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„So ein Wanderweg lockt die Touristen an“

Was bringt ein Qualitätswanderweg am Tharandter Wald? Aufmerksamkeit, Touristen und Geld, sagt eine Expertin.

Von Annett Heyse
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Die Route könnte so aussehen.
Die Route könnte so aussehen. © Grafik: SZ

Der Kammweg ist der Vorzeigewanderweg des Erzgebirges. 285 Kilometer schlängelt er sich von Geising in Richtung Vogtland über Berge und durch Täler, vorbei an Aussichtsgipfeln, Kirchen, alten Bergwerken, Teichen. „Zwei Jahre haben wir gebraucht, um den Verlauf des seit 1904 existierenden Kammwegs so zu legen, dass daraus ein sogenannter Qualitätswanderweg wird“, berichtet Birgit Knöbel vom Tourismusverband Erzgebirge. Die Arbeit hat sich gelohnt: Der Kammweg ist bei Touristen sehr beliebt. Nach dem Willen der Initiatoren des Geoparks Tharandter Wald soll so ein Wanderweg nun auch im unteren Erzgebirge entstehen. Denkbar wäre eine Route von rund 40 Kilometer Länge. Birgit Knöbel erklärt, was das bringt.

Frau Knöbel, warum braucht es im Tharandter Wald überhaupt einen „Qualitätswanderweg“? Es gibt doch dort genügend Wanderwege und Lehrpfade.

Ein Qualitätswanderweg ist ein Premiumprodukt. Das ist wie ein roter Faden, der sich durch eine Region zieht und von dem aus man das Land erkunden kann. Versierte Wanderer wollen längere Wege haben, auf denen sich Mehrtagestouren organisieren lassen. Die Fernwanderer werden immer mehr, für die ist ein Qualitätswanderweg ein super Lockmittel. Die laufen auch an Wochentagen, egal wie das Wetter ist.

Das ist ein sperriger, bürokratischer Begriff. Was steckt denn dahinter?

Die Idee ist, dass ein Qualitätswanderweg bestimmte Kriterien erfüllen muss, die der Deutsche Wanderverband festgelegt hat. Zum Beispiel soll er naturnah sein, nicht über längere Asphaltstrecken oder befahrene Straßen verlaufen, durch verschiedene Geländeformen führen, Sehenswürdigkeiten verbinden. Dadurch wird er attraktiv und wanderfreundlich, denn den Wanderer muss er ansprechen. Nicht gewollt sind monotone Waldautobahnen und der Verlauf nur auf breiten Forstwegen.

Welches Potenzial hat so ein Weg?

Er zieht Tagesausflügler, Fernwanderer und Urlauber an. Diese Menschen kommen her und geben Geld aus. Davon profitieren die Vermieter von Unterkünften, Gastwirte, Einzelhändler, Freizeiteinrichtungen, Museen, letztendlich auch die Betreiber von Bus- und Bahnlinien. Indirekt ist die Wertschöpfungskette noch viel größer: Vom Wandertourismus hat auch der Bäcker etwas, der die Brötchen ins Hotel liefert oder der Handwerker, der in der Ferienwohnung etwas reparieren oder modernisieren muss.

Birgit Knöbel im Gespräch mit Touristen. Sie ist beim Tourismusverband Erzgebirge die Projektmanagerin Wandern und hat den Kammweg mit entwickelt.
Birgit Knöbel im Gespräch mit Touristen. Sie ist beim Tourismusverband Erzgebirge die Projektmanagerin Wandern und hat den Kammweg mit entwickelt. © Archiv: SZ

Wie viel geben Wandertouristen aus?

In einer Untersuchung zu Wandertourismus in Deutschland wurde festgestellt, dass Tagestouristen im Schnitt 20 Euro pro Kopf ausgeben, Individualurlauber 75 Euro und Pauschalurlauber, die Pakete buchen, 78 Euro. Deutsche Tagestouristen – das ist letztendlich die große Mehrheit beim Wandern – geben im Jahr rund sieben Milliarden Euro aus, Wanderurlauber mehr als eine halbe Milliarde. Davon könnte man sich mit dem Qualitätswanderweg einen Teil in den Tharandter Wald holen.

Hat das Gebiet dafür eine gute Lage?

Selbstverständlich. Es liegt nahe an der Autobahn A 4, Dresden ist ganz in der Nähe, Freiberg auch. Damit ist ein großes Besucherpotenzial bereits vorhanden. Unsere Erfahrungen zeigen, dass ganz viele Kammweg-Wanderer übrigens aus Sachsen kommen. Das betrifft nicht nur die Tagestouristen. Mehrtageswanderungen in Etappen mit vorher gebuchten Unterkünften und Gepäcktransport sind beliebt bei Vereinen, Frauengruppen und Freundeskreisen aus ganz Sachsen.

Was ist mit jungen Familien? Ist das Wandern überhaupt noch modern?

Wandern ist in allen Altersgruppen beliebt. Die Jüngeren bringen ganz neue Trends in den Wald, zum Beispiel Geocaching. Deshalb darf man es nicht bei gedruckten Broschüren und Wanderkarten belassen. Das Wandern gehört ins Internet. Apps mit Wegeverlauf, Streckenbeschreibungen, Höhenprofilen sind wichtig, nicht nur für die Tourenplanung. Was für jüngere Wanderer im Erzgebirge noch fehlt, sind einfache, preisgünstige Unterkünfte, also beispielsweise Selbstversorgerhütten wie am Forststeig in der Sächsischen Schweiz. Da wären mehr alternative Angebote für junge Wanderer wünschenswert. Vielleicht lässt sich so etwas am Tharandter Wald im Rahmen des Qualitätswanderweges einrichten.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/freital und www.sächsische.de/dippoldiswalde vorbei.

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