eine erneute Kandidatur am Sonntag verzichtet hatten, um den AfD-Kandidaten Sebastian Wippel zu verhindern.

Die weiteren Reaktionen aus dem Netz

Erleichterung bei Filmschaffenden

Auch der Initiator des Wahl-Appells von Filmschaffenden an die Einwohner von Görlitz hat sich nach dem Ausgang der Oberbürgermeister-Wahl erleichtert gezeigt. "Ich habe die Wahl mit großer Spannung und Anspannung verfolgt", sagte Michael Simon de Normier, Mitproduzent des Hollywood-Streifens "Der Vorleser", am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Es stünde den Gewinnern aber nicht gut zu Gesicht, zu laut zu jubeln. "J0tzt muss hart daran gearbeitet werden, die Menschen in Görlitz wieder zusammenzubringen". Octavian Ursu, der ein "guter Zuhörer" sei, könne dies schaffen.

Vor der Wahl hatten sich internationale Schauspieler, Oscar-Preisträger und Filmemacher mit einem offenen Brief an die Görlitzer gewandt und sie aufgefordert, sich nicht "Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung" hinzugeben. Zu den Unterzeichnern gehörten Schauspieler Daniel Brühl, Oscar-Preisträger Stephen Daldry sowie Autor Bernhard Schlink. Mehr als 100 Filme wurden in "Görliwood" bereits gedreht, darunter Szenen für "Der Vorleser", "Inglourious Basterds" oder "The Grand Budapest Hotel".

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Auf den Appell habe es viele rührende Reaktionen, aber auch viel Schimpf gegeben, berichtete Simon de Normier. Der in Berlin lebende Filmproduzent kündigte an, demnächst mit Bekannten und Kollegen einen "Round Table" in Görlitz zu veranstalten. Dabei soll es auch darum gehen, Kontakte zu Berliner Start-ups herzustellen. (dpa)

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