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Wie Kodersdorf ein Gedächtnis bekommt

Zum 825. Geburtstag legt sich die Gemeinde ein Heimatbuch zu. Die Geschichtsrecherche übernimmt ein bekannter Experte.

Wenn im Spätsommer die Kirmes gefeiert wird, soll das Buch zur Geschichte von Kodersdorf fertig sein.
Wenn im Spätsommer die Kirmes gefeiert wird, soll das Buch zur Geschichte von Kodersdorf fertig sein. © Gemeinde Kodersdorf

Na klar, die Coronakrise wird in den nächsten Wochen auch im Festprogramm zum 825-jährigen Gemeindejubiläum von Kodersdorf eine Schneise von Absagen hinterlassen. Doch auf alles wollen und sollen die Einwohner nicht verzichten. Spätestens zur Kirmes - wenn sie denn im Spätsommer stattfindet - soll die neue Chronik fertig sein. Schon seit Wochen wird intensiv an ihr gearbeitet.

Munteres Heimatbuch statt trockener Chronik

Jahrelang hat Matthias Wenzel in historischen Schriften, Statistiken und Sammlungen geblättert und geforscht. Als Leiter der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften gehörte das zu seinem Beruf. Jetzt, als freiberuflicher Historiker, ist er nun selbst dabei, Geschichte aufzuschreiben. Denn seit vergangenem Jahr kümmert sich der Görlitzer um die Recherchen zur Kodersdorfer Vergangenheit.

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Längst hat er sich in alte Akten vertieft und Gespräche mit geschichtsinteressierten Einwohnern geführt. Dabei ist in ihm die Erkenntnis gereift: Eine Chronik im herkömmlichen Sinne soll es nicht werden. Vielmehr ein munter erzähltes Heimatbuch. Natürlich greift Wenzel dafür die Fakten nicht aus der Luft, sondern hält sich daran, was passierte.

Siedlungsgeschichte begann schon in der Bronzezeit

Inzwischen hat Matthias Wenzel seine Recherchen abgeschlossen. Jeder der fünf in der Gemeinde Kodersdorf enthaltenen Orte kommt zu seinem Recht. So gibt es nicht nur Informationen zu den verschiedenen Schlössern und Herrenhäusern. Der Autor taucht auch ein in den Anfang der Kodersdorfer Siedlungsgeschichte. Die beginnt laut den Urnen vom Sachsenberg in der Bronzezeit, 1300 v. Chr.

Aus jener Epoche wurde hier sogenannte Buckelkeramik gefunden. Das heutige Alter der Gemeinde orientiert sich jedoch an der Jahreszahl 1195, die sich einst an einer Glocke befand, die zum Geläut der Rengersdorfer Kirche gehörte. 1834 wurde das gute Stück jedoch eingeschmolzen, sodass es dafür keinen handfesten Nachweis mehr gibt. Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit belegen dennoch die Echtheit und damit das jetzige 825-jährige Gemeindejubiläum.

Jeder Haushalt in Kodersdorf bekommt ein Heimatbuch

Noch viel mehr Interessantes hat Matthias Wenzel zusammengetragen - zum Beispiel wo und wann hier Mangan und Kobald gefördert wurde und dass es auch eine Kaolingrube gab. Oder dass Assuan nicht nur der Name eines Staudamms in Ägypten ist, sondern durchaus auch etwas mit Kodersdorf zu tun hat.

Wie dick das Heimatbuch werden wird, ist noch nicht sicher. "Ich habe mehr aufgeschrieben, als eigentlich vereinbart war", sagt der Historiker und hofft darauf, dass der Gemeinderat diesen Wissensschatz so akzeptiert. Ist das Werk gedruckt, soll jeder Haushalt ein Exemplar bekommen. Aber auch eine Reserve ist eingeplant - für Besucher und mögliche Neubürger.

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