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Bautzen

So funktionieren die neuen Bereitschaftspraxen

In Bautzen, Bischofswerda und Kamenz haben am Krankenhaus neue Arztpraxen eröffnet. Sie sollen das Warten in der Notaufnahme verkürzen.

Ein Fall für den Hausarzt oder für den Notarzt? Diese Frage wird in den neuen Bereitschaftspraxen geklärt, die am Wochenende in Bautzen, Bischofswerda und Kamenz in Betrieb gehen.
Ein Fall für den Hausarzt oder für den Notarzt? Diese Frage wird in den neuen Bereitschaftspraxen geklärt, die am Wochenende in Bautzen, Bischofswerda und Kamenz in Betrieb gehen. © dpa

Bautzen/Bischofswerda/Kamenz. So leer wie momentan ist die Bautzener Notaufnahme selten: „Die Leute bleiben jetzt tatsächlich zu Hause, kommen angesichts der Ausbreitung des Coronavirus offensichtlich nur, wenn es wirklich nötig ist“, sagt Dr. Ulf Winkler, Ärztlicher Direktor der Oberlausitz-Kliniken.

Das sei sonst ganz anders: „Vor allem an den Wochenenden kommen viele mit Kleinigkeiten in die Notaufnahme, die eigentlich ein Fall für den Hausarzt wären“, sagt der Chef der Kinder- und Jugendklinik am Bautzener Krankenhaus. Das bedeutet dann: lange Wartezeiten - vor allem für die weniger dringenden Fälle - und unnötige Belastung des Personals, das sich eigentlich um die schwer Erkrankten kümmern soll, die ins Krankenhaus aufgenommen werden müssen.

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Eine neue Bereitschaftspraxis soll das jetzt ändern. Mehr als 20 gibt es davon bereits in Sachsen. Nun bekommt auch der Landkreis Bautzen drei davon:  an den Krankenhäusern Bautzen, Bischofswerda und Kamenz. Das Ziel: die Notaufnahmen entlasten, Wartezeiten verkürzen.

Mehr als 80 Notfallpatienten pro Tag

Aber was ist das eigentlich – eine Bereitschaftspraxis? Die Kassenärztliche Vereinigung, die für die ärztliche Versorgung im ambulanten Bereich zuständig ist, hat dafür Räume in den jeweiligen Krankenhäusern angemietet. Die befinden sich in der Regel direkt neben der Notaufnahme. An den Wochenenden ist hier ab sofort der ärztliche Notdienst zu finden, also jene ambulanten Ärzte, die auch bisher schon den Bereitschaftsdienst übernommen haben - neu sind vor allem der Ort und die Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Krankenhaus.

Ulf Winkler hat mit einer solchen Praxis, auch Portalpraxis genannt, bereits Erfahrungen gesammelt, denn an der Bautzener Kinderklinik gibt es schon seit etwa zwölf Jahren eine. Die hat sich bewährt, ist Winkler überzeugt; sie sei ein Gewinn für Krankenhaus und Patienten. „Weil die diensthabenden Ärzte des Krankenhauses entlastet werden“, sagt er, „können sie sich auf die Visiten und die Versorgung der stationär aufgenommenen Patienten konzentrieren.“

Denn obwohl es ja auch vorher schon einen ärztlichen Notdienst gab, kamen die Leute vor allem an den Wochenenden eben sehr oft direkt in die Klinik. „Die Patienten sind es gewohnt, ins Krankenhaus zu fahren“, sagt Winkler. Fast 30.000 Notfallpatienten kamen 2018 in die Klinik, im Schnitt mehr als 80 pro Tag. Der Vorteil, wenn Notaufnahme und Bereitschaftspraxis in einem Gebäude sind: Sie können sich die Patienten je nach Behandlungsbedarf gegenseitig zuweisen.  Zugleich würden bei den Bürgern Unsicherheiten beseitigt, wann der Bereitschaftsdienst und wann die Notaufnahme der bessere Ansprechpartner ist, sagt der Kamenzer Krankenhaus-Geschäftsführer Sven Heise.

So sieht es in der neuen Bereitschaftspraxis aus, die am Donnerstag im Malteser Krankenhaus in Kamenz eröffnet wurde.
So sieht es in der neuen Bereitschaftspraxis aus, die am Donnerstag im Malteser Krankenhaus in Kamenz eröffnet wurde. © René Plaul

Katharina Bachmann-Bux, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, erklärt: „Die Praxis ist nicht für lebensbedrohliche Notfälle gedacht.“ Stattdessen geht es um Fälle, „die normalerweise tagsüber eine Arztpraxis aufsuchen würden, die Behandlung aber aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Werktag warten kann“. Bachmann-Bux ist vor allem eine Sache wichtig: „Die Bereitschaftspraxen haben nichts mit der derzeitigen Corona-Pandemie zu tun.“

Und wie läuft das nun in der Portalpraxis? „Wer herkommt, dem werden Schlüsselfragen gestellt“, erklärt Ulf Winkler. Diese ähneln dem sogenannten Triage-System, nachdem festgestellt wird, wie dringend ein Fall in der Notaufnahme ist – und wie schnell er drankommen muss.

Für die Entscheidung zwischen Notaufnahme und Portalpraxis bedeutet das: „Leidet der Patient zum Beispiel an Atemnot, ist er klar ein Fall für die Notaufnahme. Bei einer starken Blutung ebenfalls“, sagt Winkler. Auch bei einem offenen Bruch sei der Fall eindeutig. Kommen hingegen Patienten ins Krankenhaus, die eigentlich eher ein Fall für den Hausarzt wären, werden sie zum kassenärztlichen Bereitschaftsdienst geschickt.

In den Krankenhäusern Bautzen, Kamenz und Bischofswerda werden die Portalpraxen dafür künftig sonnabends, sonntags sowie an Feier- und Brückentagen geöffnet sein. Längerfristig, erzählt Ulf Winkler, sollen in Bautzen auch der Mittwoch und der Freitag dazukommen.

Ab Juli auch Augenärzte in Bereitschaft

Im vorigen Frühjahr hatte das Bautzener Krankenhaus mit den Umbauarbeiten in der Notaufnahme begonnen, daneben wurden nun vier Räume für die neue Bereitschaftspraxis eingerichtet. In Bischofswerda sind es drei Räume, hier wurde extra umgebaut. Und auch in Kamenz ist alles nagelneu. 

Die Arbeiten in Kamenz sind noch nicht ganz abgeschlossen, es soll noch ein gemeinsamer Empfangstresen für Portalpraxis und Notaufnahme entstehen. Für die Praxis wurden mehrere Einzelräume zusammengeführt, neue Fußböden verlegt, die Wände frisch gestrichen, Technik installiert und alles barrierefrei hergerichtet. Auch ein neues Wartezimmer mit zehn Sitzplätzen gibt es. Zwei Behandlungsräume und ein Funktionsraum, zum Beispiel für ein EKG, stehen zur Verfügung. 

In Bautzen gibt es keinen gemeinsamen Empfangstresen, die Anmeldungen sind aber nur ein paar Schritte voneinander entfernt. Und es gibt weitere Pläne: Ab Juli, erzählt Ulf Winkler, soll es in Bautzen noch ein zusätzliches Angebot geben. „Dann ist hier auch der Augenärztliche Bereitschaftsdienst für die Region vorgesehen.“

Öffnungszeiten:

Bautzen: Oberlausitz-Kliniken gGmbH, Am Stadtwall 3. Wochenende, Feiertage und Brückentage 9 bis 13 Uhr und 15 bis 19 Uhr.

Bischofswerda: Oberlausitz-Kliniken gGmbH , Kamenzer Straße 55. Wochenende, Feiertage und Brückentage 9 bis 13 Uhr.

Kamenz: Malteser Krankenhaus St. Johannes, Nebelschützer Str. 40. Wochenende, Feiertage und Brückentage 9 bis 13 Uhr. 

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