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So ein Mist …

Der Stadtrat Rothenburg diskutiert über Behälter für Gärreste in Neusorge und Steinbach. Das Ergebnis ist eindeutig.

© André Schulze

Von Katja Schlenker

Die Tür geht zu. Der Stadtrat diskutiert nicht öffentlich über den geplanten Bau von vier oder fünf Gärrestebehältern in Neusorge und Steinbach. Zuvor hat es Gespräche mit den betreffenden Ortschaftsräten und eine Informationsveranstaltung in Neusorge gegeben. Aufgrund drohender Veränderungen der Düngeverordnung braucht die Heim Rinderfarm Neiße GmbH mehr Lagerfläche für sogenannte Gärreste. Dabei handelt es sich um den flüssigen oder festen Rückstand, der zurückbleibt, wenn Biomasse vergärt. Es entsteht ein Material mit hohem Gehalt an Nährstoffen, das gerne als landwirtschaftlicher Dünger verwendet wird.

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Nach der Diskussion hat die Stadtverwaltung ein Schreiben aufgesetzt, erklärt Bürgermeisterin Heike Böhm (SPD). Es ist an das Landratsamt adressiert, wo letzten Endes der Bau der Behälter genehmigt wird – oder eben nicht. „Im Endergebnis ist die Realisierung des beantragten Bauvorhabens sowie die künftigen Planungen in Neusorge nicht der Wille der meisten Bürger in den betroffenen Ortschaften“, ist dort zu lesen.

Daran hat sich auch nach der Informationsveranstaltung am 12. Januar in Neusorge nichts geändert, erklärt Ortsvorsteher Jens Schurig. „Ich habe von keinem gehört, der seine Meinung deswegen geändert hat“, sagt er. „Wir harren wie das Kaninchen vor der Schlange und hoffen, dass die Firma Heim einlenkt.“ Dennoch resümiert er die Versammlung positiv. Das dort Gesagte habe zur sachlichen Klärung der Thematik beigetragen.

Auch Steinbacher sind bei der Versammlung in Neusorge dabei gewesen. Hier ist die Situation wegen des geplanten Gärrestebehälters ein wenig anders als in Neusorge. Ein solches Silo soll in Steinbach gebaut werden. Und zwar ein wenig abseits des Ortes. Daher wird es die Anwohner eventuell nicht so stören, wie die drei oder vier Behälter in Neusorge. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Einwohner ohne Ausnahme dafür seien, erklärt Ortsvorsteherin Eveline Krahl. Allerdings hätten die Steinbacher wegen des Standortes des Gärrestebehälters nicht so große Argumente gegen das Silo wie die Neusorger.

In dem Schreiben der Stadt werden auch kritische Punkte angesprochen. So befindet sich zum Beispiel das Biotop „Röhrichte“ direkt am Bauplatz. Der Bodenschutz mit einer 0,8 Millimeter dünnen Schutzfolie wird als nicht ausreichend eingeschätzt. Eine Folie unterhalb des Leckageschachtes fehlt. Oberirdisch besteht kein Schutz für die Umwelt, genauer gesagt Fauna-Flora-Habitate und Vogelschutzgebiete, bei Defekten am Behälter. „Wenn auch gesetzlich nicht vorgeschrieben, bitten wir die Anbringung einer Abdeckung des zu errichtenden Gärrest-/Güllebehälters zu überdenken“, heißt es in dem Schreiben weiter. Generell stimmt die Stadt Rothenburg dem Bauvorhaben jedoch zu, da das Vorhaben laut Baugesetzbuch zulässig ist.

Abgesehen von der Stellungnahme will die Stadtverwaltung auch das Gespräch mit zuständigen Behörden suchen. Angebote dazu stehen. So soll das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie aufzeigen, wie so eine Anlage kontrolliert wird. Das Umweltamt des Landkreises Görlitz soll zudem für interessierte Stadt- und Ortschaftsräte darstellen, wie der Genehmigungsprozess abläuft.

Momentan stehen 3 900 Kubikmeter an Lagerkapazität in Neusorge zur Verfügung. Ein Gärrestebehälter, der weitere 4 400 Kubikmeter aufnehmen kann, soll in Steinbach gebaut werden. Dieser ist momentan bereits beantragt. Hinzu kommen könnten drei oder vier Behälter der gleichen Kapazität in Neusorge. Diese sollen noch nicht beantragt sein.

Unterdessen sind Einwohner weiter aktiv und suchen nach einem Weg, sich gegen das geplante Vorhaben zu wehren. Momentan werden Unterschriften in Rothenburg und den Orten drum herum gesammelt. Wie viele aktuell zusammengekommen sind, kann Neusorges Ortsvorsteher Jens Schurig ad hoc nicht sagen. In etwa zwei Wochen soll die Sammlung abgeschlossen werden. Das Ergebnis wird dann übergeben. Als weiteres Argument, dass Anwohner die Behälter nicht wollen.