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So erlebten Hotels den Corona-Sommer

Die hiesigen Betreiber freuen sich über den Trend "Urlaub daheeme". Doch kann er die Verluste ausgleichen? Und was kommt jetzt?

Angelika Pietzsch vom Hotel Kupferberg atmet etwas auf, auch, weil viele Großenhainer ihr Mut zusprechen.
Angelika Pietzsch vom Hotel Kupferberg atmet etwas auf, auch, weil viele Großenhainer ihr Mut zusprechen. © Anne Hübschmann

Region. Das Corona-Jahr 2020 wird für die meisten, wenn nicht sogar für alle Hotels im Raum Riesa-Großenhain, mit Einbußen verbunden sein. Das ergab ein SZ-Umfrage unter hiesigen Betreibern. Allerdings blicken sie nach diesem Sommer wieder optimistischer in die Zukunft. Doch die Ungewissheit, wie lange die Pandemie Auswirkungen auf ihr Geschäft hat, bleibt.

Kupferberg-Hotel

"Die ersten Monate in diesem Jahr liefen gut", erinnert sich Angelika Pietzsch, die zusammen mit ihrem Bruder Kai-Michael Riepert das Kupferberg-Hotel in Großenhain führt. Doch dann kam Corona. Alle Hotels mussten schließen. 

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"Die Großenhainer haben uns in dieser schweren Zeit unterstützt", erzählt die Geschäftsführerin. Sie kauften Gutscheine für einen Besuch nach Corona. Zudem lieferte das Kupferberg-Hotel Essen außer Haus. Viele Stammgäste hätten ihnen Mut zugesprochen. Angelika Pietzsch ist dankbar dafür und sagt: "Es tut gut zu wissen, dass man nicht allein dasteht."

Nach den Lockerungen öffnete das Drei-Sterne-Hotel mit dem auffälligen Aussichtsturm kurz vor Pfingsten. "Das war etwas später als erlaubt", erzählt sie. "Aber wir fühlten uns im ersten Moment etwas überfahren."  Ein Hygiene-Konzept musste erstellt werden. Die Geschwister fragten bei Kollegen an, wie sie die vorgegebenen Abstandsregeln handhaben. 

Im Juni stornierten viele Gäste ihre Familienfeiern. Stattdessen kamen wieder mehr Leute in die Gaststätte und vor allem in den Biergarten. "Die Leute waren dankbar darüber, dass wir wieder geöffnet haben", sagt die Großenhainerin. "Seit Beginn der Sommerferien können wir uns nicht beklagen." Sogar montags sei der Biergarten voll. Sie vermutet, dass die Leute das Geld, das sie beim Urlaub gespart haben, dennoch ausgeben wollen und dafür lieber öfter essen gehen. "Zurzeit läuft unser Haus, und ich hoffe, dass es so bleibt."

Mercure Riesa

Ganz so erleichtert ist Reiner Striegler, der Geschäftsführer der Magnet Riesa GmbH, nicht. Sie betreibt das Mercure. Nachdem das größte Hotel zwischen Riesa und Großenhain ein Hygienekonzept erarbeitete und seit Anfang Juni wieder jeden Wochentag Übernachtungen anbietet, hatte Striegler mit mehr Gästen gerechnet. 

"Betrachtet man das Gesamtjahr mit der noch realistisch zu erwartenden Auslastung bis zum Jahresende, dann wird es wohl mit Abstand das schlechteste seit der Eröffnung des Mercure im Jahr 1999 werden", sagt er. "Dies ist sehr ärgerlich, da noch im Februar die Aussicht auf ein sehr umsatz- und auslastungsstarkes Jahr bestand." Immerhin gebe es für September wieder eine "durchaus vernünftige Auslastungsquote". Auch das Tagungsgeschäft laufe auf niedrigem Niveau wieder an. 

Reiner Striegler ließ das Mercure-Hotel am 22. Juni rot anstrahlen. Das Vier-Sterne-Haus beteiligte sich damit an der "Night of Light", mit der Veranstalter und Hotels deutschlandweit auf ihre missliche Lage wegen der Corona-Bedingungen aufmerksam machten
Reiner Striegler ließ das Mercure-Hotel am 22. Juni rot anstrahlen. Das Vier-Sterne-Haus beteiligte sich damit an der "Night of Light", mit der Veranstalter und Hotels deutschlandweit auf ihre missliche Lage wegen der Corona-Bedingungen aufmerksam machten © Sebastian Schultz

"Wir haben immer noch einen Teil unserer Mitarbeiter in Kurzarbeit. Dies ist schmerzlich für die Betroffenen, aber betriebswirtschaftlich unabdingbar", sagt der Hotel-Chef. Zudem würde mit jeder neuen Verlautbarung des Freistaates Sachsen zur Corona-Pandemie das Hygienekonzept so angepasst, dass die Gäste nur die wirklich notwendigen Einschränkungen hinnehmen müssen. "Ihr Aufenthalt in unserem Hotel soll so angenehm und erholsam wie möglich erfolgen", so Striegler. Der Trend zum Urlaub in Deutschland sei auch im Mercure spürbar gewesen. Deutlich mehr Elbradweg-Touristen hätten im Sommer im Riesaer Vier-Sterne-Hotel übernachtet.

Parkschänke Zabeltitz

Auch Franziska Koitzsch musste erleben, wie ab Mitte März sowohl private als auch geschäftliche Buchungen in der Parkschänke Zabeltitz storniert wurden, obwohl das Geschäftsjahr bis dahin stabil war. "Die Leute waren sehr verunsichert", sagt sie. "Lediglich Handwerker hatten wir vereinzelt im Haus." Und auch sie waren irritiert, weil jedes Bundesland eine andere Maskenpflicht besaß. 

"Nachdem auch wieder private Leute reisen durften, gingen die Buchungen sehr schleppend voran", berichtet Franziska Koitzsch. Etwa sieben Wochen habe es gedauert, bis die Zabeltitzer Hotelierfamilie wieder von einer normalen Zimmerauslastung bei Privatreisen reden konnte. Bei Geschäftsreisen sei es nach fünf Wochen der Fall gewesen.

Insgesamt verzeichnet die Parkschänke einen leichten Anstieg des Privat-Tourismus. Nach dem Lockdown seien viele Radfahrer unterwegs gewesen. Dies habe inzwischen nachgelassen. Aber insgesamt seien die Aufenthalte länger geworden - bis zu einer Woche. "Das ist sehr ungewöhnlich für unser Haus", sagt Franziska Koitzsch. Sie begrüßt den Trend, wieder mehr Urlaub in Deutschland zu machen, und praktiziere ihn auch selbst. 

Und nächstes Jahr?

"Das Thema Corona ist noch lange nicht vom Tisch", glaubt Angelika Pietzsch vom Kupferberg-Hotel in Großenhain. Momentan seien zwar alle Beschäftigte aus der Kurzarbeit wieder heraus, doch das unternehmerische Risiko bleibt bei den Hotelbetreibern. Weil sie nicht weiß, wie der Gäste-Andrang im Herbst wird, habe sie zum Beispiel nur halb so viel Federweißer eingekauft als sonst. 

Hinter dem Weihnachtsgeschäft stehen noch viele Fragezeichen. Sowohl im Hotel als auch in der Gaststätte. Für die Feiertagen plante das Kupferberg-Hotel bisher immer mit zwei Durchgängen für das Mittagsangebot, einmal für 11 Uhr und einmal für 13 Uhr. Ob es so wieder möglich sein wird, sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher.    

Auch Mercure-Chef Reiner Striegler macht sich seine Gedanken über die Zukunft. "Wir leben wie alle Hotels in Riesa von verschiedenen Zielgruppen", sagt er. Dazu zählen die Geschäftsleute, die Touristen auf dem Elbradweg und die Konzertbesucher der Sachsenarena. "Mit größeren Buchungen aus der letztgenannte Zielgruppe werden wir wohl realistisch erst wieder im späten Frühjahr oder gar erst ab Herbst 2021 rechnen können."

Der Umsatzausfall könne aber nur teilweise durch Kosteneinsparungen aufgefangen werden. "Wir können nur hoffen, dass wir sehr zeitnah wieder zur Normalität zurückkehren können, da kein Beherbergungsbetrieb unter diesen Bedingungen mittelfristig existieren kann", so Striegler. 

"Einschränkungen wird es weiterhin geben", ist sich Franziska Koitzsch sicher. Sie geht davon aus, dass es im Herbst und Winter wieder weniger Hotelgäste gibt. Dass Großveranstaltungen über 1.000 Besucher in Sachsen vorerst wieder möglich sind, ist ein Hoffnungsschimmer. Allerdings unter Einhaltung der Hygieneregeln. Familie Koitzsch hofft, dass Veranstalter sich darauf einstellen können und neue Konzepte entwickeln. "Warum nicht mal einen Weihnachtsmarkt am Band? Vorne rein und hinten raus."

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