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Görlitz

So filmverrückt sind die Vierkirchener

Seit vielen Jahren produzieren Einwohner einen Vorfilm für das Arnsdorfer Landkino. Jetzt war Drehtermin.

Elisabeth Strauß (links) und Sarah Fuhrmann spielen die Pilgerinnen. Aufgenommen wird die Produktion mit der Handykamera.
Elisabeth Strauß (links) und Sarah Fuhrmann spielen die Pilgerinnen. Aufgenommen wird die Produktion mit der Handykamera. © Constanze Junghanß

Elisabeth Strauß und Sarah Fuhrmann rätseln über die neue Tafel am Kaiserberg. Was ist da für eine Zahlenangabe zu lesen? Auf dem Schild zwischen Königshain und Hilbersdorf steht neuerdings ein handgemalter Willkommensgruß mit dem Hinweis: „Höhe 604 ½ Meter“. Keinesfalls sei der Kaiserberg in letzter Zeit weiter gewachsen, sind sich die Wanderinnen sicher. Immer noch wird der Kaiserberg auf ihrer Landkarte mit 302 Höhenmetern angegeben.

„Schnitt! Fertig“, ruft Markus Hahn. Die Aufnahme ist im Kasten und die Frauen pusten erleichtert die Luft durch die Nase. Immerhin mussten sie mehrmals mit dem Rucksack losmarschieren, bis alles passte. Die beiden Pilgerinnen sind für die Kamera unterwegs, die Markus Hahn führt. Ein Film entsteht, der ab dem Sommer über die Leinwand flimmert. Gezeigt wird das Werk im Arnsdorfer Landkino.

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Andrea Gloger vom Verein für Kirchenbau und Dorfgeschichte erzählt derweil, was es mit dem Schild auf sich hat. „Bei der Zahlenangabe handelt es sich um 604 halbe Meter. Umgerechnet sind das 302 Meter“, sagt sie schmunzelnd. Einwohner haben das Wanderschild extra gestaltet. Nun wird die Stelle zum Drehort.

Zum 19. Mal entsteht in Vierkirchen ein Vorfilm für das Kino auf dem Pfarrhof. Das Filmen hat im Ort Tradition: 1999 surrte zum ersten Mal die Kamera durch die Dörfer der Gemeinde. Nur einmal gab es im Laufe der Zeit eine Drehpause. Die regionalen Akteure sind ehrenamtlich und mit viel Herzblut dabei. „Das, was für andere kommerzielle Werbung ist, ist mit unserem Film Werbung für unsere wunderschöne Heimat, den Ort und die Menschen“, begründet Andrea Gloger das Filmgeschehen, das im Görlitzer Umland in dieser Form einmalig sein dürfte. Kirchgemeinde und Verein sind die Organisatoren. Jährlich schauen sich im Dorfkino im Durchschnitt 1 500 Menschen den Vorfilm an. Jedes Jahr wird dabei ein neues Thema filmisch aufgegriffen.

Carmen und Wilfried Fuhrmann gehören zu den Laiendarstellern. 
Carmen und Wilfried Fuhrmann gehören zu den Laiendarstellern.  © Constanze Junghanß

In diesem Jahr steht der Ortsteil Hilbersdorf im Fokus der Dreharbeiten. Der Ort feiert groß sein Jubiläum „600 +“. Das Pluszeichen ist der Hinweis darauf, dass das Dorf in Wirklichkeit älter ist. Ursprünglich vertrauten die Bewohner auf einen Wikipedia-Eintrag im Internet. Bei Recherchen stellte sich dann aber heraus, dass Hilbersdorf bereits 642 Jahre alt wird. Gefeiert wird trotzdem in diesem Herbst.

Im Vorfilm werden auch Geschichten aus dem Leben der Leute von Hilbersdorf erzählt. Zu ihnen gehören zum Beispiel Carmen und Wilfried Fuhrmann. Das Ehepaar arbeitete im Apfellagerhaus Hilbersdorf. „Die ersten Bäume wurden 1956 gepflanzt“, erzählt der heute 70-Jährige. Und auch, dass auf den Plantagen, im Obstbau und der Vermarktung zu DDR-Zeiten die meisten Frauen aus dem Ort beschäftigt waren. „Der bekannte Gelbe Köstliche, der Idared und andere Sorten wuchsen bei uns“, erzählt Ehefrau Carmen. Vor 20 Jahren war Schluss mit der Apfelproduktion. Die Plantagen sind abgeholzt, das Betriebsgebäude steht verlassen. Ein Zettel an der Tür informiert, dass da ein Landwirt Kartoffeln einlagert. Im Vorfilm werden Fuhrmanns ebenso zu Wort kommen wie weitere Protagonisten.

20 Mitwirkende – vom Kameramann bis über die Assistenz, die Laienschauspieler und Görlitzer mit ihrer Drohne sind dabei. Die fliegt über Fuhrmanns hinweg und macht Aufnahmen von oben. Rolf Mehlhardt und Frauke Neumann haben ihre private Drohne mitgebracht. „Angesprochen worden bin ich von meinem Hilbersdorfer Arbeitskollegen, ob wir mit der Drohne ein paar schöne Bilder beisteuern können“, sagt Mehlhardt. Die Idee, dass ein Dorf seinen eigenen Film produziert, fand er genial und verbindet damit eine Kindheitserinnerung: Im Defa-Film „Die Überlebende“, der in Königshain produziert wurde, sei er als Statist dabei gewesen. Das ist Jahrzehnte her. Nun beim Vorfilm mitzuwirken, frische auch die Erinnerung an die eigene Kindheit in Königshain – dem Nachbarort von Hilbersdorf – wieder auf.

Drei Tage dauern die Dreharbeiten insgesamt. Das Team stärkt sich zwischendurch mit selbst gebackenem Kuchen und Kaffee aus der Thermoskanne. Dann müssen alle still sein: Die Pilgerinnen wandern los, die nächste Szene kommt in den Kasten. Gezeigt werden soll der Film ab dem 26. Juli im Landkino Arnsdorf.

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