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So feiert die AfD ihr Wahlergebnis

Die Party in Berlin fällt eher verhalten aus; man hatte auf mehr gehofft. Doch dann war da noch Sachsen.

Die Begeisterung hielt sich bei der AfD-Wahlparty in Grenzen. Die Partei hatte bei der Europawahl deutschlandweit mit einem deutlich besseren Ergebnis gerechnet. In Sachsen lief es aber besser.
Die Begeisterung hielt sich bei der AfD-Wahlparty in Grenzen. Die Partei hatte bei der Europawahl deutschlandweit mit einem deutlich besseren Ergebnis gerechnet. In Sachsen lief es aber besser. © dpa

Deutschlandansichten flimmern über den Bildschirm. Dazu ertönen rhythmisch-pathetische Streicherklänge. Die AfD bringt sich kurz vor 18 Uhr bei ihrer Wahlparty in Berlin in Stimmung. Als dann Prognose und wenig später die erste Hochrechnung eingehen, ist der Applaus aber verhalten. Die AfD steigert bei der Europawahl zwar ihr Ergebnis. Allerdings liegt nach ersten Erkenntnissen des Abends das Resultat von voraussichtlich mehr als zehn Prozent unter dem Ergebnis der Bundestagswahl.

Bezeichnend für die Feier am Sonntag in einer Tanzschule am westlichen Rand der Stadt: Bei den via TV verkündeten Verlusten von CDU und CSU klatschen die rund 150 AfD-Anhänger lauter als beim Verlesen des eigenen Wertes. AfD-Spitzenkandidat Jörg Meuthen lobt dennoch: „Dieses Resultat haben wir uns gemeinsam erarbeitet.“ Und natürlich dankt der AfD-Chef der Basis: „Ich bin sowas von stolz auf meine Partei.“ Lauter ist der Applaus, als Meuthen die Europapolitik der Partei umreißt: „Wir gehen nach Brüssel, um die EU zu reparieren.“ Gesunder Menschenverstand soll nach der Vorstellung Meuthens in das Parlament einziehen. Stichworte: Weniger Regulierung, mehr Bürgernähe.

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Meuthen will im EU-Parlament mit der italienischen Lega und der österreichischen FPÖ zusammenarbeiten. Er sei, wie er witzelt, nun nicht mehr allein in Brüssel. Sieben Abgeordnete konnte die Partei 2014 nach Brüssel entsenden. Durch Austritte und Querelen blieb nur einer: Meuthen. Nun rechnet er mit zehn Abgeordneten, darunter dürfte der Sachse Maximilian Krah sein. Meuthen spricht von einer „bärenstarken Truppe“.

Der zweite AfD-Chef, Alexander Gauland, wird deutlich. „Wir haben einen schwierigen Wahlkampf gehabt.“ Vor diesem Hintergrund freue er sich über das Ergebnis. Gauland spielt offensichtlich auf die Debatte um den Brexit und das Enthüllungsvideo aus Ibiza an, das zum Ende der FPÖ-Regierungsbeteiligung in Österreich führte.

Was aber bedeutet das Ergebnis für Sachsen und die anderen Landtagswahlkämpfe im Osten? Für Brandenburgs Landeschef Andreas Kalbitz sagen die Europahochrechnungen wenig über die Chancen der Partei in Sachsen, Thüringen und Brandenburg aus. Spannender sei das das Kommunalwahlergebnis, sagt er der SZ. Ähnlich äußert sich Gauland auf Anfrage. Jede Wahl sei anders. Der sächsische AfD-Landtagsabgeordnete Carsten Hütter zeigt sich optimistisch: „In Sachsen werden wir besser abschneiden.“ Sein Traum sei es, mit der Partei am 1. September stärker als die CDU zu werden.

Ganz offensichtlich haben die Themen nationale Identität und Migration nicht so viele Wähler mobilisiert, wie von der AfD erhofft. Auch die Klimapolitik – die Partei zeigt sich skeptisch in Bezug auf den Klimawandel – ist eher Zugpferd der Grünen. Gauland sagt, dass die AfD andere als die „Fridays for Future“-Demonstranten für sich gewinnen müsse. Nämlich diejenigen, die weiter Diesel fahren und keine heftigen Auswirkungen der Erderwärmung befürchten.

Sachsens AfD-Chef Jörg Urban äußert sich früh in einem Pressestatement: „Die AfD hat im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren deutlich dazugewonnen.“ Auf Landesebene mutet das Ergebnis anders als im Bund an. Zwischenresultate für Sachsen sahen die Partei mit rund 30 Prozent deutlich vor der CDU. Spannend ist, welche Themen die Partei im sächsischen Landtagswahlkampf bis September ausspielen will.

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